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Who's Pinski... diese Frage stellt sich dem neugierigen Musik-Fan vor dem Hören der Debüt-EP "Love And Release". Nach sechs Songs und einer Spielzeit von knapp über siebenundzwanzig Minuten lichtet sich der Nebel aber so etwas von gewaltig, dass man sprichwörtlich von den Socken ist. Das Quartett um die Frontfrau Insa Reichwein, deren Spitzname 'Pinski' ist, serviert uns einen Rock, der sich gewaschen hat. Eine Eco-Taste kennt man nicht. Alle Songs hat Reichwein geschrieben und vielleicht lüftet man das Tuch der Unkenntnis zunächst einmal, indem man sich die Viten des Vierers ansieht.
Alle besuchen die Musikhochschule Köln. Reichwein studiert Komposition/Arrangement im Fachbereich Jazz/Rock/Pop. Sebastian Ulmer lernte im Alter von sieben Jahren Klavier und wechselte später zur Gitarre. Im niederländischen Maastricht studierte er zwei Jahre Jazz-Gitarre und spielte dann bei Roncalli in der Zirkusband. In Köln setzt er nun sein Studium fort. Stilistisch besetzt er vielen Stil-Stühle und auf der Band-Homepage steht zu lesen, dass es ihm wichtig ist »über den Tellerrand der (manchmal etwas eingebildeten) Gitarrenwelt hinauszuschauen und auf den Sound der ganzen Band zu hören, um ihn zu bereichern.«
Bassist Alex Rönz haben Vaters Platten von Dire Straits, Pink Floyd sowie Deep Purple »auf den richtigen Weg gebracht.« Nach Keyboards, Klavier und Saxofon kam er zum Bass und dieses Instrument studiert er auch in Köln. Schlagzeuger Nikolas Genschel hat seine Anker in der Klassik und sang auch in diversen Chören. Er besuchte die Hochschule, um Lehrer zu werden. Dieses Ziel rückte allerdings in den Hintergrund. Der Drummer ist ausgewandert »aber nur, um in den Niederlanden noch ein bisschen mehr über das Trommeln zu lernen und das Gelernte dann in die Band einzubringen.« Okay, so viel zum etwas verkürzten Background der Band. Jetzt wird der weit größere Teil des bereits oben erwähnten Tuches entfernt.
Man kann es gar nicht oft genug betonen, wie toll es ist, dass sich die vier jungen Leute dazu entschlossen haben, eine Band zu gründen. Die Chemie innerhalb der Combo stimmt und "Love And Release" hat nur einen Nachteil: die Platte ist viel zu kurz. Who's Pinski rocken die heimischen vier Wände, was das Zeug hält. Allerdings nicht nur laut und phasenweise heftig, sondern... mit Niveau. Reichwein ist eine beeindruckende Songwriterin, Sängerin und die akustische Gitarre setzt sie auch noch gefühlvoll in Szene. Das Saiteninstrument hat einen hohen Stellenwert in den Songs.
Bei den gerade einmal sechs Tracks hört man eine immense Eigenständigkeit heraus. Ob nun auf melancholisch-verträumten Pfaden oder dem rockigen Highway überzeugt Who's Pinski auf beeindruckende Weise. Der Vierer macht Musik, die sich über die Lauscher mit Vehemenz in den dafür vorgesehenen Gehirnwindungen fest verankern. Die Nummern wurden von Marvin Böttger (Engineering/Mixing) und Reinhard Kobialka (Mastering) perfekt in Szene gesetzt. Böttger und die Band haben produziert. Who's Pinski ist ein Newcomer, der diese Bezeichnung aus vollem Herzen verdient.
Die Gruppe kann locker grooven und im Detail jongliert sie mit Breaks, Rhythmuswechseln und Tempo-Variationen, wie es ihr gefällt. Profiteur ist immer der Hörer. Was Ulmer an Soli liefert, ist ungemein variantenreich und die fast immer nach vorne treibende Rhythmus-Fraktion kann nicht oft genug lobend erwähnt werden.
Das Wechselspiel von E-Gitarre und Akustischer ist nur eines der Band-Markenzeichen. Einerseits kann Reichwein die Rock-Röhre walten lassen, andererseits umschmeichelt sie in den ruhigeren Phasen sanft und sexy des Hörers Ohren. In den einzelnen Songs ist die Band immer für eine Überraschung gut. Man wickelt einen in verträumt-seidenen Chiffon, der im nächsten Moment von kräftig rockenden Phasen weggepustet wird. Die Musik weckt Begehrlichkeit. Sphärische Klänge schweben knapp unter dem oberen Ende der Atmosphäre und in der nächsten Sekunde regiert quasi die Bodenständigkeit des Rock. Jeder Track ist ein Beleg für tolle Arrangements. Leichte Blues-Verästelungen lassen sich feststellen und im langsamen Aufbau von Dynamik sind die vier Künstler auch noch meisterlich. Alle Nummern sind Rohdiamanten und man überzeugt selbst bei kurzen Blicken auf den metallischen Ableger des Genres. Die EP ist eine Herausforderung... man muss sie mehrmals hören, um Herr aller Feinheiten zu werden.
Mein musikalisches Gefühl sagt mir, dass wir noch viel von Who's Pinski hören werden. Bei allen Tracks wird man stante pede neugierig, wo die Gruppe live zu erleben ist, denn aus meiner Sicht ist ein Konzert ein absolutes Muss. In Köln hat man schon viele Konzerte gespielt und siehe da, auch unplugged. Sehr interessant. 2012 wird es ohne Zweifel noch ganz viele Möglichkeiten geben, die Gruppe live zu erleben.
Ich ziehe meinen imaginären Hut vor Who's Pinski und "Love And Release".
Line-up:
Insa Reichwein (lead vocals, acoustic guitar)
Sebastian Ulmer (electric guitar, backing vocals)
Alex Rönz (electric bass)
Niklas Genschel (drums, backing vocals)
| Tracklist |
01:This Ain't The Right Time (4:20)
02:Fires On The Shore (3:42)
03:Wouldn't Say (5:35)
04:Insomniac (3:44)
05:Love And Release (4:44)
06:Rules (5:03)
(all songs written and composed by Insa Reichwein)
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