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Drei langhaarige Jungs, die, ohne auch nur einen Ton Musik von ihnen gehört zu haben, als Southern-Rocker durchgewinkt werden könnten, machen allerdings etwas ganz anders. The Shrines Schrein ist ein offener, überdimensionierter Wok aus Beton. Zwei Bandmitglieder stehen in der Mitte und einer dreht auf einem Skateboard unablässig seine Runden, so als wolle er die beiden anderen schwindelig machen.
Selbst beschreiben sie ihren Stil mit 'Psychedelic Violence'. Der rüde The Shrine-Rock'n'Roll hat nichts Psychedelisches an sich. Punk, Garage, Stoner Rock, Metal und Retro-Sichtweisen sind die Zutaten von "Primitive Blast". Im Sinne von Explosion oder Druckwelle für 'Blast' kommen wir der Sache schon viel näher.
"Primitive Blast" ist ein höllisches, fast zweiunddreißigminütiges Feuerwerk ohne Zündschnur. Grelle Magnesium-Raketen schießt The Shrine dem Hörer entgegen und selbst bei der schon erwähnten Spielzeit verschleißen wegen der gebotenen Härte schon so einige graue Nervenstränge. Bei vorliegender Platte sollte allerdings der Tag nicht vor dem Abend gelobt werden. Mit Eintönigkeit hat die CD nichts zu tun.
Das turbulente Trio hat Songs geschrieben, die sehr gut arrangiert und mit einem staubtrockenen Sound versehen wurden. Okay, hier und da blitzen die guten alten Black Sabbath auf, aber im Großen und Ganzen verfügt The Shrine über Eigenständigkeit.
Josh Landaus schnelles Riffing wird erst durch Jeff Murrays Drumming sowie das Flinkefinger-Zupfen von Tiefton-Bediener Court Murphy zusammengehalten. The Shrine geben jedem Track eine unerwartete Wendung und selbst wenn man es beim "Louise"-Rock'n'Roll auf die Härte-Spitze treibt, bleibt die Nummer hörenswert.
Landaus Gitarrensoli wirken wie Befreiungsschläge in Richtung Himmel. Aber eben nur bis zu den Wolken. Die Psychedelic fängt weiter oben an. Nichtsdestotrotz, The Shrine ist gut, manchmal sogar sehr gut.
In den letzten drei Titeln, die auch von der Spielzeit etwas ausgiebiger gehandelt werden, gibt der Dreier Kostproben seiner weiteren Möglichkeiten ab. Da sorgt der knarzige Tieftöner für eine Bridge und Landau ist im Alleingang etwas länger unterwegs. Die Combo hat einige Speed-Blues Rock-Granaten in ihrem Sarkophag und setzt diese ganz gezielt ein.
So hat zum Beispiel "Drinking Man" einen ordentlichen Schuss des 12-Takters abbekommen und mit Rock'n'Roll-Versatzstücken gemixt klingt man wie eine Underground-Kapelle auf der Achterbahn. Das sehr bewegende "Deep River (Livin' To Die)" ist mitreißend-grandiose Stoner Rock-Rohkost der abgehangenen Art. Stellenweise finden durch langsamere Taktung Atempausen statt. Das Stück verfügt über ein furioses Blues-Ende, bei dem der Gitarrenheld Laundau wieder einmal seine Axt schwingt. Kompliment!
"Primitive Blast" ist Rock-Wahnsinn für den Musikfan. Bei dieser Platte müssen die aufgestauten Aggressionen rausgespielt werden, bevor sie zu medizinischen Nebenwirkungen führen. Bei der amerikanischen Band ist der Nervenkitzel im Dauereinsatz und die CD ist geprägt von wilden Pinselstrichen. Überzeugende Arrangements führen zu respektablen Effekten und einer sehr gelungenen Milieustudie des Stoner Rock ohne Hau-Drauf-Charakter.
Der bretthart gepfefferte Rock von The Shrines "Primitive Blast" ist hoffentlich nicht der letzte Streich einer Gruppe, die ein mitreißend-packendes CD-Kraftpaket abgeliefert hat. Hier passt selbst die doch kurze Spielzeit der Platte. The Shrine ist authentisch und intensiv. So, wie sich die Band ohne Protektoren auf dem Skateboard bewegt, ist es auch mit ihrer Musik. Klasse! Der harte Rock'n'Roll hat ein weiteres, sehr interessantes Mitglied bekommen.
Line-up:
Josh Landau (guitar, vocals)
Court Murphy (bass)
Jeff Murray (drums)
| Tracklist |
01:Zipper Tripper (3:06)
02:Whistlings Of Death (2:14)
03:Freak Fighter (2:52)
04:Run The Night (2:48)
05:Primitive Blast (3:30)
06:Louise (2:27)
07:Wasted Prayer (4:22)
08:Drinking Man (4:01)
09:Deep River (Livin' To Die) (4:01)
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