Vicky Cryer / The Synthetic Love Of Emotional Engineering
The Synthetic Love Of Emotional Engineering Spielzeit: 44:02
Medium: CD
Label: Fancy Animal Records, 2013
Stil: Alternative Rock

Review vom 17.06.2013


Joachim 'Joe' Brookes
Der Opener "Smut" ist ein guter Track, der wie aus der Pistole geschossen daherkommt, aber auf die wirkliche Goldader von Vicky Cryer stößt man erst, wenn es um die Mädels ("Girls") geht. Mit verzerrt sägenden Gitarren, die sich über funkiger Rhythmik die Kante geben und Jason Hills Testosteron-lasziver Stimme ist der zweite Track die Offenbarung der Vicky Cryer-Realität. Viel Aussage steckt in dieser Nummer nicht gerade. Die Zeile »Girls wanna make boys cry« wird durch Effekte in unterschiedliche Farbtöpfe getunkt. Aber bei dieser Nummer hört man gebannt zu, wird an die Lautsprecher gefesselt.
Was einen aber aus den Socken haut, ist das mittendrin aktivierte, freakige Saxofon von Sam Gendel. Da dreht sich das Musikrad der Freude schon viel schneller, viel geschmeidiger. Die verzerrten Gitarrenklänge bleiben und "Krokodil Tearz" ist die hohe Kunst, mit einer Dancefloor-Taktung für Aufsehen zu sorgen. Diese zusammengewürfelte Formation macht Laune.
Vicky Cryer ist eine Gruppe um den bereits erwähnten Jason Hill (Louis XIV, Mother Hips, New York Dolls). Dazu gesellen sich so erfahrene Musiker wie zum Beispiel Mark Stroemer (The Killers), Nick Fyffe (Jamiroquai), Dave Elitch (Mars Volta) oder Jeff Kite (Julian Casablancas, Strokes). Insgesamt ist bei den Aufnahmen im Winter 2012 eine verdammt heiße Mischung aus zum Teil tanzbaren Rhythmen und Rock herausgekommen.
Falls es einige jüngere Leser noch nicht wussten ... bei der Musik von T. Rex wurde die Tanzfläche schon zu Beginn der Siebzigerjahre zum Ziel von Völkerwanderungen. Ob es bei dem kurz gehaltenen "Young Love" von Vicky Cryer auch der Fall sein wird, steht in den Sternen und kann zumindest durch den Rezensenten nicht nachgeprüft werden. Auch gesanglich lehnt sich Jason Hill ein wenig an Marc Bolans Schulter an. Nichtsdestotrotz kann man die eigenkompositorische Adaption von Tyrannosaurus Rex als gelungen erachten.
Das Titelstück "The Synthetic Love Of Emotional Engineering" sowie "A Single Cut (Is Worth A Thousand Words)" sind nicht nur vom Namen her die längsten Stücke der vorliegenden Platte, sondern aus meiner Sicht auch die Filetstücke der zehn Songs. Das erstgenannte Lied fängt so harmlos an, aber wird durch die sehr gut arrangierte Dramaturgie zu einer Art Session, in der abermals der Saxofonist Sam Gendel eine Hauptrolle übernimmt. Die balladesk-schwebende Einleitung wird dann durch eine heftig-verträumte Gitarre forciert. Toll!
Die "A Single Cut (Is Worth A Thousand Words)"-Eröffnung spielt sich in fernöstlichen Gefilden ab. Ein wunderbar sanft gestimmter Bass übernimmt die Szenerie und nicht erst hier wird klar, dass Jason Hill über eine sehr ausdrucksstarke Stimme verfügt. Der Tieftöner hält den Track herrlich am Grooven. Darüber erlaubt sich die Gitarre als Blitzlicht so manchen freakigen Ausritt. Die Divergenz zwischen Rhythmik und Sechssaiter-Action macht das Salz in der Suppe aus. Diese Nummer wird zu einem krönenden Abschluss, wenn sich dann auch noch einige Pianoklänge dazugesellen. Klasse!
"Lady And The Tramp" hat durchaus experimentellen Charakter und steckt voller Funk. Das gesamte Treiben kann man schon als hypnotisch bezeichnen und hier überschlägt sich die Gitarre fast schon vor Freude. "I'll Take The Pain" hat viel Soul im Song-Zellkern eingelagert und mit dem Refrain steckt man knöcheltief im Pop. Keyboards und Synthesizer sind die bestimmenden Instrumente. Von der Gitarre ist hier nicht viel zu hören, allerdings wurde das Stück mit einem Hammer-Beat versehen. Vicky Cryer berührt bei der Reise durch die zehn Lieder so viele Stile und macht richtig gute Songs daraus. Respekt!
An den Kompositionen war in erster Linie Jason Hill mit einigen anderen Bandmitgliedern beteiligt. Vicky Cryer bringt ganz unterschiedliche Strömungen sehr geschickt und mit Erfolg unter einen Hut. Hats off! Bleibt zu hoffen, dass "The Synthetic Love Of Emotional Engineering" keine Eintagsfliege ist.
Line-up:
Jason Hill (vocals, guitars, bass, drums, synthesizers, pianos, glockenspiel)
Nick Fyffe (bass)
Mark Stoemer (bass, additional guitar - #6)
Jon Pancoast (bass)
Dominic Howard (drums)
Alex Carapetis (drums, backing vocals - #6)
Dave Elitch (drums)
Jeff Kite (additional synthesizers, guitars, drums)
Sam Gendel (saxophone)
Chris Chester (additional percussion - #10)
Matt Resovich (violins - #1,9)
Paulina Slagter (vocals - #1)
Tracklist
01:Smut (3:21)
02:Girls (3:38)
03:Krokodil Tearz (4:29)
04:Touch Me (3:48)
05:The Synthetic Love Of Emotional Engineering (7:56)
06:Expensive Love (3:40)
07:The Lady And The Tramp (2:04)
08:Young Love (2:07)
09:I'll Take The Pain (3:55)
10:A Single Cut (Is Worth A Thousand Words) (9:04)
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