Underground Lovers / Weekend
Weekend Spielzeit: 46:33
Medium: CD
Label: Rubber Music/Cargo Records, 2013
Stil: Indie Rock

Review vom 28.07.2013


Joachim 'Joe' Brookes
Die australische Band Underground Lovers ist eine Größe mit keiner Unbekannten, schließlich verwöhnt man schon seit 1989 die Szene mit Musik. Vincent Giarrusso und Glenn Bennie gelten als Nukleus der Combo. Ihren ersten Gig spielten sie 1990. Die Bandgeschichte weist eine Lücke auf, denn man gönnte sich auch eine zirka sechsjährige Pause. 2009 nahm man die Underground Lovers-Aktivitäten wieder auf. Das kurz und knapp betitelte Album "Weekend" setzt die musikalischen Rituale der Gruppe in einer überzeugenden Art und Weise fort. Elektronische Klangelemente und E-Gitarren halten sich die Waage und ergeben einen zündenden Sound.
Nach dem "Underground Lovers"-Tonträger-Start war man quasi mit dem Nachfolger "Leaves Me Blind" nicht nur Down Under angesagt, denn diese Scheibe wurde von Guernica, einem Sublabel der angesagten britischen Plattenfirma 4AD auch im Vereinigten Königreich veröffentlicht. Dort glaubte man irrtümlich, es mit einer britischen Band zu tun zu haben. Aber spätestens ab dem zweiten Lied auf vorliegender Platte kann man dem Trugschluss Glauben schenken, weil sich die musikalischen Quellen des australischen Underground Lovers-Indie Rock deutlich bis Joy Divison sowie
New Order zurückführen lassen.
Diese beiden, vom Stammbau her verwandten Formationen sind wahrlich keine schlechte Adresse und auch wenn man schon als Support für letztgenannte Gruppe gespielt hat, haben die Kompositionen auf "Weekend" eine individuelle Prägung. So gestaltet man musikalische Beziehungen in einem hörenswerten Umfeld. Die Gruppe verfügt über eine nicht von der Hand zu weisende Aggessivität, aber die Sanftheit kommt deswegen nicht zu kurz.
Der Platten-Einsteiger "Spaces" ist so ein Objekt der Begierde. Verträumt öffnen die Underground Lovers dem Hörer die Haustür. Das Stück ist eine Art Prélude für das Folgende. Mit Emma Bortignon hat man in einigen Nummern eine phantastische Sängerin am Mikrofon und erst ab "Can For Now" werden die fundamentalen britischen Bezüge offenbart. Allerdings sind gerade hier und auch in folgenden Tracks die Gitarren-Exkursionen individuell-expressiv ausgefallen.
Melodie und Rhythmus gehen grundsätzlich gemeinsame Wege, allerdings gibt es auch Phasen der Differenz, was nur zur Selbststärkung der Musik führt. Klangentspannungen wie zum Beispiel "Dream To Me" machen die Muskulatur locker. Zu schönen Querflöten-Fills, akustischer Gitarre und Emma Bortignons verführerischer Stimme kann man herrlich träumen. "Haunted (Acedia)" könnte ohne Probleme zur Sommerballade 2013 avancieren. Wunderschön! Abschalten, genießen, entspannen ... "In Silhouette" steht dem in nichts nach, nimmt mit den Klängen einer singenden Säge aber noch deutlicher Kurs auf die Insel der Stille, weit draußen im Meer der Gelassenheit.
Das Beste kommt später ... der Schlusspunkt "The Lie That Sets You Free" setzt die Wellen wieder ordentlich in Bewegung. Erstaunlich, dass die Gruppe zumindest einmal ein deutlich längeres Stück aus dem Köcher entlässt. Zu Hawkwind-Sounds wird die E-Gitarre aufmüpfig und überhaupt kennt das Stück nur einen Weg, vehement nach vorne.
Wenn man den künstlerischen Faden nach längerer Pause wieder aufgreift, ernennt man sich ja fast schon zu einem Konkurrenten im eigenen Unternehmen. Aber "Weekend" zeigt, dass die Band daraus ausschließlich positive Schlüsse gezogen hat und das Album nicht nur zu einem Wochenendflirt werden lässt. Underground Lovers sind eine Combo, der man immer noch uneingeschränkte Aufmerksamkeit zukommen lassen sollte.
Line-up:
Philippa Nihill
Richard Andrew
Maurice Argiro
Glenn Bennie
Vincent Giarrusso
Emma Bortignon
Tracklist
01:Spaces (3:41)
02:Can For Now (4:32)
03:Haunted (Acedia) (4:58)
04:Dream To Me (4:42)
05:Signs Of Weakness (4:15)
06:Riding (4:55)
07:St. Germaine (3:50)
08:Au Pair (4:22)
09:In Silhouette (4:04)
10:The Lie That Sets You Free (7:14)
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