Jau, endlich ist es mal wieder an der Zeit, eine beschwingte Runde Bluegrass zu drehen! Und The Wilders aus dem US-Bundesstaat Missouri haben mir dafür eine Einladung geschickt, die ich unmöglich ablehnen konnte. Diese kam in Form ihres brandneuen Studioalbums "Someone's Got To Pay" und ist tatsächlich ein kleiner Schatz, wenn man auf traditionellen Bluegrass steht.
20 Tracks bringt das Quartett in knappen 50 Minuten unter, was alleine schon unter Beweis stellt, dass die jeweiligen Nummern größtenteils zeitmäßig recht knapp ausgefallen sind. Mit dem Vorteil, dass sie unter anderem deshalb knackig, frisch und kurzweilig rüberkommen. Das Herzstück des Albums ist das konzeptionelle "Sittin' On A Jury", welches sich über mehrere Songs verteilt und bei dem es sich um eine wahre Story handelt. Bandmitglied Phil Wade war im Jahr 2005 einer der Geschworenen in einem Mord-Prozess, der ganz offensichtlich bleibenden Eindruck bei ihm hinterlassen hat.
Diese Story wird immer wieder von traditionellen oder originalen Songs des Trios mit Dame unterbrochen, was allerdings kaum störend wirkt, da man sich umgehend wieder in die düstere Geschichte zurückfindet. Musikalisch sind The Wilders sehr traditionell unterwegs und verwendeten (fast) ausnahmslos akustisches Instrumentarium für die hier vorgestellten Titel. Mit jeder Menge Dampf fällt bereits der Opener "Wild Old Nory" über uns her, bestimmt von sowohl treibenden Akustik-Gitarren, wie auch sehr extrovertiertem Gesang und klasse akzentuiert von u.a. Fiddle und Banjo.
Als zweiten Titel mit "Broken Down Gambler" gleich ein Instrumental zu bringen, dazu gehört schon ein Stückchen Mut, spricht aber auch Bände über das Selbstvertrauen dieser Truppe. Betse Ellis ist ein wahrer Derwisch an der Fiddle und macht das Stück zu einem absoluten Hinhörer. Die Stimmung schwenkt mit dem folgenden "An Old Murder Ballad Come To Life" völlig um, ist es doch die Einleitung des textlichen Hauptthemas von "Sittin' On A Jury".
Vom Piano bestimmt und in sehr unheilschwangerer Atmosphäre gehalten, werden wir in den Gerichtssaal hineingeführt, wo man sich auf den anstehenden Prozess vorbereitet. Fast schon erleichternd werden wir danach mit "My Final Plea" wieder in leichtere Gefilde geführt, während einmal mehr Betse Ellis' Fiddle ganz fett punkten kann. Ich will hier gar nicht erst zu viel von der spannenden Hauptgeschichte, die immer wieder von fetzigen, nicht damit zusammenhängenden Tracks aufgelockert wird, vorwegnehmen.
Richtige Hinhörer sind zum Beispiel "Hey Little Darlin'", "Happy That Way", "Sorry I Let You Down" oder auch "Goodbye, I've Seen It All", die allesamt über jede Menge Power, Feeling und Melodie verfügen. Dezente Drums und der Bass legen einen perfekt ausbalancierten Teppich für die Schlag- und Pick-Gitarren, sowie die wirklich beeindruckende Lady an ihrem Streichinstrument.
The Wilders treten vor Publikum übrigens ohne Schlagzeuger auf und bringen ihre komplette Show, während sie sich um ein einziges Mikrofon versammeln. Dass so ein ganz eigenes, intimes Bandfeeling entstehen muss, lässt sich leicht nachvollziehen. Der Vierer versetzt dazu laut Promozettel jedes Konzertpublikum außer Rand und Band, was ich gerne glaube, selbst wenn die Studioaufnahmen etwas verhaltener klingen. Live dabei sein würde ich auf jeden Fall sehr gerne mal.
"Someone's Got To Pay" ist eine starke Scheibe geworden, die es sehr gut versteht, Stimmungen von Bedrücktheit, Freude und Ausgelassenheit zu vermitteln. Im kommenden Winter wird diese Truppe auch nach Deutschland kommen um die Konzertbesucher direkt vor Ort von ihren Qualitäten zu überzeugen. Ich kann nur raten, sich diese Gelegenheit nicht entgehen zu lassen, denn die Konzerte werden voraussichtlich wahre Feste werden, zumindest wenn der Eindruck des vorliegenden Albums nicht täuscht.
7 von 10 RockTimes-Uhren gehen nach Missouri für "Someone's Got To Pay".
Line-up:
Ike Sheldon (vocals, piano, acoustic guitar, banjo)
Betse Ellis (fiddle, viola, vocals, handclaps)
Phil Wade (dobro, vocals, banjo, lap steel, mandolin, acoustic guitar, handclaps)
Nate Gawron (electric & acoustic bass, handclaps)
With guests:
Glenn Fields (drums)
Matt Brahl (drums - #20)
Dirk Powell (button accordion, electric guitar, piano, harmonica, fiddle)
Christine Balfa (triangle)
Brendan Moreland (electric guitar, harmony vocals, bass, tambourine)
Tracklist |
01:Wild Old Nory
02:Broken Down Gambler
03:An Old Murder Ballad Come To Life
04:Sittin' On A Jury: Prologue
05:My Final Plea
06:Hey Little Darlin'
07:Old Dirty Boot
08:Raised Up My Right Hand
09:Sittin' On A Jury: The Prosecution
10:Someone's Got To Pay
11:Happy That Way
12:Collard Greens
13:Hey Mr. Judge
14:Sittin' On A Jury: The Defense
15:Sorry I Let You Down
16:Rock In The Woods
17:Davey Took A Gun And Killed His Wife
18:Sittin' On A Jury: The Verdict
19:Sittin' On A Jury: The Epilogue
20:Goodbye, I've Seen It All
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