Dudley Taft, 22.05.2013, Blues Moose Café, Groesbeek (NL)
Blues Moose Cafe Dudley Taft
BluesMoose Café, Groesbeek (NL)
22. Mai 2013
Stil: Blues Rock


Artikel vom 30.05.2013


Joachim 'Joe' Brookes
Dudley TaftWenn man nicht genau wüsste, dass jemand frische, grüne Blätter an Bäume und Sträucher geklebt hat, könnte man meinen, es wird Ende Mai Herbst. Allerdings nicht in der gemütlichen Café Bar De Comm. Dort sorgte Dudley Taft mit seiner Band für mehr als frühlingshafte Temperaturen. Mit Kompositionen aus "Deep Deep Blue", Left For Dead und eingestreuten, toll interpretierten Coversongs heizte der Amerikaner sehr gut ein. Es ging quasi gleich in die Vollen, denn Dudley Taft & Co. eröffneten ihren Gig mit einem Stück Blues-Geschichte. Skip James' "Hard Time Killing Floor" begann in einer zunächst mit vom Tempo her angezogener Handbremse sehr interessant. In der kompakten Version des Trios wurde mittendrin dann aber mächtig auf die Tube gedrückt. Bassist Evan Sheeley und Schlagzeuger Chris Leighton trieben den in schwarz gekleideten Frontmann mit cremefarbener Gitarre zu einem ersten Höhenflug auf sechs Saiten.
Dudley TaftMit "The Waiting" ging es ab nach Texas. Ein klasse Shuffle-Groove erfüllte den Raum und mit seinem fünfsaitigen Tieftöner mischte der Bassmann melodisch mit. Der Protagonist feuerte erdige Riffs ins Publikum und bei seinem Solo wurden erste psychedelische Spielereien deutlich. Allerdings war es nur eine vorläufige Kostprobe, denn später sollte diese Art noch ausgiebiger auf den Punkt gebracht werden. Die Combo stellte sich im positiven Sinn als sehr eingespielt dar und gekonnt ließ man auch Twinsounds von Gitarre und Bass einfließen. Meist mit gesenktem Kopf solierend, nahm man größtenteils nur den Bart und den Hut des Frontmannes wahr. Nicht nur seine locker aus Hand gespielten Fretboard-Läufe waren ein Genuss. Der Gesang gehört definitiv auch zu den Markenzeichen des in Seattle lebenden Musikers. "God Forbid" war eine weitere tolle Nummer, in der die Fußwippe keine Pause finden sollte. Evan Sheeley sorgte mit seinen Backing Vocals für zusätzliche Stimmung und Dudley Taft haute abermals ein klasse Solo raus.
Dudley TaftDer Gitarrist spendierte in "Low Down Dirty Shame" noch eine Schippe scharfer Riff obendrauf und hier wurde den Anwesenden demonstriert, wie sehr er es liebte, die Saiten ganz extrem zu ziehen. Schöne Breaks und der Wechsel zwischen Blues Rock sowie ruhigeren Phasen in den Tracks sorgten für ausgiebig gute Laune bei den Zuschauern. Kaum zu glauben, aber wahr ... der sympathische Künstler kündigte eine Komposition von Lou Reed an. Was hat der denn im Blues (Rock) verloren? Mit seiner Interpretation von "Sally Can't Dance" gab Dudley Taft eine argumentativ sehr gut ausgearbeitete musikalische Antwort. Neben dem bodenständigen 12-Takter noch unterhalb der Grasnarbe gab es ebenfalls luftig-schwebende Intermezzi mit bester Bass-Erdung. Schon bei der Ankündigung eines Titels von ZZ Top wurde applaudiert. Gut so, denn "Heard It On The X" gehört nicht gerade zu den Gassenhauern des Trios. In dieser Nummer gab Dudley Taft der Psychedelic durch tolle Wah Wah-Action einen deutlichen Schub nach vorne. Zur Verblüffung setzte Chris Leighton im relaxten Teil mit gleich drei Trommelstöcken perkussive Akzente.
Dudley TaftZeitlich ausführlicher wurde die Band im Titelsong des Albums "Deep Deep Blue". Slow Blues war angesagt. Zu sehnsüchtigem Gesang verbreitete man melancholische Stimmung in Moll. Auch in diesem Milieu machte der Künstler eine hervorragende Figur und nicht nur hier zeigte sich, dass Dudley Tafts Blues-Herz an genau der richtigen Stelle schlug. Eine Hammer-Nummer! Nach einem Boogie mit Entschleunigungsfaktor huldigte die Combo dem Vorreiter des Blues Rock Freddie King. In "Palace Of The King" ging die Post ab. Der Frontmann hatte die goldfarbene Les Paul geschultert und Evan Sheeley slappte gekonnt den Bass. Was dann folgte, war Gitarrenkunst vom obersten Regalbrett. Gleich im Doppelpack servierte man dem Publikum ein Instrumental namens "Drivin' South" und den von Willie Dixon komponierten Klassiker "Back Door Man". Wer dachte da nicht an den verstorbenen Doors-Keyboarder Ray Manzarek! Schon im ersten Track spielte sich Dudley Taft in so etwas wie einen Rausch, eine gitarristische Ekstase.
Dudley TaftIn dem von Warren Haynes geschriebenen Stück "If Heartaches Were Nickels" (auch bekannt durch Joe Bonamassa) fokussierte der Protagonist sein Lieblings-Genre in einer weiteren langsameren Abteilung des Zwölftakters gemeinsam mit schwebenden Phasen à la Pink Floyd. Ein Song wie Peter Greens "Oh Well" fiel beim Publikum natürlich auf äußerst fruchtbaren Boden. Die lange Improvisation war eine individuell geprägte Abfahrt auf dem Griffbrett. Zwischen Uptempo und verkehrsberuhigter Zone war alles dabei, sogar noch ein Häppenchen von Led Zeppelins "Whole Lotta Love". Ein Konzert von Dudley Taft darf man nicht verpassen.
Line-up:
Dudley Taft (vocals, guitar)
Evan Sheeley (bass, backing vocals)
Chris Leighton (drums)
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