Status Quo & Uriah Heep
08.11.2013, Max-Schmeling-Halle, Berlin
Max-Schmeling-Halle Status Quo
Support: Uriah Heep
Tempodrom Berlin
08. November 2013
Konzertbericht
Stil: Rock


Artikel vom 16.11.2013


Holger Ott
Impressionen Kaum ist der erste Kinofilm von Status Quo, eine rasante Krimikomödie mit dem Titel Bula Quo in den Läden, so tourt die Band bereits unter diesem Motto um die Welt. Parallel dazu hat sich die Reunion der Originalbesetzung, der 'Frantic Four', vollzogen und aufgrund der unerwartet hohen Besucherzahlen Anfang des Jahres, wird das Ur-Quartett im kommenden Frühjahr erneut unterwegs sein. Deutschland (u. a. auch Berlin, 18.03.2014 O2 World) steht dabei mit auf dem Spielplan und man scheut sich nicht, die ganz großen Hallen anzumieten. In Anbetracht dieser Voraussicht wundert es mich nicht, dass die Max-Schmeling-Halle in Berlin sehr gut besucht ist.
Uriah Heep Als kleines, aber nicht minder bedeutendes 'Schmankerl' haben sich Francis Rossi, Rick Parfitt und Co. Uriah Heep ins Boot geholt, was ebenfalls dafür sorgt, dass der Andrang deutlich größer ist, als noch vor einem Jahr im viel kleineren Tempodrom. Neugierig sind die Fans beider Bands, denn es wird jeweils ein neuer Musiker präsentiert. Quo mit neuem Drummer, zu dem ich noch kommen werde und Heep stellt den neuen Bassisten vor. Wenn sie es mal machen würden... Leider und zu meinem persönlichen Bedauern finden weder Mick Box noch Sänger Bernie Shaw ein paar Worte, um dem Tod von Trevor Bolder zu gedenken oder seinen Nachfolger Davey Rimmer vorzustellen. Dieser Mr. Rimmer spielt nicht nur einen hammerharten Bass, sondern trägt auch noch ein Teil mit sich herum, das locker der Axt von Gene Simmons Konkurrenz machen könnte. Zudem habe ich das Gefühl, dass seine erfrischende Spielweise Uriah Heep kräftigen Wind in die alten Segel bläst. Die Band wirkt enorm agil und selbst der sonst so ruhige und besonnene Keyboarder Phil Lanzon geht phasenweise völlig aus sich heraus.
Uriah Heep Leider wird ihnen nur eine Stunde zugestanden und erst in den letzten dreißig Minuten ist das Publikum endlich soweit, in Jubel und Applausstürme zu verfallen. Wieder einmal sind es die Klassiker, die für Standing Ovations sorgen und die die Faszination der Band ausmachen: "Gypsy", "Look At Yourself" und das grandiose "July Morning", bei dem Drummer Russell Gilbrook in unbeschreiblicher Form ist. Es könnte stundenlang so weitergehen, denn Material hat die Band zur Genüge, aber nach "Easy Livin'" und dem unverzichtbaren Mitschunkler "Lady In Black" ist bereits alles vorüber. Auch dieser bekannteste ihrer Songs wird neu aufgepeppt vorgestellt. In den vergangenen Jahren war ja ausgerechnet dieses Werk bei ihren Konzerten etwas zum Langweiler mutiert. Nun zeigt sich, dass nicht nur Gilbrook, sondern auch Rimmer dazu beitragen, dass Uriah Heep wieder sehens- und hörenswert sind. Es wird also Zeit sie wieder in voller Länge in Deutschland bewundern zu können. Man sieht ihnen förmlich an, dass der Spaß am Spielen zurückgekehrt ist.
Ebenfalls hoch anzurechnen ist die Publikumsnähe der Band. So sind sie sich keinesfalls zu schade und finden während der Show von Status Quo den Weg an den Bierstand im Innenraum der Halle, um mit den Fans zu feiern.
Status Quo Während sich die einen feiern lassen und dabei den Hauptakt genießen, müht sich dieser auf der Bühne ab. "Bula Quo!" ist angesagt und die Fans sind selbst bei miesem Wetter in Partylaune. Blumenkränze der Filmrequisiten zieren die Häupter von Jung und Alt nicht nur in der ersten Reihe und als das Intro aus dem Film das nahende Ereignis ankündigt, muss ich zugeben, bringt es auch mir ein Lächeln ins Gesicht. "Bula Bula Quo, Bula Bula Quo", dröhnen die Gesänge der Ureinwohner der Fiji-Inseln, auf denen der Film spielt, aus den Boxen und hören sich im Dunkeln sehr angsteinflößend an.
Status Quo Unermüdlich, wie sie es immer machen, beginnen Status Quo die Halle zu rocken. Ohne Pause wird Song an Song gereiht und dabei ein Pensum wie bei einem Marathonlauf absolviert. Nach dem ersten Block nimmt sich Francis Rossi endlich Zeit, die Anwesenden zu begrüßen, zwei neue Songs aus dem Filmtrailer anzukündigen und ein paar Worte über den Film fallenzulassen. Selbst dabei verfällt er in Hektik und zupft schon wieder ungeduldig an seiner geliebten grünen Telecaster herum, die ihn zu späterer Stunde noch zur Weißglut bringen wird.
Status Quo "Looking Out For Caroline" und "Go Go Go" sind die einzigen beiden neuen Stücke, die aus "Bula Quo!" gespielt werden. Dem aufmerksamen Leser wird bestimmt auffallen, dass das gesamte Programm, mit eben dieser winzigen Ausnahme, mit dem vom Vorjahr identisch ist. Man könnte es also eigentlich langweilig nennen das gleiche erneut zu hören, wenn da nicht diese enorme Spielfreude der Band wäre, die durch das tolle Publikum wirklich zu Höchstleistungen angespornt wird. Im Vergleich zu 2012 ein großer Schritt nach vorne. Letztes Jahr nur heruntergedroschen, werden jetzt die Songs zelebriert. Ein richtig geiles Gitarrensolo jagt das nächste, gefolgt von geballter dreifacher Gitarrenpower an der Frontline, wenn man sich im Synchronspielen übt. Nicht nur ich will so etwas von Status Quo Status Quo sehen, sondern mit mir noch zehntausend andere Fans im Saal, der langsam am Überkochen ist. Ich frage mich dabei nur, wie die Band dieses Tempo durchhält. Jeder Musiker wäre froh, zwischen den Songs eine kleine Verschnaufpause zu haben, nicht so Quo. Unermüdlich kommt ein Hit nach dem anderen in absoluter Perfektion und Bestform.
Bereits während des Medleys von "What Your Proposing" bis zu "Big Fat Mama" fängt der neue Drummer Leon Cave an, erste Ermüdungserscheinungen zu zeigen. Es geht ihm scheinbar viel zu schnell. An seinem Gesichtsausdruck ist deutlich zu erkennen, dass er sich eine Auszeit wünscht. Er hat mein volles Mitleid, denn aus eigener Erfahrung weiß ich nur zu genau, wie anstrengend Schlagzeugspielen ist. Dabei ist er mit Abstand der jüngste in der Band. Die 'Alten Hasen' an den Gitarren machen ihm da locker noch was vor. Dabei kommen die schnellen Stücke erst noch. Spätestens bei "Down Down" ist sein Limit erreicht und auch das der geliebten grünen Telecaster. Francis Rossi reißt mindestens eine Saite, an der auch noch etwas dickes Weißes hängt. Sieht nach Totalschaden aus. Status QuoRossi zetert erst mit sich, dann mit der Gitarre und hört mitten im schnellsten Lied auf, zu spielen und zu singen. Verdutzte Blicke seiner Mitstreiter sind ihm gewiss und als nach dem Tausch mit einem Ersatzgerät dieses auch nicht gleich funktionieren will, sieht das Publikum Rossi zum ersten Mal so richtig wütend, als er mit dem Fuß den Effektschalter in Grund und Boden tritt. Aber als ob dann nichts geschehen wäre, wird an gleicher Stelle im Song weiter gemacht. Szenenapplaus und die Band rockt die Bude weiter.
Zwei Gassenhauer beschließen den Hauptteil des Abends, der durch das enorme Tempo wie im Flug vergeht. "Whatever You Want" und "Rockin' All Over The World" helfen den Fans im Innenraum restlos auszuflippen und denen in den Rängen ihre Sitzmöbel zu erklimmen. Mit dieser grandiosen Stimmung hat anscheinend niemand gerechnet, im Vergleich zum Vorjahr selbst ich nicht. Quo sind auch so aufgedreht, dass bis zu den Zugaben höchstens eine Minute vergeht. "Juniors Wailing" ist heute mein göttlicher Favorit und eröffnet den Zugabenblock, der ebenfalls ohne Pause gespielt wird. Ich werde sofort wieder daran erinnert, dass ich die Band bereits in wenigen Monaten als 'Frantic Four' erneut erleben darf und soviel kann ich schon verraten: Der Song steht dann ebenfalls auf der Setliste, aber deutlich weiter oben. Zudem dürfen sich die Fans auf "Roadhouse Blues" und alle Status Quo anderen guten Sachen vom damaligen Live-Doppelalbum aus den 70ern freuen. Wer nicht so lange warten kann oder möchte, dem empfehle ich unbedingt den Kauf der neuen CD bzw. DVD "Back2SQ.1", oder lasst sie euch auf den Gabentisch legen.
Fast drei Stunden Konzertpower sind zu Ende. Boogie, Rock'n'Roll und Hard Rock vom Feinsten wurden den Fans geboten. Der Saal lichtet sich nur schleppend. Niemand will gehen, weil der Abend sensationell gut war. Wir sehen uns im März in der O2 World in Berlin wieder bei den 'Frantic Four'.
Vielen Dank an Janine Lerch und das Concertbuero-Zahlmann für die Akkreditierung.
Uriah Heep    Uriah Heep    Uriah Heep
Uriah Heep    Uriah Heep    Uriah Heep
Status Quo    Status Quo    Status Quo
Line-up Uriah Heep:
Bernie Shaw (vocals)
Mick Box (guitar)
Phil Lanzon (keyboards)
Davey Rimmer (bass)
Russell Gilbrook (drums)
Line-up Status Quo:
Francis Rossi (vocals, guitar)
Rick Parfitt (vocals, guitar)
John 'Rhino' Edwards (bass)
Andy Bown (keyboards, guitar, vocals)
Leon Cave (drums)
Setlist Uriah Heep:
01:Against The Odds
02:Overload
03:Traveller In Time
04:Sunrise
05:I'm Ready
06:Between 2 Words
07:Gypsy
08:Look At Yourself
09:July Morning
10:Easy Livin'
11:Lady In Black
Setlist Status Quo:
01:Caroline
02:Paper Plane
03:Hold Your Back
04:Rain
05:Looking Out For Caroline
06:Go Go Go
07:Rock'n'Roll'n'You
08:Beginning Of The End
09:Medley (What You're Proposing/Down The Dustpipe/
Wild Side Of Life/Railroad/Again And Again/Big Fat Mama)
10:The Oriental
11:Creepin' Up On You
12:In The Army Now
13:Drum Solo
14:Roll Over Lay Down
15:Down Down
16:Whatever You Want
17:Rockin' All Over The World

Encore:
01:Junior's Wailing
02:Rock And Roll Music
03:Bye Bye Johnny
Externe Links: