Shadrane / Temporal
Temporal Spielzeit: 55:11
Medium: CD
Label: Lion Music, 2008
Stil: Progressive Metal

Review vom 24.12.2008


Christoph Segebard
Cloudscape, Poverty's No Crime, Metro Society, Oblique Rain, Project Creation und Richard Andersson sowieso. Das sind nur sechs der Interpreten, die mir auf Anhieb einfallen, wenn ich an Bands denke, die am eigenen Anspruch scheitern. Progressive Metal ist nunmal kein Zuckerlecken, keine Sache des Willens, sondern des Könnens.
Der Grund für diese Einleitung? …Betrachten wir mal "Temporal" vom neuen Prog-Projekt Shadrane, das schonmal einen sehr verdächtigen Eindruck macht. Es gibt einen Kopf, Vivien Lalu. Und dazu gibt es viele, viele Gastmusiker. Mit deren Namen wird von Promoterseite natürlich heftig geprotzt - aber wie so oft kennt man selbst als Prog-Fan kaum einen von ihnen.
Mir waren immerhin zwei bekannt: Gary Wehrkamp von Shadow Gallery hat ein Gastsolo auf dem Rausschmeißer "Gallery 2008" beigesteuert, und einer der Sänger ist Göran Edman, den wir von Yngwie kennen.
Punkt zwei: Ein Konzeptalbum, das einer gefühlsduseligen Story folgt. Diesmal: »Über die Liebe eines US-amerikanischen U-Boot-Kommandanten zu der Japanerin Madoka in der Zeit von Pearl Harbor, 1940-1942«. Na ja. Das lass ich jetzt mal so stehen; ist Geschmackssache.
Diese Anhaltspunkte machen Shadrane eigentlich zu einem ganz, ganz heißen Kandidaten für die Riege der oben genannten Bands, von denen die meisten erst schwach angefangen und dann noch stark nachgelassen haben. Wenn viel Lärm um etwas gemacht wird, stellt sich dieses in letzter Zeit leider allzu häufig als nichts heraus.
Aber, und da bin ich auch selbst erleichtert - Shadrane zieht den Kopf aus der Schlinge und legt tatsächlich ein lohnenswertes Album hin. Dabei lebt es zum einen von der fast ständig verträumten, hingebungsvollen und leidenschaftlichen Atmosphäre und schafft es zum anderen, diese mit einigen guten Ideen zu koppeln, ohne, dass eine der Komponenten leiden muss. Cooles, Kreatives und Sehnsuchtsvolles in Einem - schöne Sache. Gut zu hören beispielsweise bei "She Writes".
Auch beim Rest gibt man sich dann keine Blöße. Der Sound ist prima, die Sänger allesamt gut (auch wenn nicht wirklich ein Unterschied auffällt), und auch technisch zeigt man nie eine Schwäche. Mit den Chören und den schmalzig-einsamen Momenten übertreibt man es wohl manchmal, und die angesprochenen frischen Augenblicke gibt es einen Tick zu selten, aber da will man wirklich mal nicht so sein. Ist ja auch Weihnachten.
Shadrane also - Daumen nach oben von mir, und durchaus nicht nur für Progger einen Blick wert. Hört ruhig mal rein und lasst euch ein bisschen mittragen, liebe Freunde; es soll euer Schaden nicht sein, versprochen.
Line-up:
Göran Edman (vocals)
Björn Jansson (vocals)
Hendrik Bath (vocals)
Vivien Lalu (keyboards)
Joop Wolters (guitars, bass - #8, 9, 10)
Matt Bissonette (bass)
Gregg Bissonette (drums)
Tracklist
01:Temporal
02:Madoka
03:Requiem For A Rose
04:I Remember
05:She Writes
06:Rainy
07:Lanterns Dance
08:Betrayal
09:Morpheus
10:Consider It
11:Manzanar
12:Babies In The Bath
13:Dance Of Solitude
14:Gallery 2008
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