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November - grau, düster, nebelverhangen. Ein Tag, der gar nicht richtig hell wird, die Außenwelt bleibt schemenhaft. Die Uhren gehen langsamer. Nachdenklichkeit und Melancholie fordern ihren Raum. Grautöne in all ihren Facetten sind fein abgestuft. Keine nachtschwarze Düsternis, sondern die Abstufungen des Novembertags, sanft, zart und sehr differenziert.
Zwischen Herbst 2012 und Frühling 2013 wurde "Folkloren" aufgenommen. Wintermusik, die diese jahreszeitlichen Stimmungen der Natur einfängt und wiedergibt. Insofern hier ein dickes Sorry von mir an den Musiker und seine Fans, dass das Review erst jetzt kommt, aber ich habe genau diese Jahreszeit und die entsprechende Stimmung gebraucht, um wirklichen Zugang zur CD zu finden.
Es handelt sich bei Weh um ein Soloprojekt des Norwegers Erik Evju, der bereits seit 2002 unter diesem Bandnamen aktiv ist und alle Instrumente und Gesangsparts selbst einspielt. Nach einer ganzen Reihe von Demos in den Jahren 2002 bis 2006, als Compilation unter dem Titel "Origins" zusammengefasst, brachte Weh 2012 den ersten Longplayer "En Natt Kom Doed" raus, der sich überwiegend mit dem Thema Tod beschäftigte. Das 2013 erschienene "Folkloren" bezeichnet Erik als »tribute to the Norwegian folklore, the sounds and sights of nature, and the dreams and nightmares of mankind«.
Der eine oder die andere kennt Erik vielleicht aus seiner Mitwirkung an "Valfar, ein Windir", zu dem er den Song "Likbør" beitrug. Diese Compilation wurde nach dem Tod (durch Erfrieren) des norwegischen Black Pagans und Windir-Gründers Terje 'Valfar' Bakken eingespielt.
Doch zurück zu Weh, einem reinen Akustikprojekt aus dem Bereich Neofolk - hoffentlich hab ich mit dem Verweis auf Black Pagan Metal jetzt keine falschen Erwartungen geweckt. Düster ist die Atmosphäre hier auch, aber sehr viel sanfter. "Folkloren" besteht aus norwegischen und englischen Songs. Und gerade bei den norwegischen, wie beispielsweise dem Opener "Alle Mørkets Makter", wirkt auf mich, als nicht Sprachkundige, die Stimmung noch geheimnisvoller als bei den englischen Titeln.
Die Fantasie wird angeregt, das Kopfkino läuft auf Hochtouren und zaubert Bilder von geheimnisvollen, dunklen Wäldern mit Nebel und Schatten auf die innere Leinwand. Mysteriöse Gestalten, Menschen in dunklen Umhängen und Fabelwesen huschen durchs Geäst. Zugewucherte Wege führen zu unbekannten Zielen. Jedes Knacken lässt den Kopf drehen. Wohliges Erschauern zieht durch die Tagträume.
Genau die richtige Musik, um im Spätherbst und Winter die warme Decke auszupacken, die Vorhänge zuzuziehen, eine schöne warme Tasse Tee oder ein feines Glas Rotwein bereit zu stellen und Langsamkeit oder auch Melancholie zuzulassen. Während der Rest der Welt schon in hektischen Vorbereitungen für Weihnachten verwuselt, darf hier für einen oder auch zwei CD-Durchläufe Besinnlichkeit, gerne auch bei Kerzenlicht oder Kaminfeuer einkehren.
Line-up:
Erik Evju (everything)
| Tracklist |
01:Alle Mørkets Makter
02:Dypt Går Det Siste Sår
03:Every Leaf And Branch Will Tremble
04:Long Days Of Winter
05:I Let The Night Cover Me
06:Runer Og Alvekors
07:With Omens Of Sorrow
08:Solnedgangen
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