The Urge / Lunch At The Lady Garden
Lunch At The Lady Garden Spielzeit: 46:05
Medium: CD
Label: Music Networx/Big Lake/India, 2007
Stil: Hard Rock/AOR

Review vom 07.09.2007


Norbert Neugebauer
The Urge aus Newcastle haben bereits eine ausgiebige Support-Tour im Juli/August mit den Hooters und zwei Auftritte mit Gary Moore in Deutschland hinter sich. Am 12. Mai waren sie außerdem beim Rockpalast auf dem Bonner Museumsplatz zu sehen und zu hören. Vom 24.10. bis 05.12.2007 sind sie nun erneut mit Saga bei uns unterwegs. Leider haben wir bisher noch keinen Konzertbericht in RockTimes vorliegen, aber allen Fans von gestandenem (Classic) Rock der guten alten Machart kann ich nur raten: Schaut in unseren Terminplaner, wann das Gespann in der Nähe ist. Ob sich die Frickler von Saga lohnen, weiß ich nicht, aber The Urge auf jeden Fall, wenn sie nur halbwegs das auf die Bretter bringen, was ihr Debütalbum "Lunch At The Lady Garden" verspricht. Ein Rock-Hammer!
So taufrisch schauen die vier Jungs nicht mehr aus (und sind auch schon länger im Geschäft), aber noch älter ist die Ursprungsband (nicht zu verwechseln mit der gleichlautenden US-Combo). John Miles sen. (genau, der mit 'Music') hat den Namen seinem Junior vermacht und der ist nun drauf und dran, mit seinen Kollegen den Kontinent aufzumischen. Das klassische Line-up mit zwei Gitarren, Bass und Schlagzeug, Solo- und Chorgesang; dazu kommen noch Keyboards von Miles jun. (?) sowie ein ordentlicher Bläsersatz, der für zusätzlichen Pfeffer sorgt.
Wären wir bei der Musik. Und das ist das Beste aus den Siebziger und Achtziger Jahren. Satter, straighter Hard Rock und AOR, der sicher auch live bestens abgeht. Schon bei den ersten Tönen von Jonny Boyle sperrt der Rockfan sofort die Löffel auf. Da ist einer aus der Meisterklasse von
David Byron, Steve Perry und Steven Tylor am Mikro! Aber keine Jahrmarktskopie, der nach den ersten Songs die Puste ausgeht (zumindest auf der Platte). Der Mann röhrt mit schönem Vibrato und das auch noch recht variabel. So was war lange nicht mehr zu hören!
Aber auch der Rest ist erste Sahne. Die beiden Axmen riffen satt los, kurze, knackige Soli dazwischen, das sitzt. Und der Maschinenraum ist ebenfalls mit viel Hubraum bestückt. Bis auf "Come Back To You" (Neil Harland) hat Frankie Gibbon den Bass bedient. Bei den ersten Nummern sorgen die vier Bläser für zusätzlichen Schub, stark arrangiert. Southern Rock-Fans werden sich über "Train Past Midnight" freuen, Slideguitar und ordentlich brodelnder Boogie-Drive machen daraus eine heiße Nummer. Klar, dass spätestens jetzt die 'Ballade' kommen muss. Und auch das beherrscht der Vierer mit der klasse Stimme von Boyle und wechselnden Gitarreneinsätzen. Bei "Baby Now I", "Blue Steel" und "Lonely Road" kommen dann die Keys im Hammond-Sound tragend ins Spiel. Kurz vor Schluss geht's mit "Easy Chair" wieder gefühlvoller zu, aber "Come Back To You" ist dann nochmal das volle Brett, mit allem, was die Band zu bieten hat. Auf dem Album gibt es keine schwache Nummer, für ein Debüt schlichtweg saugut! Da stimmt musikalisch alles, die Jungs wissen wie's geht. Fast immer sehr akzentuierte Wechsel Strophe/Refrain, die Gitarren stacheln sich gegenseitig auf, die Keyboards mischen in bester Uriah Heep-Manier mit und dann natürlich das Ausnahme-Organ von Boyle, der aus jedem Song ein Highlight macht.
Abstriche gibt's allerdings für die Produktion und den Sound. Dafür, dass da reichlich Spuren (vor allem der Gitarren) zugemischt wurden, klingt das sehr diffus und unsauber abgemischt. Wenn schon so dick aufgetragen wird, dann muss auch das Klangbild stimmen. Das beeinträchtigt zwar etwas den Hörgenuss (bei entsprechender Lautstärke), ändert aber nichts daran, dass The Urge ein überaus starkes Debütalbum aufgelegt haben. Viel Spaß macht auch das Artwork mit dem knackigen Fotomodell. Wer bei dem Titel "Lunch At The Lady Garden" und dem Coverfoto mit herunterglassenem Slip nicht auf eindeutige Gedanken kommt, der hat irgendwann mal etwas verpasst...
Line-up:
Jonny Boyle (vocals, guitars)
John Miles jun. (guitars, keyboards)
Simon Ferry (drums)
Frankie Gibbon (bass)
Neil Harland (bass - #12)
Tracklist
01:She Made Me Do It (3:13)
02:Better Off Without You (3:46)
03:Where Do We Go From Here (3:30)
04:Train Past Midnight (3:24)
05:Forever And A Day (4:03)
06:Baby Now I (4:03)
07:Revolution (3:26)
08:Blue Steel (3:32)
09:Searching For Heaven (3:29)
10:Lonely Road (4:15)
11:Easy Chair (4:18)
12:Come Back To You (4:57)
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