The Weekenders / Don't Plan On
Don't Plan On Spielzeit: 42:08
Medium: CD
Label: Eigenproduktion, 2012
Stil: Rock, Psychedelic, Jam

Review vom 02.03.2014


Steve Braun
Und die Retrowelle rollt und rollt und... unermüdlich gegen die 'Steilküste' unseres kleinen, aber feinen Rockmagazins. Mehrheitlich sorgen die Schaumkronen für den berüchtigten 'Blanken Hans' - im vorliegenden Fall der Weekenders können sie allerdings den entsprechend geneigten Hörer in höchst erfreuliche Gemütszustände versetzen...
Die Musik der Weekenders vereint zwei musikalische Epochen: den bluesgetränkten Psychedelic Rock der Frühsiebziger, gespickt mit einem Hauch Grunge der ganz frühen Phase, Anfang der Neunziger. Ein Name schwebt dabei wie ein guter Geist über der Band: Led Zeppelin.
Nun sind bekanntlich die meisten Epigonen, wenn sie denn diese wahrhaftigen Legenden zu imitieren suchten, kläglich daran gescheitert. Jimmy Page mag man - das entsprechende Talent vorausgesetzt - kopieren können, aber die Stimme eines Robert Plant lässt eigentlich jeden Versuch, Zepp einfach mal schnell durchzupausen, scheitern. Und hier liegt der Hund in der Pfanne: Die Weekenders haben einen Rob Reinfurt und damit ein Pfund, mit dem es zu wuchern gilt! Leute, eine derartige Neuentdeckung am Gesangsmikro hab ich seit Jahren nicht mehr gemacht!!
Während die Arbeiten - mittlerweile leicht umformiert und als Quartett - an einem neuen Album derzeit im fortgeschrittenen Stadium sind, kreuzt die Band aus Salt Lake City/Utah mit ihrem Debüt von 2012, "Don't Plan On", das Fahrwasser unseres Magazins und hinterlässt dabei einen starken Eindruck.
Wenn man bei den Weekenders mit aller Macht das berühmte 'Haar in der Suppe' suchen müsste, könnte man ihnen allerhöchstens 'vorwerfen', die eingängigen Hooks etwas zu vernachlässigen. Auch den kompakteren Songs fehlt das winzige Quäntchen zur Unsterblichkeit. Dafür bedient Rob Reinfurt mit seinen zehn Eigenkompositionen alle Liebhaber sperriger, fast klotzig wirkender Strukturen. Neben den allgegenwärtigen Led Zeppelin (Grundgütiger, hat dieser Reinfurt ein Organ!) drängt sich hier vor allem unser geliebtes Maultier in den Blickpunkt. Wie bei den Mannen um Warren Haynes wird 'gedoppelt', was das Zeug hält. Basslinien wie Gesangsmelodien werden ein ums andere Mal von den Gitarren aufgenommen und unisono repetiert; dabei wird der Gesang oft leicht verfremdet. Allesamt absolut Mule-typische Merkmale - beachtet in diesem Zusammenhang nur mal "Open Lands". Erinnert das nicht an Großtaten wie About To Rage?
Ein dritter Name darf nicht unerwähnt bleiben: die Screamin' Cheetah Wheelies drängeln sich geradezu auf. Nicht nur wegen des Gesangs, der oftmals an den genialen Mike Farris gedenken lässt, sondern auch wegen der schroffen Scharfkantigkeit der beiden brodelnden Gitarren und der leicht 'knödeligen' Songstrukturen. Hört einfach mal in "Twenty Armed Men" oder "Sixty Five Dove Street" hinein... frappierend, oder??
Mindestens ebenso verblüffend ist die Ähnlichkeit von "Yankee Easy Sugar", "Alone" und (vor allem) "Somatic Spirit" mit den frühen Zeppelinen. Egal, ob "I", "II" oder "III" - ein jedes von ihnen hätte sich als Sahneschnittchen auf diesen legendären Alben entpuppt. Neben all den genannten Titeln muss noch zwingend "Missy" erwähnt werden, das durch seinen flippig-jammigen Charme besticht. Mit "Penn Station", einem federleichten Hauch von Nichts, endet ein durchweg bemerkenswertes, wenn auch nicht ganz 'einfach' zu goutierendes Album.
Wie eben schon gesagt: "Don't Plan On" stellt sich als ein 'forderndes' Album heraus. Den Songs wurden alle Ecken und Kanten belassen. Dadurch wirken sie gleichermaßen kernig, zugespitzt, kraftstrotzend-drahtig und oftmals eher rustikal. Freunde der oben genannten drei Bands sollten mal dringend ein Ohr riskieren!!
Line-up:
Rob Reinfurt (lead vocals, guitars, keyboards, bass, drums)
Mike Sasich (guitars, keyboards, bass)
John Murphy (drums, backing vocals)

Additional Musicians:
Darby Mest (vocals - #1,2)
Colin Robinson (organ - #4)
Nick Stevens (bass - #8)
Mike Trioli (backing vocals - #10)
Tracklist
01:Yankee Easy Sugar (4:30)
02:Hard Woman (4:55)
03:Twenty Armed Men (6:17)
04:Open Lands (3:20)
05:Alone (4:00)
06:Sixty Five Dove Street (2:03)
07:Don't Plan On (4:04)
08:Missy (5:30)
09:Somatic Spirit (3:49)
10:Penn Station (3:10)
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