Aber da sind doch vier Männer auf dem Cover! Woody & Paul ist tatsächlich ein Quartett. Die niederländische Kapelle hat sich mit dem ersten Track des neuen Albums eine echte Überraschung eingehandelt. Banjo und Gebläse bestimmen das Geschehen und man spielt einen Dixieland-Song. Die Rückseite des Booklets gibt Preis, dass "No One Dies Tonight" eine Kollaboration mit dem Henk Five Orchestra ist. Diese Musikrichtung ist allerdings die einzige Ausnahme auf "Heroes And Zeros".
Die anderen zehn Kompositionen kann man unter Roots Music einsortieren und durchaus den Faktor Rock hinzufügen. Das Quartett um Woody Veneman und Paul van Hulten hat echt etwas zu bieten. "The Joker, Baby" beginnt balladesk, nimmt immer mehr Dynamik auf und dann lässt es die Band aber ordentlich krachen. Das Songgefüge wird perfekt aufgebohrt und was am Anfang nach Chris Isaak klingt, wird nach einer aufgewühlten Phase abermals herbeigerufen. Wow, was für ein Stück Musik!
Wie bei einer Kette reihen sich weitere Song-Perlen aneinander und gleich zu Beginn von "Ain't It Hard" gehen die vier Männer ein hohes Tempo. Die Harp ist im Einsatz und bevor es dem hymnischen Refrain entgegen geht, hat die Gruppe noch einige klasse Breaks auf Lager und interessante Texte werden auch mitgeliefert. Der Songtitel "Headless Hen" klingt einladend. Mit bestem Gesang servieren uns die Jungs einen Midtempo-Track mit vielen verzerrten Sounds, wozu auch der Tieftöner gehört und mit dem gesamten anderen Arrangement sind Woody & Paul ungemein psychedelisch.
Gleich danach sortiert man sich wieder und mit der akustischen Gitarre wird es sentimental-ruhig. Bei dezenter Begleitung singen Woody & Paul und Co. einen wunderschön entspannten Country-orientierten Song mit stimmungsvoller Harp-Einlage. Mich würde brennend interessieren, wie die Gruppe persönlich ihre Musik umschreiben würde. Vielleicht lehnt man eine Kategorisierung kategorisch ab. Verständnis dafür hätte man, denn das musikalische Spektrum besteht nicht nur aus den Spektralfarben.
Meiner Ansicht nach ist "Own Mess" ein Killer-Song. Was Woody & Paul hier drauf haben, kann man nur richtig laut hören. Phasenweise haben die Sechssaiter wieder einen verzerrten Sound und psychedelischen Kick. Dann kommt auch noch eine Slide-Gitarre hinzu und den Refrain summt man spätestens beim zweiten Durchlauf mit.
Der Lead-Sänger Woody Veneman hat eine klasse Stimme und zusammen mit Paul van Hulten sowie Joshua van Iersel bildet man mit drei Männern einen perfekten Chor. Die Tracks haben Pfiff und innerhalb der Songs findet man immer wieder Feinheiten im Arrangement. "Does Yer Daddy Know" ist eine aufwühlende Nummer, die in der eindringlichen Gefühlswelt angesiedelt ist. Mit geschickter Rhythmik werden die zum Teil sehnsüchtigen Gitarrentöne unterstützt und das Stück ist Dramatik pur.
Dem Song "Jack Of All Trades" hat man ungemein viele Berührungspunkte gegeben und wenn vorher die Rede von Psychedelic war, dann wird dieser Track der Vorgabe voll gerecht. Die Gitarren haben eine gute Portion Riffs am Start und Venemans Stimme klingt, wie durch ein Harpmikrofon gesungen. Die Mundharmonika ist ebenfalls mit von der Partie und irgendwie liegt das Spannende darin, dass das Lied nie entspannt.
Das Quartett Woody & Paul machen klasse Roots Music und deren sechstes Album "Heroes And Zeros" ist eine tolle Angelegenheit, die sich auch nach zig Durchläufen nicht abnutzt.
Line-up:
Woody Veneman (vocals, guitars, harmonica)
Paul van Hulten (vocals, guitar, banjo)
Ernst-Jan Van Doorn (bass)
Joshua van Iersel (vocals, drums, percussion)
With:
The Henk Five Orchestra:
Henk van Mil (trumpet)
Jaap van Arkel (clarinet)
Caat Swinkels (trombone)
'Papa' Dré van Vrede (bass tuba)
Rob van de Grift (banjo)
Tracklist |
01:No One Dies Tonight (2:21)
02:The Joker, Baby (4:20)
03:Ain't It Hard (3:43)
04:Own Mess (3:54)
05:You Gotta Look Alive (3:12)
06:Someone Once Said (3:16)
07:Does Yer Daddy Know (3:49)
08:Jack Of All Trades (3:30)
09:Headless Hen (4:43)
10:Poor Boy (4:19)
11:Travelin' Man (5:02)
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