T. Rogers / Simple Life
Simple Life Spielzeit: 51:42
Medium: CD
Label: Eigenproduktion, 2014
Stil: Blues

Review vom 26.10.2014


Mike Kempf
Ungarn: Da fällt mir spontan deren Nationalgericht, köstliches Gulasch, ein. Aber ungarischer Blues? Nun ja, tatsächlich kann ich hierzu eine Verbindung herstellen, auch wenn Night Train To Budapest aus der Feder von Deutschlands Edelblueser Henrik Freischlader entsprang und nicht von einem ungarischen Komponisten entworfen wurde.
Mit T. Rogers' 2013er Album "Simple Life" werde ich nun zum ersten Mal mit echtem ungarischen Blues konfrontiert. Die Band hat mit Keb' Mo' gleich mal ihren Mentor als Gastmusiker mit ins Boot geholt. Keine schlechte Idee, denn somit konnte Mister K. M. zum Teil am Gesangsmikro und vor allem als Sildegitarrist einige tolle Notenmischungen beisteuern, die der Platte insgesamt betrachtet ganz gut bekommen.
Das Album wird mit "Far And Slow" eröffnet und wabert auf eine sehr bekömmliche Art aus den Boxen, denn bei diesem Appetitanreger setzt die Kapelle auf einen sehr rhythmischen, authentischen Slow Blues, der aufgrund der musikalischen Qualität der Combo keinerlei Schwächen aufweist. Ganz im Gegenteil, was hier allein Mundharmonikaspieler Stew Hay seiner Harp an Tönen entlockt, bewerte ich als sehr gut. Auch Sänger Ferci Kovács unterstreicht ziemlich fett, dass er nicht nur gut singen kann, sondern auch glänzend mit seinem Sechssaiter umzugehen weiß.
Eines fällt mir nach dem ersten Hördurchgang besonders auf: Die Magyaren stehen zu 100% auf traditionellen Blues, zwar mit einigen rockigen Anteilen, aber nie komplett in den Blues Rock-Bereich solcher Größen vergangener Tage, wie Hendrix oder Gallagher, abdriftend. Dafür bestehen ihre Songs aus sehr gefühlvollen, harmonischen Noten und erinnern mich, um noch mal auf Freischlader zurückzukommen, etwas an 5 Live.
Selbst wenn Harper-Spezi Stew Hay für mich aufgrund seines unglaublich guten 'Gebläses' das herausragende Element der Band ist, fallen seine musikalischen Mitstreiter keineswegs ins Hintertreffen, sondern wirken im Verbund sehr vertraut und perfekt eingespielt. Genau die Voraussetzungen, um erstklassige Blueslieder zu entwerfen. Aber wie bereits erwähnt, reine Blues Rock-Fans, sollten sich vorab einige Hörproben gönnen, zum Beispiel "Far And Slow", "Something Human", die mit reichlich Southern angereicherte Slidenummer "Sun On My Back" oder die Finalballade und gleichzeitig der Titeltrack "Simple Life", um letztlich zu entscheiden, ob man auch mit softeren Bluesklängen zurecht kommt.
Zwar wird auf der CD nicht auf-Teufel-komm-raus unentwegt gerockt, dennoch stehe ich dem Album sehr wohlwollend gegenüber, denn dafür spiegelt sich die Platte sehr rund und absolut leicht bekömmlich wider. Wohlklingende Gitarrensoli, exzellentes Harp-Gebläse, gut ausgewogene Gesangsvorträge und eine fehlerfreie Rhythmusabteilung sorgen dafür, dass nichts gegen eine Kaufempfehlung von "Simple Life" spricht. Gerade für die bevorstehende Adventszeit ist der ungarische Tonträger eine prima Geschenkalternative.
Line-up:
Béla Baráth (drums)
Stew Hay (harmonica)
Ferci Kovács (vocals, guitars)
Pál Sturmann (guitars)
Zsolt Szalai (bass)
Vince Széll (percussion, mandolin)
special guest:

Keb' Mo' (vocals, resophonic slide guitar)
Tracklist
01:Far And Show (5:35)
02:Weary Road (4:13)
03:Gotta Go (3:18)
04:Enough Is Enough (3:50)
05:Angelina (4:07)
06:Something Human (5:57)
07:The Regular's Blues (4:21)
08:Mood For The Day (3:43)
09:It Hurts Me Too(4:58)
10:Sunshine Cold (4:02)
11:Simple Life (4:23)
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