The Thermals / Personal Life
Personal Life Spielzeit: 32:11
Medium: CD
Label: Killrockstars, Cargo Records, 2010
Stil: Indie Rock

Review vom 08.10.2010


Joachim 'Joe' Brookes
The Thermals kommen aus Portland, Oregon und haben mit "Perfect Life" ihren bereits fünften Longplayer am Start. Das Trio hat als Überschrift die Beziehung im Allgemeinen gestellt. Natürlich geht es dabei auch um die Liebe. Seit 2002 besteht die Band und hat so einige Musiker kommen und wieder gehen sehen.
Kathy Fosters Bass klingt wie ein Teppich aus dick gewebtem Flor und Produzent Chris Walla (Death Cab For Cutie, Tegan And Sara) hat den Tieftöner klanglich auf eine Ebene mit Hutch Harris schrammelnder Gitarre gestellt. Das Album geht mit dem Midtempo-Rocker "I'm Gonna Change Your Life" richtig gut los. Mit ihrer Schwerfälligkeit hat die Nummer was vom Alternative Rock und eine ganze Schüppe legen die Thermals im folgenden "I Don't Believe You" drauf. Die Bassistin serviert typische Backing Vocals, die sich in bloßen Vokalen ergehen. Der Track ist nun nicht so zwingend, wie der Opener. Das hat man in dieser Art und Weise schon zu oft im Indie Rock-Bereich gehört.
Mehr oder weniger Düsternis und ein kleines bisschen Schräges schwingt beim Trio fast immer mit. Dafür sorgen einerseits die Stimme von Harris oder mehr sein Arbeitsgerät, die Gitarre. Ab und an sind es auch beide Faktoren. "Never Listen To Me" lebt von verzerrten Saitentönen und oft hat die Gitarre hier ganz Pause. Das bringt automatisch Dynamik auf den Plan des Songs. Harris' verstreute Soli sind in ihrer Einfachheit schon wieder eine Klasse für sich. Der Hörer findet Gefallen daran.
In "Not Like Any Other Feeling" klingt der Sechssaiter freundlicher, aber irgendwie ist diese Nummer bei anderem Tempo vom Arrangement her identisch mit dem Vorgänger. Mit "Power Lies" sinkt die anfängliche Hörfreude etwas weiter in Richtung Untergeschoss. Zwar spielt die Foster ihr Instrument melodischer, aber diese Harris-Gitarre ergeht sich zu sehr in einer Beliebigkeit. Okay, der Mann singt mit viel Verve und hängt sich vehement in den Gesang rein, aber das macht den Kuchen der "Power Lies" auch nicht viel fetter.
Wenn es auf die Aussagekraft der Beziehungstexte ankommt, sind das schon schön verpackte Statements, aber die musikalische Umsetzung konterkariert die Lyrics mit einer Unbestimmtheit. Hey, das lässt jetzt wieder aufhorchen. "Alone, A Fool" hat eine ganz andere Atmosphäre als das vorher Gehörte. Wesentlich sparsamer instrumentiert, passen die zwei Minuten wieder besser in die 'gerne gehört'-Schublade.
In einigen Songs muss man mit einer kleinen Prise Punk rechnen. Nicht schlecht, wenn man dieses Genre mit in die Songs einbaut. "A Reflection" endet in einem, für bisherige Verhältnisse völlig überraschenden furiosen Ende. Da wird mit Soundeffekten wie Rückkopplungen an der ganz langen Leine musiziert. Ungewöhnlich, aber gut!
Jaja, die Gitarrenmelodien gehen schon manchmal besonders geschmeidig ins Ohr und wenn man die gesamten zweiunddreißig Minuten unter die Lupe nimmt, muss festgestellt werden, dass intelligente Texte nur die eine Seite der Medaille sind. Mit der anderen muss man sich schon mehr auseinander setzen und wird selbst nach mehreren Durchgängen keine schönen Details finden. Es kann nicht nur um aufschlussreiche Texte gehen, sondern die müssen eine Symbiose mit der Musik ergeben. So klingen The Thermals auf ihre instrumentalen Aussagen rund um Beziehungen reduziert eher eintönig.
Line-up:
Hutch Harris (vocals, guitar)
Kathy Foster (bass, vocals)
Westin Glass (drums, vocals)
Tracklist
01:I'm Gonna Change Your Life (2:59)
02:I Don't Believe You (2:38)
03:Never Listen To Me (4:30)
04:Not Like Any Other Feeling (3:35)
05:Power Lies (2:58)
06:Only For You (4:18)
07:Alone, A Fool (2:09)
08:Your Love Is So Strong (3:01)
09:A Reflection (2:37)
10:You Changed My Life (3:26)
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