SuperTempo / Brother Sun, Sister Moon
Brother Sun Sister Moon Spielzeit: 23:57
Medium: CD
Label: Go Down Records, 2012
Stil: Power Pop, Punk, Garage

Review vom 16.12.2012


Joachim 'Joe' Brookes
Die italienische Band SuperTempo macht ihrem Namen alle Ehre, denn fünfzehn Songs in knapp vierundzwanzig Minuten zu spielen, riecht schon verdächtig nach Rekord. Mit zeitweiliger Verstärkung von Orgelmann Davide Stevanato siedelt sich das Retro-Trio zwischen
Iggy & The Stooges, der Frühphase von Deep Purple (wegen der Keyboards) oder dem englischen Punk-/Power Pop-Exportschlager The Jam an. Unglaublich? Aber wahr!
Wie als Information beim Label Go Down Records steht, hat SuperTempo »the sound of classic Garage, thus not making the past an obsession, use shortness as a metaphor of modern times: frantic, confused, disinterested.«
Passend zur zeitlichen Ausrichtung der Musik frönt SuperTempo auf dem Coverbild (wahrscheinlich) unbewusst dem Blumenkult eines Spülmittelherstellers aus dem Beginn der Siebzigerjahre. Die Blümchen klebten ja an den möglichen und unmöglichsten Stellen. Erstaunlich ist die Tatsache, dass es das Trio, trotz der Kürze der Tracks, hinbekommt, gut zu unterhalten. Hier und da injiziert man den Songs einen Spritzer Psychedelic, der durchaus mit einem hochoktanigen Spaghetti Western-Ambiente gepaart wird. SuperTempo ist sich für nichts zu schade.
Richtig frech wird die Combo, zumindest für eine Minute, wenn man dem Hörer "Death Denim Blues" serviert. Mit einer vergleichbaren Stimme wie Skip James, zelebriert man zur akustischen Gitarre einen Zwölftakter, der, auch vom Klang her, perfekt in die Dreißigerjahre passt. Apropos Sound ... Davide Stevanato stellt in "Son Of A Postman" die Knöpfe seiner Keyboards so ein, als wäre er ein intimer Kenner des Soundtracks der Fernsehserie "Raumpatrouille Orion". Ansonsten ist das Stück eine interessante Mischung aus Punk und Country. Überhaupt war es eine gute Entscheidung, den Tastenmann mit ins "Brother Sun, Sister Moon"-Boot zu holen.
Die Platte vereint auf schöne Art und Weise Motor City (Detroit) und London. Jedenfalls kann man SuperTempo und ihrer Musik viel Engagement sowie Herzblut attestieren. Bei der Produktion zeichnet die Band für den klasse Retro-Sound verantwortlich und der passt perfekt zu den fünfzehn Stücken, die zwischen Dezember 2011 und April 2012 im Yack Recording Studio aufgenommen wurden. Außerdem vermitteln die Nummern Live-Charakter.
Mit ihrer Rohheit sowie den Ecken und Kanten in jedem Track geht SuperTempo authentisch ans Werk. Frederic Mellinato hat seine Stimmbänder gut im Griff und verpasst den Songs eine schön-melodische Ausstrahlung. Auf seiner Gitarre rifft er unablässig flexibel. Mit Stefano Micheletto wechselt er sich am Sechssaiter sowie Bass ab. Schlagzeuger Marco Fabris zeigt sich sehr variantenreich in seinem Drumming.
Grundsätzlich befindet sich die Combo aber nicht immer nur auf der Überholspur des Highways. Die balladesken Momente wie "Jesus & Co." sind das Salz in der Suppe der hier abgelieferten Garage-/Punk- und Power Pop-Mixtur.
Die erst 2010 gegründete, noch relativ junge Band hatte 2011 mit der EP "Goes Prestissimo" ihren ersten Tonträger auf dem Markt. Es kann als sicher gelten, dass sich SuperTempo durch "Brother Sun, Sister Moon" im Gespräch halten wird. Das Album ist einerseits zwar keine neue Offenbarung, hebt sich andererseits aber wohltuend von dem Durchschnitts-Einerlei ab.
Line-up:
Frederico Mellinato (guitar, bass, vocals)
Stefano Micheletto (bass, guitar, vocals)
Marco Fabris (drums)

With:
Davide Stevanato (keyboards - #2, 12-14, rhythm guitar - #2,13)
Tracklist
01:Sadfriend (1:41)
02:Franco B. (2:03)
03:Unknown 84 (1:34)
04:Masturbation Breakdown (1:36)
05:To The Sea By Walking (1:42)
06:Denim (1:31)
07:Having Read Your Horoscope I Can't Help You Anymore (1:20)
08:Meet Kurt (0:51)
09:Being S. Francesco (1:30)
10:Death Denim Blues (1:02)
11:Riding A Dinosaur (1:16)
12:Jesus & Co. (1:31)
13:Ok, You Are Gay (2:49)
14:Son Of A Postman (1:59)
15:MariaBella (1:30)
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