SpeedBottles / Jurassic Love
Jurassic Love Spielzeit: 40:41
Medium: CD
Label: Core Tex Records, 2014
Stil: Rock'n'Roll

Review vom 02.06.2014


Joachim 'Joe' Brookes
Von Downstroke Demons geht es jetzt ab in den Jura, einer Zeitepoche, in der die Dinosaurier das Sagen hatten. Auf dem Cover reitet die Lady auf einem Tyrannosaurus Rex, einem der angriffslustigsten und damit auch gefährlichsten Vertreter seiner Gattung.
Die SpeedBottles sind ebenfalls angriffslustig und beißen mit vorliegendem Album einen mächtigen Fleischkloß aus dem Rock'n'Roll. Fast einundvierzig Minuten stehen die Fahnen der Musik stramm im Wind und damit es auch weiterhin so ist, laufen die Propeller der Combo auf Hochtouren.
Die Antriebsaggregate für die Rotoren haben den Belastungstest schon lange bestanden und das Quintett um den Sänger Sebbi von Speedbottle rasselt lauthals mit seinen Werkzeugen, die sie am Besten beherrschen. Mit Hilfe einer Zeitmaschine beamt sich die Gruppe zurück in die Dino-Epoche und lehrt den Ungetümen das Fürchten. Hier stampft kein Dino mit seinen überdimensionalen Füßen lauter als Addi auf seine Bassdrum. Mit den flinken Fingerspielereien von Berschmann sowie Tommy auf je zwölf Saiten werden die riesigen Lebewesen hypnotisiert oder in die Flucht getrieben und dazu gibt Simon Diamond auf seinen dicken Saiten den Rhythmus des Auszugs an.
Die Formation verwandelt Steine in eine Gerölllawine. Irgendwo finden die Dinos Ruhe, aber nur, weil sich die SpeedBottles auch mal eine Pause gönnen müssen. Wobei die fünf Musiker beim Begriff Ruhe mit einem Lotuseffekt auf ihrer Haut reagieren. Bei "Jurassic Love" geht es viel eher um bedingungslos, ohne Gnade oder Erbarmen. Hier werden die Grundfesten des Rock'n'Roll bis auf die Knochen verteidigt. Die SpeedBottles lassen keine anderen Götter neben sich walten. Was zählt ist der pure Genuss, ohne Schnickschnack oder Weichspüler oder gar Weihrauch. Harte Musik für Leute, die Rumeiern nicht mögen, direkt auf den Punkt kommen ... die Wahrheit kann manchmal wehtun.
Die gasigen Gelüste der Römer nach einem opulenten Mahl werden bei den SpeedBottles mit einem knallenden "Fart Hard" beantwortet. Da bekommt das in der Musik so oft benutzte Wort Duftmarke eine reale Bedeutung:
»[...] We rock, we drink, we fart
Fart hard, fart hard, fart hard [...]«
Der besungene und gespielte Band-Pups ist kein in die Ecke gestelltes laues Lüftchen, sondern eine perfekte Vollbedienung in Sachen hochoktanigen Hard Rock mit einem kleinen Intermezzo zum Luftholen.
Aus dem Informationsblatt: »Auf dem Album befinden sich Songs neuesten Datums, sowie Stücke aus der frühesten Schaffensphase des Fünfers aus Idar-Oberstein.« Auffallend ist dann, dass die zwölf Nummern in keiner Weise beziehungslos dastehen. Die Combo beherrscht das Changieren zwischen Rock'n'Punk, Rock'n'Metal sowie Hard Rock extrem gut und wohl schon in den Kinderschuhen der Entwicklung.
Die Musik hat Gehalt. Ein Rock'n'Roll-Messgerät zeigt ohne Unterhalt auf hektopascalschen Hochdruck und man kommt zum Beispiel bei "Highspeed" ganz von alleine ins Schwitzen. Klasse ist auch "Fuck With You", wobei Sebbi von Speedbottle zum tief-artikulierenden Growler wird.
Das abschließende "Party, Weekend, Rock'n'Roll" ist die ultimative Hymne, das Motto der Band. Dieser Track hat aber auch an allen anderen Wochentagen seine Berechtigung. Der Freitag ist der kleine Samstag. Montags dient das Ding zum Ausdünsten und am Donnerstag sind es nur noch fünfzig Prozent bis zum Wochenende, denn mittwochs wird die Nummer zweimal gedreht. Dann heißt es schließlich abermals "Party, Weekend, Rock'n'Roll".
»Selbstverständlich wird das Rad nicht neu erfunden, aber es dreht sich schnell und walzt dabei ganze Nachbarschaften nieder.« Dafür ist "Jurassic Love" die SpeedBottles-Abrissbirne.
Line-up:
Sebbi van Speedbottle (vocals)
Simon Diamond (bass)
Tommy (lead guitar)
Addi (drums)
Berschmann (rhythm guitar)
Tracklist
01:My Girl Is Ridin' A Dinosaur (2:57)
02:Devil's Girl (3:51)
03:Knucklefight (3:04)
04:I Have Seen Nothing Yet (3:30)
05:Snakebite (2:57)
06:Drugs And Training (3:06)
07:Sweet Jane (3:18)
08:Highspeed (3:29)
09:Fart Hard (3:48)
10:Donkey Style (3:39)
11:Fuck With You (2:50)
12:Party, Weekend, Rock'n'Roll (3:43)
(all songs written by SpeedBottles)
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