Kaum zu glauben, aber wahr, UFO können in diesem Jahr auch schon ihr vierzigstes Bühnenjubiläum feiern. In dieser Zeit ging die Band durch alle möglichen Höhen und Tiefen. Drogen- und Alkoholexzesse waren an der Tagesordnung und führten bis hin zu Schlägereien der Gruppenmitglieder auf offener Bühne. Immer wieder mittendrin Frontmann Phil Mogg und Leadgitarrist Michael Schenker, die eine wahre Hassliebe auszeichnete. Allerdings erlebte die Band mit dem als schwierig bekannten Deutschen auch ihre beste Zeit, in der sie spielend die größten Arenen füllen konnte.
Seit nunmehr fast sechs Jahren ist das allerdings Schnee von gestern. Es herrscht offensichtlich Ruhe und Frieden innerhalb der Gruppe, was sicherlich auch ein Verdienst des amerikanischen Gitarristen Vinnie Moore ist, der seit dieser Zeit den Sechssaiter übernahm und nun schon drei Alben mit UFO einspielte.
Auch beim zwanzigsten Studio-Werk der englischen Rocker, "The Visitor", ist er, neben Phil Mogg, wieder maßgeblich am Songwriting beteiligt und lenkt die Band dabei etwas mehr ins bluesige Fahrwasser. Alles deutete also auf einen weiteren Longplayer von Mogg, Moore, Parker, Raymond und Pete Way hin, die in diesem Line-up wieder in der Erfolgsspur schienen. Aber was ist schon 'normal' bei einer Band wie UFO? Bassmann Pete Way fiel kurzfristig aus, da seine arg strapazierte Leber den Dienst quittierte. So musste Peter Pichl, zur Zeit bei Nektar aktiv, in die Bresche springen und die Tonfolgen an den dicken Saiten einspielen.
Und die Zusammenarbeit klappte perfekt. Pichl ergänzte sich prima mit Andy Parker auf allen zehn Songs (auf meiner Promo fehlt der elfte für die Limited Edition vorgesehene Titel "Dancing With St. Peter"). Auch Paul Raymond spielte seinen Part an Keyboards und Rhythmusgitarre wie immer unauffällig, ist aber nach wie vor unglaublich wichtig für die Band.
Über Phil Moggs Gesang brauche ich sicher keinerlei Kommentar mehr abzugeben. Diese Stimme hört man unter Hunderten heraus. Da auf "The Visitor" ab und zu das Tempo etwas gedrosselt wird, kommt er noch besser zur Geltung und beweist dabei sehr viel Einfühlungsvermögen, was ja schon immer zu seinen Stärken gehörte.
Bei diesem Album steht aber Vinnie Moore eindeutig im Blickpunkt. Sein Spiel wirkt durch die Vielseitigkeit der neuen Songs noch variabler als früher. So gibt es ungewohnte Klänge der akustischen Gitarre auf die Ohren (wie gleich sehr eindrucksvoll beim Opener "Saving Me"), und auch die Slide kommt öfter zum Einsatz als bei UFO sonst üblich.
"Saving Me" ist zur Eröffnung ein ganz typischer 'UFO-Song', nach akustischem Intro geht es hart rockend weiter und bringt den Hörer gleich mal voll in Fahrt. Auch "Hell Driver" schlägt in die gleiche Kerbe. Zuvor steht mit "On The Waterfront" aber schon mal ein etwas zurückgenommener Titel an, bei dem Raymond an der Orgel in schönsten Retro-Gefilden wildert.
Wunderbar schwere Riffs und ein ganz starkes Gitarren-Solo im Mittelteil zeichnen "Stop Breaking Down" aus. Dieser Song hat mit seinem eingängigen Refrain durchaus auch Hit-Potential. Bei "Rock Ready" steht der Flaschenhals im Vordergrund und gibt dem Titel einen richtig warmen Touch.
"Living Proof" (nicht zu verwechseln mit dem Wishbone Ash-Klassiker) ist beim ersten Hinhören nicht ganz so eingängig, wie die Vorgänger-Titel auf dem Album, wenn nicht Moores Gitarre im Zentrum alles rausreißen würde. Was dieser Mann auf "The Visitor" an den Tag legt, lässt sich kaum in Worte fassen.
Ähnliches kann man auch von "Can't Buy A Thrill" sagen, das eher unspektakulär über die Bühne geht, wenn nicht diese Leadgitarre wäre…! "Forsaken" ist die Ballade auf dem Silberling, die man aber nicht unbedingt braucht, obwohl Moggs Stimme hier prima zur Geltung kommt.
Bei "Villains & Thieves" wird es aber gleich wieder sehr schön heavy, wobei zur zusätzlichen Unterstützung diesmal Piano-Klänge zu hören sind. Zum Abschluss lassen es UFO mit "Stranger In Town" dann noch mal so richtig krachen. Wieder ist die Orgel zu hören, und Vinnie Moore gibt abermals Gas, dass die Schwarte knackt.
Obwohl ein Überflieger fehlt, ist "The Visitor" ein weiteres starkes Album geworden, bei dem sich das Fehlen von Pete Way gar nicht bemerkbar macht. Natürlich wird er bei der anstehenden Tour mit seiner extravaganten Bühneshow nicht zu ersetzen sein (bei den Gigs in Europa wird übrigens Barry Sparks den Tieftöner bedienen, der schon bei Ted Nugent, Dokken und der Micheal Schenker Group aktiv war). Aber musikalisch wurde er von Peter Pichl auf dieser CD perfekt ersetzt.
Line-up:
Phil Mogg (vocals)
Paul Raymond (keyboards, guitars)
Vinnie Moore (guitars)
Andy Parker (drums)
Peter Pichl (bass)
Tracklist |
01:Saving Me (5:08)
02:On The Waterfront (3:50)
03:Hell Driver (4:26)
04:Stop Breaking Down (4:56)
05:Rock Ready (3:07)
06:Living Proof (4:33)
07:Can't Buy A Thrill (5:14)
08:Forsaken (3:57)
09:Villians & Thieves (3:35)
10:Stranger In Town (3:38)
11:Dancing With St. Peter (6:30) (Nur Limited Edition)
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