Eine CD zu präsentieren, ohne Informationen dazu zu haben, ist schon etwas ungewöhnlich, aber was soll's. So passiert mit dieser neuen Uran-CD vom Sulatron-Records-Chef Dave 'Sula Bassana' Schmidt - grüß dich, Dave!
Und wie eigentlich immer bei einer deiner neuen CD-Ankündigungen ist auch dieses Teil ECHT SPITZE!
Echt witzig ist die Covergestaltung, schräg, die Titelschreibweise, alleine schon die Idee dazu - das CD-Bild ein Stück Haut mit 'nem "Ekelpickel" drauf. Puh, ich dachte erst, es sei eine Brustwarze, denn davon gibt es ja eine Menge Abbildungen auf CDs. Man sehe sich die Titelnamen an, wie "fatfucker" oder "mr piggy", dann wird alles klar. Und auf der Rückseite der CD-Hülle gibt es noch ein typisch schwedisches Produkt zu sehen, nein nicht den Kerl in Leder und vermummt - ich meine den VOLVO!
Wie gesagt, von Uran ist nichts weiter bekannt, jedoch strotzen sie nur so vor Selbstbewusstsein - »You can never love Uran. Uran ist the best band in the world!« - Uran, die beste Band der Welt kann man nicht lieben, ja was ist das denn?
Also, ich höre die Musik gern. An der besten Band der Welt arbeiten sie gerade. Dave Schmidt sagt dazu: »…klingen wie Hawkwind, die Motörhead covern, mit einem Schuss Kraftwerk.«
Ja, dass die beiden ersten Bands was miteinander zu tun haben, ist auf jeden Fall nicht von der Hand zu weisen, ist ja bekannt. Aber es ist nicht bloß Geschwindigkeit und Elektronik, es gibt auch Psychedelic, Kraut Rock, Space, Beat und natürlich Punk zu hören. Und diese Mischung ist so was von extrem schräg, so unzuordenbar, so kompromisslos und doch irgendwie stark strukturiert. Nichts für sanfte Gemüter, nur was für starke Frauen und Männer.
Sie seien Fans von Lava und The Movements, was ich gut verstehen kann, sind es nicht bloß die Abstammungsparallelen. Und sicher gefällt Uran, ebenso wie mir, der grandiose Einsatz der Querflöte bei The Movements (die dann sehr an Zone Six oder Electric Orange erinnern) oder das g… Saxophon bei Lava.
Schrill und basslastig beginnen sie auch gleich, dass es sich oberdunkel oder untersteuert anhört, es aber die beiden Bässe sind, die tatsächlich an Motörhead covernde Hawkwind erinnern, ebenso wie diese flirrende Orgel, u.a. in "onormal". Mit meinem alten Röhrenradio hab ich auch solche Aufnahmen machen können. Dröhnen, Scheppern, Bass'n'Beat - keine Zeit zur Besinnung, meist kein Titelübergang, das heißt: keine Zeit für Langeweile! Und auch diese 'Kraftwerkseinschübe' sind deutlich hörbar, hier wird deutlich Kraftwerk-Kunst mit Hawkwind-Lärm zelebriert. Sie deuten nicht bloß an, sie zeigen wie es geht und natürlich wie es sich anhört. Und es heißt: anschnallen und fertigmachen zum Abheben. Und wer sich bei Titel sechs, "mr piggy", noch immer nicht auf der Reise befindet, den haben die Händler beim Kauf der Uran-CD besch… und Heintje reingelegt. Und dann heißt es 'Schmeißt sie aus dem Tempel! Beide, die Händler und die Heintje-CD!'
Ich lege Euch beim Dahinfliegen mal "voice of uran" ans Herz, da beginnt dann die Schallmauer zu brechen. Aber ganz langsam, sonst bekommt ihr ja nichts mit davon. Und der Übergang ist geschafft, "Now Neverends", ja dort sind wir bereits. Nach übergangslosem Titelwechsel gibt es eher schnelle Kraftwerk-Orgeln und flirrende Hawkwinds. "diagnos" ist der Titel, den ihr, so laut es eben geht, hören solltet, denn es donnern die Bässe und es klingt nicht bloß nach zweien (Lemmy mit sechs Armen). Und wem das noch nicht reicht, der braucht eben gar nicht erst wieder leise zu drehen, denn nach der Diagnose gibt es süße Symptome, das Donnern nimmt kein Ende, welch Entzücken, welche Freude. Ihr werdet merken, dass die Titel alle sehr kurz sind, für Punk (hier: Elektropunk) nichts Außergewöhnliches. Schön ist, es gibt sehr Vielfältiges zu Hören. Neben den Bässen geht die Orgel auch schon mal experimentelle Wege.
Vom Flugwind erfasst, treibt es mich durch den Sturm der Zeit, die rasend vergeht, die mich einkreist und gar nicht mehr loslassen will. Ich frage mich, wie das bei einem Uran-Konzert aussieht, anhörbar aus Ohrschutzgründen nur mit Stöpseln (da ist sonst nichts regelbar). Die Post wird gar nicht mehr zu sehen, die Sau gar nicht mehr einzufangen sein. Die drehen auf und lassen nicht mehr los. Und das endet nicht etwa nach dem dreizehnten Titel, wie es auf dem Cover angegeben ist. Uran legen noch mal 26% Musik obendrauf - zwei Titel einfach so, ebenso instrumental (abgesehen von einigen Lauten in Titel fünf oder so), ebenso genial, stramm durchgehämmert, ebenso basslastig, ebenso orgelflirrend. Fünfzehn könnte eine Version von acht sein. Aber: Ist das nicht völlig egal bei dem Sound? Da fällt die Landung bei der einsetzenden Stille ganz schön schwer, das Aussteigen ohnehin. Ich könnte ja noch mal…
Derb-hämmernder Bass trifft schrill-flirrende Orgel, Eiterpickel als Covergestaltung, ich glaub, die Jungs sind witzig! - meine Wertung: alle Zeit!!
Bandinformationen gibt es über die Göteborger (noch) nicht aber es spielen:
(drums)
(guitar)
(guitar, keyboards)
(bass)
(bass)
| Tracklist |
01:EMP
02:STRAALSKADAD
03:onormal
04:fatfucker
05:dogal maar
06:mr piggy
07:voice of uran
08:Now Neverends
09:diagnos
10:symptohm sweet symptohm
11:manslut
12:haerdsmaelta
13:URI BOCK
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