»I don't wanna be your friend, I don't wanna be your lover
I don't wanna be your hero, go and find yourself another
I'm no fun to be around, my whole world is broken down«
So oder zumindest so ähnlich stellt man sich wohl ein romantisches Musikerleben vor: Der Amerikaner David Vidal verließ nach dem Abschluss der High School (also noch in sehr jugendlichem Alter) sein Zuhause, führte ein recht wildes Leben, bewegte sich als Blinder Passagier auf Güterzügen fort, reiste kreuz und quer durch die USA und lebte von seiner Gitarre bzw. der Hand in den Mund. Ein paar Jahrzehnte später ließ er sich schließlich in Kalifornien nieder, arbeitete als Live- sowie Studiomusiker und konnte dafür ein paar nette Achtungserfolge einfahren. Ein Plattenvertrag wurde ihm zwar nie angeboten, aber immerhin veröffentlichte er in Eigenregie bereits eine knappe Handvoll Soloalben.
»There's a hole inside my heart, that's where I sometimes try to crawl
I go lookin' for salvation, but there's nothing there at all
so I wander 'round this town, my whole world is broken down«
Es war im März 2013, als David Vidal von einer längeren Solo-Tour den Weg einfach nicht nach Hause fand, sondern lieber noch einen Abstecher ins Studio machte, um ein paar Aufnahmen aufs Band zu bringen. Und somit ist die Geschichte dieses Albums auch relativ schnell erzählt, denn am 24. März 2013 nahm der in New Mexico geborene und mittlerweile in Los Angeles lebende Musiker an gerade mal einem Tag die elf Tracks auf, die auf seinem aktuellen Studioalbum "World Of Trouble" zu finden sind. Aber nicht nur dieser Punkt ist beachtenswert, sondern auch der Fakt, dass es sich hier grundsätzlich um First Takes handelt, die auch (bis auf zwei Ausnahmen) nicht overdubbed wurden. Respekt.
»I got a hundred dollars, got a half a-tank o' gas
got a ring around my collum and I got lawyers on my ass
there's no happiness I found, my whole world is broken down«
Für die vorliegenden elf Tracks verwendete David Vidal gerade mal eine Martin-Akustikgitarre (auf der er mit einem Schnapsglas slidet), eine Zigarrenbox-Gitarre (auf der er ebenfalls slidet) und seine Stimme. Seine Songs zehren natürlich von seinen Nächten als Musiker und dem Nachtleben, ganz deutlich aber auch von seinen Jahren auf der Straße. Die sind natürlich nicht immer nur schön, sondern oft sehr hart, bieten einem Songwriter logischerweise aber auch massenhaft Material, das er - oft erst mit dem Abstand von Jahren - in seine Musik einfließen lassen kann (und im Falle Vidal auch tut).
»I don't wanna feel your pain, I don't really give a damn
I ain't nothing like you want me, I'm exactly like I am
still on this side of the ground, my whole world is broken down«
In dem großartigen "My Whole World Is Broken Down" offenbart sich ein unsteter, getriebener Charakter, ein Wanderer der Straße. Einer, der selbst viele Jahre sehr schlecht behandelt wurde und seine Narben davongetragen hat. Die sind dann auch so tief, dass er nicht nur keine Gefühle gegenüber anderen (Frauen?!) aufbauen kann, sondern wo auch immer er ist bzw. war, Chaos, verletzte Seelen und einen sprichwörtlichen Scherbenhaufen zurücklässt. Besonders lange (egal, ob geographisch oder in einer Beziehung) hält er es eh nirgendwo mehr aus. Hier und da sucht er noch nach irgendeiner (Er-)Lösung in sich selbst, findet dort aber nichts als eine desillusionierende und hoffnungslose Leere, fühlt sich entweder bereit zum Sterben oder für einen ganzen Eimer voller Gin.
»I'm stuck here in Nebraska, dare the snow storms blowin' in
I'm about fit for a casket or a basket full of gin
cold wind makes a lonesome sound, my whole world is broken down«
Was "World Of Trouble" ganz sicher nicht ist, ist eine blitzsaubere Produktion. Passend zu den oft zerrissenen Texten werden hier auch das eine oder andere Knarzen der Gitarre, die eine oder andere unsaubere Note oder der eine oder andere Zahnlücken-verratende 's'-Laut nicht unter den Teppich gekehrt. Genau dies sind aber auch die Punkte, die die Scheibe so authentisch machen und unter die Haut gehen. Neben dem oben erwähnten Stück ist u. a. noch "Tica Tica" besonders zu empfehlen, darüber hinaus eigentlich auch alle anderen Titel, wenn ich hier auch lediglich noch meine weiteren Favoriten "Flying" (über gewisse 'bewusstseinserweiternde' Phasen?) sowie "Sometimes You Hurt The Ones You Love" (der Titel spricht für sich selbst) erwähnen möchte.
»I got a woman down in Texas, who thinks I'm kinda cool
another one in Louisiana reckons I'm a lyin' fool
I've lost everything I found, my whole world is broken down«
Das aktuelle Album von David Vidal ist eine One Man Show, die sich gewaschen hat. Sehr authentische, gefühlvolle und hammerstark gebrachte Blues- und Roots-Musik, die - um echt zu wirken - einfach ganz genauso kommen muss, wie sie hier kommt. Für einen David Vidal-Gig würde der Verfasser dieser Zeilen beispielsweise jedes Bonamassa- oder Clapton-Konzert über die Klinge springen lassen, ohne auch nur eine Sekunde darüber nachdenken zu müssen.
Ein komplettes Album ohne Band ist natürlich nicht jedermanns Sache, aber in diese Scheibe solltet ihr unbedingt mal reinhören... oder am besten gleich kaufen! Eine letzte Warnung vor dem Protagonisten will ich euch aber noch mitgeben:
» If you see me in the distance, you're probably better off to run
at least put up some resistance or there will be some damage done
horses hooves begin to pound, my whole world is broken down«
(Alle Textzitate aus "My Whole World Is Broken Down").
Line-up:
David Vidal (acoustic slide guitar, electric cigar box guitar, vocals)
Tracklist |
01:I Gotta Thang 4 U
02:Flying
03:Political Man
04:Sometimes You Hurt The Ones You Love
05:The Palace
06:Ramblin' Blues
07:My Whole World Is Broken Down
08:Tica Tica
09:Didn't Mean To Fall In Love
10:World Of Trouble
11:Big Electric Universe
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