Was man über Tony Stevens bislang nicht unbedingt wusste: Er ist im Zirkus als Sohn eines blinden Löwenbändigers und einer Unterwasser-Armdrückerin aufgewachsen. Kurios! …Weniger kurios ist, was er uns mit seiner neuen Band Slow Ride bietet.
Ein echtes Urgestein, der Mann, nannte er doch in den Siebzigern sowohl zunächst Savoy Brown und dann (als Gründungsmitglied) Foghat sein Zuhause. Im Boogie und im Blues ist er also beheimatet. Nach seiner Zeit bei Foghat verdingte er sich ein paar Jahre als Schauspieler und bei neuen Bands, bevor er sich auf der iberischen Halbinsel niederließ.
Neben der Musik blieb er auch der Schauspielerei treu - aber als das neue Millennium an die Tür klopfte, war es Zeit, zu Foghat zurückzukehren. Nach einem Album und einer DVD war aber wieder Schluss - zu viel Politik in der Band, und zu wenig Musik.
Was tat der Wahl-Spanier also? Er gründete Tony Stevens' Slow Ride - benannt nach einem von Foghats größten Hits - und ist nun endlich glücklich.
Wen hat er dabei? …Zunächst einen ehemaligen Foghat-Mitstreiter: Eddie Zyne soll uns am Schlagzeug beglücken, dann Multiinstrumentalist Tommy Hall und Billy Livesay, vormals Frontmann bei The Livesays. Ein 'Who is Who' ist es also nicht eben, aber schon eine Versammlung von Veteranen, die in den 70ern Einiges abgeräumt haben.
Und was bieten sie uns? …Das Gleiche wie immer, muss die Antwort leider lauten. Ich muss zunächst bekennen: Ich bin kein absoluter Blues- und Boogie-Profi, aber was ich erkenne ist, dass ich mich nicht wundern würde, würde auf diesem Album 'Foghat' stehen. Und schon wieder ärgert mich etwas, womit viele Musiker glauben, den Stein der Weisen gefunden zu haben: Die erfolgreiche Band wird verlassen und solo oder sonstwie weiter gemacht - und es klingt genau wie vorher.
Aber jetzt erstmal das Positive - nicht dass jemand denkt, dass "Join Together" ein schlechtes Album wäre. Im Gegenteil; es ist ein erstklassiges Werk für Fans der genannten Bands und Genres. Auch den Vergleich mit Foghat brauchen sie nicht unbedingt zu scheuen, was aber schon daraus resultiert, dass wir es praktisch mit einem Abbild zu tun bekommen.
Aber weiter: Punkten können die Slow Rider mit ihrem großen Erfahrungsschatz, kein Zweifel. Das klingt hier nicht nach Blues-Fans, die sich auch mal an den Instrumenten versuchen, sondern hier hört man die Routine in jedem Song, dem Gesang und jeder Slide-Note.
Aber das Stichwort 'Routine' hat natürlich zwei Seiten, denn wirklich Neues bekommen wir nicht. Zwar lässt der gute Tony den Boogie ein kleines bisschen in den Hintergrund treten; dennoch wirkt alles wie schonmal gehört. Dazu gibt es mit "Join Together" noch ein Cover von The Who und, wie schon gesagt, "Slow Ride" und auch "Fool For The City" von Foghat, die sich nie ganz aus dem Hinterkopf verbannen lassen. …Dazu gibt's noch Stirnrunzeln gratis: Warum bringt Stevens überhaupt Songs von einem Album, auf dem er gar nicht mehr dabei war?
Das neue Material ist zum Teil recht gut, zum Teil aber auch derbe altbacken, wie z.B. schon der Titel "Hoochie Coochie Man" zeigt. …Fazit: Außer Wertung. Selbst was Blues-Fans zu dieser Scheibe sagen, vermag ich mir nicht vorzustellen. …Neues Futter? Immer das Gleiche? Ich kann mir vorstellen, dass man als eingefleischter Blueser eher ins Gähnen gerät - wo es doch sogar mir so geht. Ein paar gute, neue Songs sind nicht genug, um mir Aufgewärmtes schmackhaft zu machen. Sorry, Tony!
Line-up:
Tony Stevens (bass, vocals)
Billy Livesay (vocals, lead & slide guitars)
Tommy Hall (lead guitars, vocals)
Eddie Zyne (drums)
Tracklist |
01:Little Bit Of Hug
02:Redemptions
03:Join Together
04:Hoochie Coochie Man
05:Subterranean Homesick Blues
06:Looking For You
07:Magic Hat
08:Under The Heat Of A Full Moon
09:Over My Head
10:Fool For The City
11:Slow Ride
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