RockTimes: Hallo Daniel und Hallo an deine Musiker-Kollegen. Schön, dass wir einander endlich einmal persönlich begegnen. Wir waren ja schon im regen Mail-Kontakt. Spielt ihr jetzt zum ersten Mal in Berlin?
Daniel: Wir freuen uns auch hier zu sein. Nein, es ist hier nicht der erste Gig, aber der erste im Quasimodo.
RockTimes: Wie ist es dazu gekommen, dass ihr im Vorprogramm von Oli Brown spielt?
Daniel: Wir sind zufällig bei der gleichen Booking-Agentur. Für uns ist es sehr schön, als Support für Oli zu spielen.
RockTimes: Ihr seid jetzt ungefähr ein Jahr zusammen, habt vor einem halben Jahr eure CD "Beautiful Desaster" veröffentlicht, und davor bereits eine Single mit einer Filmmusik produziert. Wie kommt die CD beim Publikum an?
Daniel: Das Kopfnicken unseres Managers, der uns hier gegenüber sitzt, bestätigt mir, dass der Verkauf ganz gut läuft und bisher nur positive Resonanz kommt.
RockTimes: Hattet ihr heute etwas Zeit um die Stadt anzusehen? Wir haben ja im Moment wieder eine Touristenschwemme.
Daniel: Nein, leider nicht. Wir sind nach einer langen Fahrt aus Tübingen gekommen, dann Aufbauen und Soundcheck, und dadurch bleibt nicht viel Zeit.
RockTimes: Wenn die Tour mit Oli Brown zu Ende ist und ihr wieder Zeit für euch habt, wie sieht die weitere Planung für dieses Jahr aus?
Daniel: Wir werden dann langsam eine eigene Tour vorbereiten, um mit der kompletten Band zu spielen. Wie du siehst, sind wir heute ja nur zu dritt. Dann wird damit begonnen, ein weiteres Album fertig zu stellen, für das schon einige Songs in der Schublade liegen. Die Band ist jetzt noch voller geworden, ich meine damit auch gereifter. Wir sind sehr gut aufeinander eingespielt, und das werden wir nutzen, um kreativ zu arbeiten. Es waren ja nicht immer die gleichen Musiker, die auf dem Album gespielt haben. Inzwischen sind neue Leute hinzu gekommen, die besser miteinander harmonieren. Natürlich sind immer wieder Auftritte geplant, wie zum Beispiel die Gigs auf verschiedenen Festivals.
RockTimes: Warum habt ihr euch gerade für Blues entschieden. Ihr seid alle noch recht jung, und da ist es heutzutage nicht so üblich, ausgerechnet in diese Schiene zu gehen.
Daniel: Also in dem Fall kann ich erst mal nur für mich sprechen. Für mich ist Blues mehr als nur drei aneinander gereihte Akkorde. Es ist Gefühl und Ausdruck, und nicht nur etwas für Pessimisten, die ihren Kummer im Alkohol ertränken, dabei Blues hören und anfangen zu heulen, weil das Leben so scheiße ist. Auch gerade für junge Leute ist es ein Lebensgefühl. Sie sollten mit einem guten Whiskey da sitzen und denken, wie geil das Leben ist. Es gibt einem einfach das Gefühl, nicht alleine zu sein. Das ist für mich schön. Tom Waits hat mal gesagt: »Perfekte Musik ist für mich wie ein Haus ohne Fenster und Türen«.
RockTimes: Wie ich weiß, ist Tom Waits ein großes Vorbild für dich. Wer hat dich überhaupt zur Musik gebracht?
Daniel: Eigentlich waren das meine Eltern.
RockTimes: Deine Eltern sind doch beide aus der Filmbranche. Vater ist Regisseur, und Mutter Schauspielerin. Wäre es da nicht naheliegend, dass du auch in diese Richtung tendierst?
Daniel: [Überlegt sehr lange] Naja, ich stecke ja schon ein wenig mit drin. Wir drehen unsere Videoclips selbst und ich mache Filmmusik oder Musik für Werbungen. Wenn mein Vater ein neues Projekt hat, dann bin ich auch immer dabei.
RockTimes: Gerade in Filmfamilien ist es doch so, dass die Kinder in die Fußstapfen der Eltern treten und ebenfalls Schauspieler werden. Meistens mit dem Argument, den einfacheren Weg einzuschlagen, und sich nicht mit anderer Arbeit die Finger schmutzig zu machen.
Mizan: [Lacht und betont noch einmal »den einfachen Weg einschlagen«].
Daniel: Es gibt ja auch viele Kinder aus Filmfamilien, die Musiker werden. Jimmy-Blue (er meint Ochsenknecht) zum Beispiel.
RockTimes: Vor zwei Jahren hast du die Filmmusik zu "Vater Morgana" geschrieben, der bei uns in den Kinos recht erfolgreich lief. Hauptdarsteller ist Christian Ulmen. Wie bist du an diesen Job gekommen, bzw. wie kommen die Filmemacher ausgerechnet auf dich, da du ja zu dieser Zeit noch völlig unbekannt warst? Du warst zu der Zeit gerade einmal zwanzig Jahre alt, und hattest noch keine Erfolge zu verbuchen, wirst aber als Komponist für einen Kino-Film gebucht.
Daniel: Das ist eine ganz komplizierte Geschichte. Ich kenne den Produzenten sehr gut, es ist zufällig mein Vater. Da ich für ihn am günstigsten war - ich nehme nichts für die Arbeit - war es am naheliegendsten, mich zu engagieren. Die anderen hätten mehr genommen, nämlich irgendwas, und so kam es dem Budget sehr entgegen. Außerdem mache ich sehr gerne Filmmusik. Als der Film fertig war, habe ich die Musik vorgeschlagen, und mein Vater war damit einverstanden. Ich habe mir den Rohschnitt einige Male angesehen, mir dazu verschiedene musikalische Varianten überlegt, bis die endgültige Fassung fertig war. Auch dem ganzen Filmteam hat es sofort gefallen. Wir haben dann die Musik als Single veröffentlicht und im letzten Jahr das Stück auch auf die CD "Beautiful Desaster" eingefügt.
Im Moment entsteht der Film "Sieben Zwerge 3" als Animationsprojekt. Natürlich kenne ich den Produzent auch sehr gut, und mal sehen, was wir da machen können. Geplant ist, dass wir verschiedene musikalische Elemente einfügen, die aber nicht im Blues-Bereich liegen.
RockTimes: Wenn man sich "Beautiful Desaster" anhört, geht es ja nicht nur in den Blues. Die CD beinhaltet auch viele andere Stilrichtungen, und ist dadurch sehr abwechslungsreich und nicht langweilig. Deshalb weiß ich, dass du auch in der Lage bist, fast alles Mögliche zu komponieren. Wie habt ihr euch überhaupt kennengelernt?
Daniel: Mizan, Simon und ich kennen uns aus der Schule. Wir sind in die gleiche Klasse gegangen.
RockTimes: Bitte stellt euch doch mal selbst vor.
Simon: Wie gesagt, wir kennen uns aus der Schule. Ich spiele Klavier in der Band, und während dieser Tour auch etwas Percussion, da wir ohne Drummer spielen. Wenn die komplette Band spielen würde, wäre einfach der Aufwand zu groß, somit haben wir beschlossen, mit minimalem Equipment aufzutreten. Wir spielen ja nur einige Songs, und dafür reicht die Ausstattung. Inzwischen habe ich auch angefangen, etwas zu trommeln und nebenbei studiere ich noch etwas.
Mizan: Ich bin 'Nasi', spiele Gitarre, und bin der einzige Nichtalkoholiker in der Band.
RockTimes: Ihr seid ja alle noch sehr jung, gerade mal Anfang zwanzig, und habt noch eine Menge vor euch, könntet es also sehr weit bringen im Leben und auch als Musiker. Habt ihr geplant, auch mit euer Musik ins Ausland zu gehen, zum Beispiel in den amerikanischen Markt, wo Blues doch sehr angesagt ist?
Mizan: Bisher haben wir nur im Rahmen dieser Tour in der Schweiz gespielt. Sicher wollen wir auch mehr ins Ausland. Wir müssen dazu aber erst einmal mehr Material haben, um bekannter zu werden. Noch reißt sich dort niemand um uns, außerdem ist es auch sehr schwer, an Auftrittsmöglichkeiten heran zu kommen.
RockTimes: Wenn ihr jetzt euer erstes Jahr Revue passieren lasst, welches war darin euer schönstes Erlebnis?
Daniel: Wenn ich richtig darüber nachdenke, dann ist es die aktuelle Tour. Wir haben dabei so viele Menschen getroffen, so viel positives Feedback erhalten, jede Menge Spaß gehabt, und der positive Nebeneffekt ist, dass wir durch das tägliche Spielen deutlich besser geworden sind.
Mizan: Für mich war der erste gemeinsame Gig sehr bedeutsam. Da habe ich gemerkt, dass es in die richtige Richtung geht. Egal auch in welcher Konstellation wir zusammen spielen, bekommen wir immer gesagt, dass diese gerade die beste sei. Spielen wir zu viert, heißt es, dass wir so perfekt sind. Holen wir noch den Bassisten dazu, heißt es, so seid ihr perfekt. Und nun spielen wir zu dritt, und hören das wieder. Das sagt mir, dass die Band absolut gut zusammenpasst, wir hervorragend harmonieren und uns sehr gut ergänzen.
RockTimes: Du hältst die ganze Zeit deine Fender in der Hand. Wie alt ist die eigentlich, und was bedeutet sie dir?
Mizan: Die ist aus dem Jahr 2008. Ich habe mal gelesen, dass Stevie Ray Vaughan seine Gitarre gekauft hat, ohne sie zu spielen. Ich dachte, ich mache das auch einfach. Es war nicht unbedingt die beste Entscheidung, denn ich musste einiges daran herumfummeln, um den besten Klang zu bekommen, aber jetzt ist sie meine. Im Moment ist es noch meine einzige, aber in relativ kurzer Zeit habe ich mich schon in eine andere verguckt.
RockTimes: Ihr kommt ja aus Hamburg, der Stadt, in der jedes Jahr eines der größten Biker-Treffen in Europa stattfindet. Blues ist bei Bikern auch sehr angesagt, deshalb die Frage, ob ihr nicht mal auf der Veranstaltung spielen möchtet?
Daniel: Wir haben auf der Tour eine Menge Biker kennengelernt, alles sehr nette Leute. Warum sollten wir nicht mal versuchen, dass wir auf solchen Veranstaltungen spielen können. Hamburg wäre ja auch ein Heimspiel für uns, und die Herausforderung, vor solch einer Menge Zuschauer zu spielen, ist schon eine schöne Vorstellung.
RockTimes: Bleibt mir nur noch, euch weiterhin viel Erfolg zu wünschen, und mich bei euch für das nette Gespräch zu bedanken.
WellBad: Ebenfalls vielen Dank und Grüße an die RockTimes-Leser.
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