2008 – aus Satellite Beaver wurde Sunnata und "Climbing The Colossus" ist das Albumdebüt der Warschauer Band. Bei manchen Songs oder Phasen kann einem wirklich ein Schauer über den Rücken laufen. Das Quartett lässt die eh schon bröseligen Wände des Industrial Noise erneut erbeben und bringt so manche Fassade zum Einsturz. Die Kühle ist bis vor die Lautsprecher spürbar. Wärmende Quellen waren allerhöchstens die eingeschalteten Verstärker von Artikulations-Wunder Szy sowie Gad. Die bedrohliche, sich stets angreiferisch zeigende Rhythmusfraktion kennt einen magmatischen Groove und was da bei Szy so alles über die Lippen kommt, ist von der Verständlichkeit nicht unbedingt nachvollziehbar. Aber wen stört so etwas schon. Hauptsache die Stimmen-Stimmung kommt auch aus dem untersten Fach des Tiefkühlschranks.
Die Titel "I", "II", "III", "IV" und "V" könnten zusammengenommen musikalische Einstiegsdrogen aus dem Songverzeichnis von Øresund Space Collective sein. Ja, so unterschiedlich kann sich Sunnata geben. Allerdings wirken die römisch bezifferten Nummern nicht so psychedelisch, wie man es sich wünscht, weil mit um die vierzig Sekunden einfach zu kurz. Gemessen an der Heftigkeit der Sunnata-Klangfabrik sind sie aber willkommene Entspannung für die Lauscher.
Bei allem Respekt, so als ganze Scheibe kann man "Climbing The Colossus" (übrigens, gelungener Albumtitel) nur scheibenweise genießen. Die Kletterei bis zum Gipfel ist steinig, hart und steil. Da braucht man eben Pausen. Die holt sich der Hörer durch die Taste am Player.
Am Namen des Albums symbolisch kleben bleibend, sind die sieben echten Songs lang und länger, an den Nerven zerrende Brocken, die zum Teil wie eine Lawine auf einen zurollen.
Sunnata ist gut. Die Formation hat sich mit Erfolg auf Festivals wie Desertfest Berlin, Robustfest oder Days Of The Ceremony rumgetrieben, um sich in diese beeindruckende Noise-Form zu spielen.
Sunnata hat auch schon die Bühne mit Karma To Burn, Suma oder Sungrazer geteilt. Nach einem tief ausgetretenen "Path" mit psychedelisch-hypnotischen Zügen, einer alles aus dem Weg schiebenden, überdimensionierten stählernen Laderaupe, der Szy in Growl-Höchstform einen bedingungslosen Stempel aufdrückt, kommen die "Stalagmites" förmlich von ganz alleine aus der Erdkruste geschossen. Was für die in der Natur aus dem Boden wachsenden Tropfsteine eine Ewigkeit ausmacht, geht bei dem mystisch-dramatischen Kältetherapie-Quartett ruckzuck.
Etwas über sieben Minuten und fertig sind die Sunnata-Stalagmiten. Kaum zu glauben, ausgerechnet in der Hölle, äh, Höhle wirkt die Combo äußerst freundlich. Wenn man gut gelaunt ist, dann liefert einem die Band sogar ein Häufchen Melodie. "Stalagmites" hat teilweise freundliche Charakterzüge. Das Ende des Tracks dagegen ist kompromisslos.
Achtung! Nach dem bisher Gehörten muss man sich vor "Monolith" schon vor dem ersten Ton in Acht nehmen. Dieses Stück darf man einfach nicht außer Acht lassen, denn der Vierer hat sich mit dieser im eigenen Saft rotierenden Nummer so etwas wie ein Stoner Rock-Denkmal mit allem was dazu gehört gesetzt. Orgiastische Klänge kollidieren unter dem Geschrei eines ausgelassenen Szy und man hat hier das Gefühl als würden die Zeiger der Verstärker endlich den roten Bereich erreicht haben. Sunnata im Überschwang der Gefühle. Der "Climbing The Colossus"-Aufstieg ist aber noch nicht zu Ende. Die Musiker verkehren die naturwissenschaftlichen Tatsachen. Die zähe Masse der grauen Nervenbündel des Doom bewegt sich ganz langsam den Hügel hinauf.
Weit draußen im Weltraum ... "Fomalhaut" ... und doch so nah. Allerdings möchte bei der Fantasie der polnischen Krachmacher keiner wirklich Bekanntschaft mit diesem Stern machen, denn bedrohlicher hat die Düster-Kapelle bis hierhin noch nicht geklungen. Szy spricht seine eigene Sprache, deren Wurzeln man kaum ausfindig machen kann. "Fomalhaut" und Sunnata gehören zusammen wie Captain Kirk und Spock. Die Welt außerhalb unseres blauen Planeten ist bei den polnischen Noise-Spezialisten nicht schön. Man will auch gar nicht wissen, wie schlimm es da draußen ist, aber das Verlangen nach einem derartig guten Gebräu aus Stoner Rock, Doom und Industrial Noise macht süchtig.
Zur Abkühlung ein Zitat aus dem Informationsblatt: "Climbing The Colossus" »is an exploration of impermanent nature of sound, full of rapid changes and distortion overdose. Open your mind and experience it. Let there be noise.« Alles klar? Gut. Unter diesen Gegebenheiten sollte man sich mit Ex- Satellite Beaver, jetzt Sunnata, beschäftigen.
Line-up:
Szy (vocals, guitar)
Gad (guitar)
Dob (bass)
Rob (drums)
Tracklist |
01:I (0:42)
02:Orcan (4:58)
03:II (0:19)
04:Asteroid (3:40)
05:Seven (7:05)
06:III (0:43)
07:Path (7:48)
08:Stalagmites (7:09)
09:Monolith (6:39)
10:IV (0:41)
11:Formalhaut (9:38)
12:V (0:54)
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