»Bitte, hochverehrter Winkelschreiberling, verschone uns mit diesen ewigen Rod Stewart-Vergleichen, die wir überall lesen müssen. Spike hat es nicht verdient, mit 'Rod the Pop' in einem Atemzug genannt zu werden, der hat doch in den letzten dreißig Jahren nichts Vernünftiges auf die Beine gebracht«. So sprach's der imaginäre Leser im Traum des Hobby-Journalisten und dieser Bitte komme ich, wenn auch schweren Herzens, nach. Aber was soll man tun, wenn sich der Frontmann der Quireboys auf seinem neuen Soloalbum auf eine andere britische Gesangslegende stürzt? So bleiben der Leserschaft die Vergleiche doch nicht erspart. Ich schreibe hier und kann nicht anders.
Wenn jemand "Be Good To Yourself" von Frankie Miller covert, muss er mehr als selbstbewusst sein und glauben, es mit einem der besten, wenn nicht sogar dem allerbesten weißen R&B/Soul-Sänger aufnehmen zu können. Oder ist es ganz simpel als Tribut an den legendären Schotten zu verstehen? Wie auch immer, Spikes kehliges Organ ist nun mal weniger variabel und gefühlvoll, die Rhythmussektion groovt auch nicht so höllisch und die Memphis Horns sind diesmal auch nicht da, die anno '77 dem Party-Kracher bzw. dem gesamten "Full House"-Album diesen Stax-/Hi Records-Touch verpassten. Aber was soll's, es ist immer noch geiler Rock'n'Roll, wie man ihn unmöglich nicht mögen kann.
Wer über die gesamte Spielzeit Rock'n'Roll erwartet, wird zunächst vielleicht enttäuscht sein. Denn die Formel 'viele Rocksongs - wenige Balladen', nach der die Scheiben der Quireboys gestrickt sind, wird hier umgedreht - die ruhigen Stücke bilden die große Mehrheit, die er auch sehr glaubwürdig interpretiert, seien sie countryfiziert, soulig/bluesig oder poppig. Neben seiner markanten Stimme sind es nun die teilweise fast schon Singer-/Songwriter-Qualitäten. Auch wenn hier die Quireboys-Mannnschaft mitwirkt, die CD trägt zu Recht den Namen von Spike.
Die Highlights des Albums sind die Lovesongs. "Without You" - erinnert mich etwas an "King Of New York" von der "Bitter, Sweet & Twisted"-CD - und "So Far So Good", das mit dem Co-Leadgesang von Angela Bruyera und Mundharmonika veredelt wird. Paul Guerin spielt eine so emotionale Slidegitarre, dass man den Tränen nahe ist. Der alte Herzensbrecher Spike macht sogar einen Ausflug in Richtung Jazz-Pop meets Smooth-Soul ("I'm In Love With You", "Have A Drink With Me"), um dann den alten Slade-Hit "Everyday" zu covern, der hier perfekt zur Gesamtausrichtung passt. Weniger passend empfinde ich die teilweise überharten Rocker wie "She's A Rolling Stone" oder "Rise Above", die soundmäßig stark vom restlichen Material abweichen.
Denn wir haben auch zwei richtig treibende Midtempo-Country-Hoppler mit "Wins, Ties And Losses" und "Won't Ya Stick Around" auf der CD, letzterer sogar mit amtlichem Banjo- und Honky Tonk Piano-Einsatz. Dann ein weiteres Frankie Miller-Cover mit "When I'm Away From You", um zum Schluss noch richtig traditionellen Country inkl. Pedal Steel zu erleben.
Ingesamt eine prima Solo-Scheibe, nicht nur für Fans der Quireboys. Die markante, whiskeygetränkte Stimme von Spike muss man einfach lieben. It's a treat listening to you, Sir!
Line-up:
Spike (lead vocals)
Michael Lee, Paul Hornby, Dave Kirkley, Pip (drums)
Paul Guerin, Dave Colwell (guitars)
Keith Weir (piano, hammond B3, strings, wurlitzer)
Nick Mailing, Nigel Mogg (bass)
Angie Brown, Keith Weir, Nick Mailing (back up vocals)
Angela Bruyera (lead vocal, # 10)
Robbie Bond (pedal steel #14)
| Tracklist |
01:Have A Drink With Me
02:Be Good To Yourself
03:Wins, Ties And Losses
04:Everyday
05:Rise Above
06:Won't Ya Stick Around
07:Without You
08:Lady And Her Daughter
09:When I'm Far Away From You
10:So Far So Good
11:She's A Rolling Stone
12:I'm In Love With You
13:True Friends
14:7/11 Roses
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