Das kleine, aber feine Musikerkollektiv Sluggo's Goon Music hatte ich bereits in meiner Review von At War With Selfs letztem Output Acts Of God erwähnt und auch durch The Sweet Life vom At War With Self-Mitmusiker Dave Archer dürfte das Label unseren Lesern bekannt sein. Die neueste Veröffentlichung, Von Garcia mit "I Think A Think" wurde von den Gründern James Von Buelow und Damon Trotta 2006 aus der Taufe gehoben.
Beim Barte ' von Garcia', dieses Album ist sowas von schwarz/weiß und kann bei kopfhörerlosem Genuss zum Scheidungsgrund werden oder zu schweren Ausfällen, die den Einsatz der auf dem Rücken zu schließenden Jacken bedingen, führen. Na ja, das ist zugegebenermaßen etwas übertrieben, soll aber deutlich klarstellen, dass man musikalisch schon ein Freigeist sein sollte. Neben den beiden Protagonisten finden sich Musiker von Vehicle, Riotgod und At War With Self auf der Besetztungsliste. Außerdem ist als Gast auf "Buz" der Jazzgitarrist Ben Monder zu hören.
Die Musiker hatten alle Freiheiten, das zu spielen, was ihnen in den Sinn kam. Keine Vorgaben von wegen Melodie, Takt, usw. und wegen der räumlichen Distanz wurden die verschiedenen Parts hin und her gemailt und am Computer endproduziert. "Ursa Minor", ein Stück des At War With Self-Albums "Acts Of God" eröffnet den Reigen der 11 Tracks mit atmosphährischem Knistern, einsam angeschlagenen Pianotasten und einem Endzeitfeeling, in welches James mit seiner, mich an den jungen Police-Sting erinnernden Stimme eindringt.
Im weiteren Verlauf der Scheibe ist das experimentelle und 'freie' Spiel perfekt zu hören. Zu Sprachfetzen, Samples und Loops gesellen sich groovige, stellenweise fast funkige Rhythmen. Gitarren brettern wie aus dem Nichts in spacig ambiente Klangwelten - mal forsch und brutal im Stile eines Lee Ritenours, dann sich gekonnt hochschaukelnd wie Carlos Santana ("The Fog & The Mist"). Die Tracks vier und fünf sind wahrlich experimentell. Nun sind die improvisierten Stücke nicht alle gleich: Kann man "So It Goes" durchaus als experimentelles Groovemonster bezeichnen, sind "Rain Water" und noch mehr "JP Splatter" schon hart an der Grenze, um Freunden der »6 Saiten x 3 Akkorde-Formel« die Halsadern schwellen zu lassen.
Gastspieler Ben Monder bringt in "Buz" ein abgedrehtes Solo zum abgedrehten Grundgerüst. Erstaunlich, wie oft zum vordergründig wirr scheinenden Gesamtbild der Nummern, immer wieder melodiöse und harmonische Komponenten einfließen. Akustische Gitarrensequenzen in "Rebirth" etwa, oder das vertäumt meditative "Garden Buddha" mit den zarten Keys und dem spannend relaxten Schlagwerk.
Normalerweise würde ich sagen, unbedingt mal reinhören, bevor man sich "I Think A Think" kauft. Aber das kleine Label der Idealisten bietet einen kostenlosen Download an. Bei Gefallen kann man Sluggo's Goon Music aber auch supporten und das Werk für schmale 5 Dollar (rechnet das mal in Euro um!) kaufen. Unbedingt eine Platte für die üblichen Verdächtigen. Auch Scheidungsanwälte sollten zuschlagen. Die einen, um potentielle Mandanten zu verstehen, die anderen um gut zuzureden, weil das alles ja gar kein Grund ist. Und am Besten kommt diese Musik sowieso per Kopfhörer...
Line-up:
James von Buelow (guitar, keyboard, vocals)
Damon Trotta (bass, dobro, percussion, programming)
Steve Decker (drums)
Mark Sunshine (vocals)
Glenn Snelwar (guitar, mandolin)
Pete Teresi (guitar)
Ben Monder (guitar solo - #6)
| Tracklist |
01:Ursa Minor
02:Space
03:The Fog & The Mist
04:Rain Water
05:JP Splatter
06:Buz
07:Empty Hands
08:Between A Prayer & A Dream
09:So It Goes
10:Rebirth
11:Garden Buddha
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