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Swampcandy - der Name scheint Programm. Ein Zuckerle aus den mückenverseuchtesten und sumpfigsten Swamps des schwül-heißen Südens, die man sich nur vorstellen kann?? Pustekuchen!! Ruben Dobbs und Joey Mitchell, die das Duo Swampcandy bilden, stammen aus Annapolis in Maryland. Einem Ort also, der - zumindest aus musikalischer Sicht - dem irischen Dublin näher liegt als die 'Hauptstadt der Sümpfe', New Orleans.
Akustische Zupfinstrumente, die gerne auch mal 'geslidet' werden, stehen im Mittelpunkt des dritten Albums der beiden Musiker, wobei Dobbs für die sechs und Mitchell für die vier Saiten zuständig ist. "Midnight Creep/Noonday Stomp" ist in zwei von einander unabhängige Liederzyklen gesplittet - je einem 'mitternächtlichen' und 'mittäglichen' Teil. Worin der Unterschied liegt, wäre mir vielleicht klarer geworden, wenn dem (spartanischen) Digipak die Texte beigefügt gewesen wären.
Musikalisch betrachtet liegen "Midnight Creep" und "Noonday Stomp" jedenfalls nicht weit auseinander. Das, was man gerne mit 'Old School Stomp' bezeichnet, rabenschwarz-akustischer Blues'n'Boogie, Country- und Delta Blues bilden das Grundgerüst des Albums. Swampcandy machen somit ihrem Namen alle Ehre. Aber auch folkloristische (nordamerikanische) Arbeiter- und Protestlieder, wie bspw. in "Hammering", sind unter den siebzehn Stücken keine Seltenheit - Namen wie Woody Guthrie oder Pete Seeger drängen sich partout auf. Aber auch irische/schottische Folklore ist durchaus wahrnehmbar ("Sissy" oder ganz besonders hübsch in "Danced On A Mountain") - vor allem wenn die Fiddle Jig-mäßig geschwungen wird.
Sehr gerne hätte ich in diesem Zusammenhang im Line-up die Vielzahl der beteiligten Gastmusiker aufgeführt, diese sind aber derart unübersichtlich mit ihren Instrumenten im Inner-Sleave gelistet, dass ich nach kürzester Zeit resigniert abbrach.
Die siebzehn Songs verströmen eine Lagerfeuerromatik, die sich nicht unbedingt ins Wohnzimmer transferieren lässt - an den Computer schon mal gar nicht! Am besten hört man "Midnight Creep/Noonday Stomp" wohl an einem schwül-warmen Abend, vorzugsweise nach Sonnenuntergang, auf der heimischen Terrasse - vielleicht mit einem Glas erfrischenden Weißwein zur Hand...
Trotzdem vermag Swampcandy auch zur augenblicklichen Winterzeit, wärmende Gefühle in der Bauchgegend zu entlocken. Es finden sich einige echte Perlen, von Ruben Dobbs mit markant-sonorer Stimme vorgetragen, auf beiden Hälften der CD: Das folkige "1000 Miles", das zum Abschluss mit "1000 Miles Away" ein zauberhaftes Reprise erfährt, zählt ebenso dazu wie das schwerblütig-rockige "Avalon" oder das federleichte (ebenfalls ansprechend rockende) "Yes Love". Paradebeispiel für wild-geslideten akustischen Blues ist der "Preachin' Blues", während beim "Future Blues" die North Mississippi Allstars vertrackt (-akustisch) und fröhlich um die Ecke lugen. Es lohnt also wirklich, sich hier auf Perlensuche zu begeben!
Swampcandy ist vielleicht nicht unbedingt die typischste Band, die man aus dem Ostküstenstaat Maryland erwarten würde. Wer "Midnight Creep/Noonday Stomp" ohne Vorabinformationen hört, wird schwören, ein Projekt aus New Orleans oder einer anderen Musikmetropole des tiefen, nordamerikanischen Südens zu hören.
Wirklich seeehr 'old school rootsy', aber derart kompromisslos-konsequent umgesetzt, dass es dem freundlich gesonnenen Hörer schon eine ganze Menge Respekt abnötigt. Freunde ursprünglichster Klänge sollten mal ein Ohr riskieren.
Line-up:
Ruben Dobbs (lead vocals, guitars, slide guitar)
Joey Mitchell (upright bass, kick drum)
| Tracklist |
Midnight Creep:
01:Aberdeen (4:04)
02:1000 Miles (4:36)
03:Future Blues (3:00)
04:Chilendreana (1:14)
05:Sissy (3:37)
06:Avalon (4:55)
07:Hammering (3:54)
08:Danced On A Mountain(4:33)
09:Whole Lotta People (3:36)
10:Underhill (2:17)
Noonday Stomp:
11:Charlie (2:55)
12:Preachin' Blues (4:35)
13:Cindy (5:10)
14:Yes Love (4:01)
15:If You See My Baby 2013 (5:27)
16:Drink Whiskey With Me (3:51)
17:1000 Miles Away (4:18)
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Externe Links:
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