Truckfighters / Phi
Phi Spielzeit: 55:08
Medium: CD
Label: Fuzzorama Records, 2007
Stil: Fuzz Rock


Review vom 07.09.2007


Markus Kerren
»Fuzz mich bloß nicht an, du bist ja abhängig!!« So, oder so ähnliche Sprüche muss ich mir seit Tagen von meiner eigenen Frau gefallen lassen. Dabei hat sie gar nicht mal unrecht. Und Schuld daran hat ein Haufen aus Schweden, der auf den Namen Truckfighters hört. Aber lasst uns mal ganz am Anfang, nämlich mit dem Review zu "Phi" beginnen:
Es ist nicht zu fuzz-en, an diesen Brocken namens "Phi" muss man sich erstmal gewöhnen. Das ist weder was für Zartbesaitete, noch was für die Freunde mit den schwachen Nerven. Bereits nach der ersten Listening-Session des zweiten Albums der Truckfighters fuzz-e ich mir wie benebelt an den Kopf und mache mir ernsthafte Sorgen, wie ich nach diesem Trip in den nächsten Stunden ein Auge zubekommen soll. Und das, obwohl es bereits bedrohlich auf zwei Uhr morgens zugeht.
Die Truckfighters wurden im Jahr 2000 gegründet, stammen aus Örebrö in Schweden und haben mit "Phi" ein absolutes Brett vorgelegt. Und zwar so dermaßen, dass, wenn man auf die total verzerrten Sachen von Neil Young (ein Hauptverdächtiger, wenn es um die Einfllüsse des Quartetts geht) steht, diese sicher so schnell nicht mehr anfuzz-t. Warum? Weil diese Spielart Youngs hier total auf die Spitze getrieben und ausgereizt wird.
Die Truckfighters laden zu einer knapp einstündigen Achterbahnfahrt ein, nach der man als erste Reaktion entweder umgehend zum Klo rennen, sich ein Bier aufmachen oder im schlimmsten Fall aus dem Fenster springen will. Naja, okay, ganz so extrem ist es dann auch wieder nicht. Dennoch, diese zehn Songs sind wahnsinnig intensiv! Da werden tonnenschwere Gitarren-Riffs mit extremer Verzerrung rausgehauen, nur um kurze Zeit später gänzlich zu versiegen und den Song in eine melancholische, fast zerbrechliche Stimmung zu führen.
Nachdem man sich dann in den tiefen Abgründen einer gemarterten Seele eingefunden hat und gerade so schön lethargisch und leidend darin versinkt, haut einem urplötzlich die hammerfette Fuzz-Gitarre so dermaßen zwischen die Lichter, dass alles vorherige wie eine Seifenblase zerplatzt und man umgehend die 'Hab-Acht'-Stellung einnimmt.
Die Band versteht es ungemein gut, mit verschiedenen Stimmungen und willkürlich wechselnden Gefühlsbädern eine meterdicke Atmosphäre aufzubauen, aus der es kein Entrinnen gibt. Als Herzstück und stellvertretend für alle zehn Songs von "Phi" sei "Chameleon" genannt, das einen scheinbar endlosen Gewaltritt durch Hirn und Seele darstellt, den Zuhörer einsaugt und nach zehn Minuten in allen Einzelteilen wieder ausspuckt. Die Band macht unbeeindruckt mit dem nächsten Track weiter, während sich der intensive Zuhörer erstmal wieder sammeln muss, um sich den folgenden Attacken zu stellen.
Am Anfang schwirrte mir das Wort 'Psychedelic' als Neben-Stilbezeichnung noch im Kopf herum, aber 'Psycho' trifft es wohl deutlich besser. Und das ist keinesfalls negativ zu verstehen. "Phi" ist ein Höllenritt für einen intensiven Musik-Abend, jedoch weniger geeignet als Hintergrund-Berieselung oder amouröse Untermalung. Dieses Album reißt mit, sogar körperlich!
Und als mich meine bessere Hälfte am nächsten Tag um die Mittagszeit mit dem ihr so eigenen 'Essen fuzz-en' anlächelte, war mein erster erschrockener Gedanke übrigens der, ob sie es tatsächlich fertiggebracht hatte, diese CD mit Steak, Rührei oder Kartoffelpüree auf den Teller zu bringen…
Dem war natürlich nicht so, aber dennoch musste ich sie unverzüglich nach der Mahlzeit eindringlich mit folgenden Worten warnen, die mir besagtes Dilemma des Textanfangs einbrachten: »Fuzz bloß die Truckfighters-CD nicht an. Die macht nämlich süchtig!«
Line-up:
Dango (guitars)
Ozo (bass and song)
Fredo (guitars)
Paco (drums, percussion)
Tracklist
01:Atomic
02:Fortyeight
03:Kickdown
04:Chameleon
05:Oysthymia
06:Slacken
07:Warhead
08:Traffic
09:Slides
10:The Game
Externe Links: