Big Daddy Wilson? Richtig, den Sänger hatten wir auf der Gregor Hilden-DVD Live At The Luna Bar als Gast. Tolle Leistung und folglich nur zu gut nachvollziehbar, sich mal ein komplettes Werk des in Deutschland lebenden Wilson Blount anzuhören. Beste Gelegenheit bietet da sein neues Album "Doin' It Right", das zusammen mit Doc Fozz und vielen Gästen, einen Live-Auftritt im Kasch (Achim) dokumentiert.
Neben besagtem Doc Fozz sind weitere Musiker, mit denen er zusammen gearbeitet hat, auf der Bühne.
Florian Schaube (drums) und Olli Gee (bass), die Rhythmus-Abteilung der Blues Company, begleitet ihn fast durchgängig.
Mit Toscho Todorovic, einem weiteren Mitglied des Osnabrücker Blues-Urgesteins wird das Album durch ein intensives "Ain't No Slave" eröffnet. Wie Wilson am Ende des Tracks richtig sagt, lässt Toscho seine E-Gitarre auf sensible Art weinen. Ein herrlicher Track, der so ziemlich richtungsweisend für die gesamte Platte ist.
Blues, Gospel und Country mit einer herrlichen Stimme des Sängers, dem die Gitarrenarbeit von Dr. Fozz an der Akustischen in nichts nachsteht. Ob die Songs durch den Chorgesang der Herren oder dem weiblichen Vokaltrio kommt: Gänsehaut ist vorprogrammiert.
Die Männer zuerst im sinnlich groovenden "Doin' It Right" und direkt danach Sandra Drakes, Saskia Lie Atjam und Niza Udenhout in "Keep On Trying". Sie haben es drauf und liefern ein Gospel-Flair, das seines Gleichen sucht. Mal abgesehen davon, dass es Big Daddy Wilson auch hat, das gewisse Feeling, um seine eigenen oder zusammen mit Doc Fozz geschriebenen Songs ins rechte Licht zu setzen.
Wie könnte man das besser belegen, als live und unverfälscht. Hier ist bestimmt nicht nachgearbeitet worden und die CD hat einen makellosen Klang. Alle Instrumente sind gut zu hören und die Club-Atmosphäre ist sehr gut spürbar. Ersten Szenenapplaus gibt es für Werner Wilms an der Slide-Gitarre.
Waren die ersten drei Tracks schon wunderbare Unterhaltung, kommen wir mit "Why" zu einem ersten Höhepunkt!
Auf ein Minimum instrumentiert, mit einem kurzen Gee-Akustik-Basssolo kann man sich der Präsenz der Stimmen nun nicht mehr entziehen. Wilson stellt im Text viele Fragen und resümiert, dass andere Wege beschritten werden müssen. So mahnend, wie die Lyrics, so ist auch der Song.
Überhaupt ist der Dreierpack mit "Why", "True Love" und "Show Dog" ein Hammer nach dem anderen. Von Doc Fozz begleitet, zelebriert Wilson den Text und die drei Damen servieren köstliche Uhs und Ahs. Mit Country-Touch und exzellentem Fingerpicking eröffnet der Doktor dann "Show Dog" und jetzt haben auch die Sängerinnen Pause. Der Beifall holt den Hörer aus seinen Träumen zurück.
Danach kommen wir in die Abteilung Klassiker. "Alberta" und Robert Johnsons "Walking Blues" sind angesagt. Jan Fischer am Piano, der Violinist Johannes Epremian und Klaus Grossert an der Harp sind in "Alberta" die musikalischen Verbündeten von Wilson und für den nächsten Song streift sich Doc Fozz das Bottleneck über den Finger. Kein Schlagzeug, nur ein Tamburin gibt den Takt vor und dann ist da noch das Publikum mit seinen Handclaps.
Über "Rest Of My Life", wieder mit den Girls an den Mikrofonen, geht es auf die Gleise: "Rail Road Work Song" feiert den Gospel und dann wird für "Intercity Train" das Tempo angezogen. Moderne Schienenfahrzeuge werden besungen und musikalisch dampft der Schornstein. Blues-Harp, Slide-Gitarre und Violine sorgen für Stimmung.
Dann folgt auch schon der nächste Hinhörer: Das "Summertime"-Paket, zunächst im Intro mit Gitarre- und Harp-Begleitung von Wilson gesungen und im nächsten Schritt steigt die gesamte Band mit ein. Jetzt haben zunächst die drei Vokalistinnen ihre Soli, dann Violine und Harp. Wilson spielt eine tolle Handtrommel und setzt später mit ganz kräftiger Gospel-Stimmung ein.
Nach dieser Vollbedienung geht es wieder auf den Blues-Trail. Jan Fischer mit seinem Honky-Piano Solo gesellt sich dazu und abermals fahren in "Big Boss Man" Klaus Grossert und Johannes Epremian groß auf.
Wenn "Where You Been So Long", das Wilson seiner Frau widmet, von Doc Fozz angestimmt wird, haben die Sänger/Sängerinnen und Musiker einen schon lange überzeugt. Schön, dass sich gegen Ende der CD Wilson mehr perkussiv bemerkbar macht.
"Thanks For The Night" ist das Grande Finale eines Konzerts, bei dem man an den Boxen genauso begeistert ist, wie das Publikum an jenem Abend, das wahrlich nicht mit Beifall spart. Zu Recht, denn das, was mit dem Titel "Doin' It Right" für die Nachwelt festgehalten wurde, ist es allemal Wert, den Weg in viele Plattensammlungen zu finden.
8 von 10 RockTimes-Uhren.
Line-up:
Big Daddy Wilson (vocals, percussion)
Doc Fozz (vocals, guitar)
Toscho Todorovic (guitar)
Florian Schaube (drums)
Oliver Geselbracht (bass)
Klaus Grossert (harp)
Werner Wilms (slide guitar)
Johannes Epremian (violin)
Jan Fischer (piano, backing vocals)
Greg Copeland (backing vocals)
Sandra Drakes (backing vocals)
Saskia Lie Atjam (backing vocals)
Niza Udenhout (backing vocals)
Tracklist |
01:Ain't No Slave (4:10)
02:Doin' It Right (4:29)
03:Keep On Trying (5:03)
04:Why (5:36)
05:True Love (5:45)
06:Show Dog (2:52)
07:Alberta (3:14)
08:Walking Blues (4:06)
09:Rest Of My Life (4:15)
10:Rail Road Work Song (5:34)
11:Intercity Train (4:59)
12:Summertime Intro (3:36)
13:Summertime (4:31)
14:Big Boss Man (5:49)
15:Where You Been So Long (6:03)
16:Thanks For The Night (5:58)
|
|
Externe Links:
|