Einen Überraschungseffekt hat die Dresdener Band Sinamon im Kasten. Ein kleines Päckchen Honig, zusammen mit deren CD "Swim Or Drown", ist wohlbehalten am unteren Niederrhein eingetroffen. Durchatmen! Blütennektar mag ich. Schwimmen, meine Sportart, wenn da nicht die übertriebenen Eintrittspreise für sogenannte Spaßbäder wären. Darüber kann ich mich genüsslich aufregen, ist aber ein anderes Thema. "Swim Or Drown", der Titelname ist ultimativ. Entweder-oder, Schwimmen oder Absaufen. Anders verhält es sich mit der ersten CD der Band, die schon mehrere alternative Sichtweisen zulässt. Wer könnte die Einflüsse auf ihre Musik besser auflisten, als die Musiker persönlich. So findet man die folgenden Namen: Chris Whitley, Radiohead, Sigur Ros, Sneaker Pimps, Archive, Elbow, Interpol, And You Will Know Us By The Trail Of Dead.
Die Songs wurden von der Band geschrieben und der Sänger Gunnar Mothes hat die Texte dazu verfasst. Schon im Opener "Home" weiß dieser durch eine große Flexibilität in seiner Stimme zu überzeugen. Ein hymnenhafter abwechslungsreich arrangierter Song, in dem einem besonders die feinen Pianoläufe gefällig ins Gehör gehen. Andy Philipp haut einige deftige Töne aus den Saiten seiner Gitarre. Keyboards (Clemens Poetzsch) und Gitarre spielen einerseits unisono, anderseits setzen sie auch für sich Akzente in der Musik von Sinamon. Zu hören auch in "Jail", einem richtig schön groovig treibenden Song. Die Rhythmusabteilung in persona von Ben Heinrich (bass) und Uwe Goelfert (drums), machen über die gesamte CD einen sehr guten Job. "Jail" ist ein wahrer Ohrwurm, in dem der Refrain rhythmisch vom Feinsten gegenüber dem Rest des Songs hervorgehoben wird und er hat Mitsing-Charakter.
Jaja, Clemens Poetzsch spielt schon eine entscheidende Rolle im Soundgefüge der Band und gerade der hat, wie die News es auf der Band-Page mitteilen, die Gruppe verlassen. Es ist zu wünschen, dass die Dresdener Band schnell adäquaten Ersatz findet.
"Self Made" ist nicht gerade weltbewegend, denn der Song hat irgendwie keine Haftung, so wie es Honig hätte, dafür aber der Titeltrack "Swim Or Drown" umso mehr. Das ist schon dramaturgisch aufgebaute Musik, die die nötigen Ecken und Kanten, inklusive eines sehr schönen Mittelteils, aufweist, um sich im Hirn festzusetzen. Klasse, der Track und somit auch Anspieltipp. Wenn schon Vergleiche mit anderen Bands, darf einen hier die Gitarre auch an The Edge von U2 erinnern.
Nicht explizit führt das Quintett die Backing Vocals auf. Warum nicht? Die sind doch eine Abteilung für sich, tauchen sie doch in fast jedem Song auf. "Second Skin" ist geradezu davon geprägt und diese rockige Up-Tempo-Nummer können Sinamon gelassen auf der Habenseite verbuchen.
Tja, mit dem letzten Song der CD, "Bliss" betitelt, sind wir bei der balladesken Seite der Band gelandet, und hier liegt eine ihrer Stärken. Toll! Ein solcher Song könnte sich als eine der Visitenkarten von Sinamon erweisen. Nochmals beeindruckt Gunnar Mothes durch seine Stimme.
Mit der CD "Swim Or Drown" hat sich die Band ein gutes, kraftvolles Fundament geschaffen, um ihren weiteren Weg ausbauen zu können. Viel Erfolg dabei und hoffentlich bald mehr von Sinamon…aber bitte ohne Honig.
Line-up:
Gunnar Mothes (vocals)
Clemens Poetzsch (keyboards)
Andy Philipp (guitar)
Ben Heinrich (bass)
Uwe Goelfert (drums)
| Tracklist |
01:Home (4:40)
02:Jail (4:24)
03:Self Made (3:49)
04:Swim Or Drown (4:23)
05:Second Skin (4:58)
06:Bliss (3:43)
|
|
Externe Links:
|