Thievery Corporation / It Takes A Thief
It Takes A Thief Spielzeit: 69:09
Medium: CD
Label: ESL Music/ADA Warnermusic, 2010
Stil: Electronica, Dub, Reggae

Review vom 06.10.2010


Joachim 'Joe' Brookes
Down Beat, Dub sowie Reggae sind angesagt. Thievery Corporation stehen mit "It Takes A Thief" zwar am Beginn der RockTimes-Bekanntschaft, können aber schon auf vierzehn Jahre äußerst erfolgreicher Karriere zurückblicken. 1996 erschien "Thievery Hi-Fi" und in den nächsten Jahren folgten weitere vier Studioalben. Wie es in dieser Sparte fast zu erwarten ist, ebenfalls drei Remix-Alben.
Hinter Thievery Corporation stecken zwei einfallsreiche Herren: Rob Garza und Fric Hilton. Nach den ersten zwei, drei Nummern habe ich deren Homepage einen Besuch abgestattet. Tatsächlich, schaut man sich einige Videos der Band an, dann spielen viele Leute viele Instrumente. Okay, Samples und dergleichen gibt es auch, aber der Schwerpunkt liegt auf handgemachter Musik.
Thievery Corporation sind Großmeister des Genres. Beachtlich, wie dieses Duo plus vieler Begleitmusiker und Gästen (besonders am Gesangsmikrofon) das Feld, wie ein Pizzabäcker seinen Teig, auf extreme Größe bringt. Hochachtung! Wie fast immer ist natürlich Voraussetzung, sich für eine solche Musik zu öffnen. In den Down Beat-Strom münden ja so einige interessante Nebenflüsse wie Jazz oder Trip Hop und für mich zählt Ambient auch dazu.
Mit vorliegender Platte namens "It Takes A Thief" bekommt man kein Thievery Corporation-Album mit neuen Songs auf den Schreibtisch. Besser kann folglich diese Compilation gar nicht sein, um den relaxten Kosmos des Duos ausloten zu können. Wie es bei Sampler von Künstlern fast immer der Fall ist, gibt es dann doch etwas bisher noch nicht Gehörtes frei Haus. In diesem Fall ist es Track sechzehn: "The Passing Stars" mit der Jazz-Sängerin Pam Bricker, die 2005 im Alter von fast einundfünfzig Jahren Selbstmord beging. Das Stück befindet sich zwar ganz am Schluss der Scheibe, aber dafür ist diese Nummer ein weiteres Highlight der Zusammenstellung. Vorher kann man die gesanglichen Fähigkeiten der Bricker in "Lebanese Blonde" bewundern. Nach einem stilistischen Abstecher auf die Insel Jamaika werden wir mit Sitarklängen und fernöstlichem Flair verwöhnt. Das Schlagzeug sowie Handtrommeln kommen mehr zur Geltung und durch ihren Gesang weckt Pam Bricker Erinnerungen an Sade.
Wie ein roter Faden zieht sich eine relaxte Stimmung durch die sechzehn Songs. Am Anfang steht eine klasse Dub Reggae-Nummer mit dem Titel "Amerimacka". Neben feinen Soundmalereien gefällt das Mitwirken einer Trompete.
Rhythmisch deutlich kräftiger geht es in "Vampires" zu. Jetzt ist eine ganze Bläserabteilung dabei und ergänzend zu den tollen Handtrommeln hören wir Vibrafonklänge. Eine ganz starke Nummer mit dem ältesten Sohn von Fela Kuti, Femi Kuti. Für "Warning Shots" kommt am Gesangsmikrofon der Reggae-Toaster Sleepy Wonder zum Zuge. Die Blechbläser werden durch ein Sopransaxofon ersetzt und mit zunehmender Spielzeit entwickeln die Beats immer mehr Härte. Zu einem Orgelsound aus den Sechzigerjahren und schwebenden Basslinien singt Lou Lou mit sympathischer Stimme in französischer Sprache.
Gegenüber "Lebanese Blonde" verknüpft "Facing East" Okzident und Orient noch extremer. Nur die Drumbeats entsprechen annähernd dem bisher Gehörten. Man vernimmt da auch Trommelei auf exotischen Fellen. Wow, hört euch danach unbedingt das folgende "Holographic Universe" an. Bei der Atmosphäre bekommt man nicht nur unter den Kopfhörern eine Gänzehaut. Überhaupt lohnt es sich, unter der Ohrendusche zu verschwinden. Beeindruckende Soundgebilde türmen sich da zum größten Teil auf.
Diese verdammt guten Fußwippen-Rhythmen liefert Thievery Corporation im XXL-Format ab und mit hippem Rap-Gesang geht es auch, wobei "Sound The Alarm" gegenüber den anderen Nummern doch etwas in der Normalität des Genres stecken bleibt. Dieser Track ist ein kleiner Knick nach unten in der Erfolgskurve des Albums. Thievery Corporation steht ansonsten für die großen, beeindruckenden Beats.
Eine weitere Einladung in die fernere Welt nimmt man mit "Satyam Shivam Sundaram" gerne an. Eine Frauenstimme singt mit glockenklarer Stimme und abermals mischt sich eine erhabene Sitar ein. Dabei verschwinden deren Klänge öfters in einer Nebelwand.
Thievery Corporation gibt mit seiner Werkschau "It Takes A Thief" einen Einblick in ihre schon länger andauernde Schaffensphase und die Vielfalt der Klänge sowie Rhythmen ist beeindruckend. Es ist sehr interessant, sich mit dieser Musikrichtung zu beschäftigen. Bei diesem Duo ist immer alles im Fluss.
Tracklist
01:Amerimacka (5:42)
02:Lebanese Blonde (4:50)
03:Facing East (3:44)
04:Holographic Universe (3:42)
05:Shadows Of Ourselves (3:40)
06:Sound The Alarm (3:41)
07:Until The Morning (3:57)
08:Sweet Tides (4:49)
09:Satyam Shivam Sundaram (3:59)
10:All That We Perceive (3:46)
11:Air Batucada (4:47)
12:Exilio (Rewound) (5:44)
13:Vampires (4:57)
14:Warning Shots (5:06)
15:The Richest Man In Babylon (3:50)
16:The Passing Stars (2:55)
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