Winter In Eden / Court Of Conscience
Court Of Conscience Spielzeit: 50:06
Medium: CD
Label: Firestreak Media, 2014
Stil: Symphonic Rock

Review vom 28.12.2014


Steve Braun
Wenn man Winter In Eden geradezu zwangsläufig in die gleiche Kategorie mit anderen Größen der Symphonic Rock- bzw. -Metal-Ecke einsortieren muss, dann liegt das garantiert nicht nur an der (in diesen Genres überaus beliebten) Frontfrau. Machen wir uns nix vor: So eine rabenschwarz gekleidete Femme Fatale in der Bühnenmitte sieht doch einfach schöner als ein männliches Pendant aus, auch wenn es im Grunde der musikalischen Angelegenheit natürlich völlig Wurst ist!
Die im britischen Nordosten beheimateten Bandmitglieder von Winter In Eden verfügen ebenfalls über eine solche Schönheit, Vicky Johnson, die allerdings obendrein ungemein erotisierend zu singen vermag, alle Texte schreibt und somit alles andere als eine reine Bühnenstaffage darstellt.
Ich vergleiche (mir) unbekannte Bands nur sehr ungern mit Genrekollegen. Wenn aber Winter In Eden derart nach Within Temptation (bspw. zu The Unforgiving-Zeiten) klingen, dann wird man diesen Umstand wohl auf die Beteiligung von Ruud Jolie und Stefan Helleblad an "Court Of Conscience" zurückführen müssen. Die beiden Gitarristen haben das vorliegende Album nicht nur produziert und gemixt, sondern Winter In Eden gleich ins heimische Studio in den Niederlanden geholt. Wen wundert es da noch ernsthaft, dass "Court Of Conscience" derart melodisch-sinfonisch, mit nur sehr dezenter Metal-Schlagseite rockt?
Nach dem in höchsten Tönen gelobten Debüt "Awakening" sowie dem kaum weniger ambitionierten Nachfolger "Echoes Of Betrayal", legt Winter In Eden mit "Court Of Conscience" nun das dritte Album vor und festigt damit den Status in der 'Symphonic Rock Society'. Ein blitzsauberes Konzeptalbum um die Gerichtsbarkeit des eigenen Gewissens - eine komplexe Thematik wirklich überzeugend umgesetzt!
Jeder der Musiker gehört in die oberste Liga: zuvorderst natürlich Vicky und Steve Johnson (Ehemann/Bruder oder zufällige Namensgleichheit?). Beide haben "Court Of Conscience" maßgeblich geprägt - Vicky durch die Lyrik und natürlich ihrem einer Rock-Muse gleichenden Gesang, Keyboarder Steve durch die dramatisch-sinfonische Orchestrierung des musikalischen Plots. Gitarrist Samuel Cull gefällt durch messerscharfes Riffing, das - dann im Verbund mit einer ballernden Rhythmusfraktion - für die Symphonic Metal-Akzente sorgt. Man höre diesbezüglich nur mal in "Toxicate" oder "Behind Closed Doors"...
Obwohl, einen Schluck Wasser muss ich dann doch in den Wein gießen: Vicky Johnsons Stimme besitzt auf der 'Langstrecke' dann doch etwas zu wenig Modulationsfähigkeiten, um wirklich restlos überzeugen zu können - was natürlich eine subjektive Wahrnehmung ist!!
Mit dem wunderschön orchestrierten Opener "Knife Edge" zelebriert Winter In Eden den perfekten Auftakt in dieses Konzeptalbum. Der Spannungsbogen reißt in der guten Dreiviertelstunde weder ab noch 'leiert' er aus! "Court Of Conscience" hat von vorne bis hinten Zug und Biss. Die Single "With Intent" spielt mit allen gentretypischen Zutaten und war als Auskopplung sicherlich eine gute Wahl.
Die unheilgeschwängerte Eröffnung von "Critical Mass Part 1" steigert sich, enorm dramatisch, in einen sehr mystischen Longtrack. Hier hört man, als musikalischen Gast, Damian Wilsons charmismatische Erzählstimme im Hintergrund. In die gleiche Klasse gehört, mit herrlichen Streicherinnen angereichert, "It's Enough". Winter In Eden könnte man sich gut auf einer Bühne mit einem Streichorchester vorstellen - die Musik schreit geradezu danach... "Toxicate" bringt sich diesbezüglich noch einmal nachdrücklich in Erinnerung.
"Order Of Your Faith" ist ein etwas härterer Kanten - wer's lieber eingängig mag, bekommt mit "Before It Began" das, was er braucht. Mit "The Script" ist auch die obligatorische Ballade am Start, ganz bezaubernd halbakustisch - mit Piano, Akustikgitarren, Violine und Viola - arrangiert. Meine beiden Favoriten, neben "Toxicate", beenden den elfteiligen Reigen: "Behind Closed Doors" und "Afflication". Das ist Symphonic Rock par excellence... mustergültig!
Das positive Gesamtbild von "Court Of Conscience" wird durch meine persönlichen Befindlichkeiten bezüglich des Gesangs höchstens minimal eingeschränkt. Winter In Eden - diese mir bis dato unbekannte Band konnte sich als durchaus positive Überraschung präsentieren. Daumen auf 2 Uhr!
Line-up:
Vicky Johnson (lead vocals)
Steve Johnson (keyboards, bodhran, orchestration)
Samuel Cull (guitars)
Ian Heddle (bass)
Steve Hauxwell (drums)

Guest Musicians:
Damian Wilson (narration)
Jermain van der Bogt, Nathaly Heijne (vocals)
Sieste van Gorkum (violin)
Jonas Pap (cello)
Tracklist
01:Knife Edge (4:38)
02:With Intent(4:11)
03:Critical Mass - Part 1 Burdened (6:07)
04:Toxicate (4:06)
05:Order Of Your Faith (4:01)
06:It's Not Enough (4:33)
07:Before It Began (4:52)
08:The Script (5:21)
09:Constant Tomorrows (3:53)
10:Behind Closed Doors (3:46)
11:Afflication (4:08)
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