Zaum / Oracles
Oracles Spielzeit: 48:38
Medium: CD
Label: I Hate Records, 2014
Stil: Doom, Pyschedelic Rock

Review vom 00.07.2014


Joachim 'Joe' Brookes
Wem die Doom-Band Shevil oder die Stoner-Rocker Iron Giant bekannt vorkommt, der kennt vielleicht auch die kanadische Pychedelic Doom-Combo Zaum, denn Kyle Alexander McDonald und Christopher Lewis bilden dieses Duo. Spektakulär ... nur zwei Leute braucht man, um gelungene Musik zu machen.
Wenige Personen, wenige Songs. Das Album "Oracles" enthält nur vier Kompositionen, die allerdings schön nach oben geschraubte Spielzeiten haben. Zwischen fast dreizehn und knapp über die vierzehn Minuten ist bei Zaum alles möglich. Ausnahmen bestätigen auch hier die Regel. "Peasant Of Parthia" rotiert satte acht Minuten.
Zealot ... Parthia ... mit diesen Begriffen steckt die Gruppe tief in der (biblischen) Geschichte. Aufgearbeitet werden solche Themen in mystischer Langsamkeit. Doom mit Groove und Herz, eben kein Musik-Schach mit festgesetzten Strukturen.
Musik in wohlklingend-epischer Breite. Kyle Alexander McDonald bringt zwar relativ viel Equipment zum Einsatz, aber die sich in Zeitlupe windenden Sounds klingen sehr authentisch. Christopher Lewis ist für das Schlagzeug und bemerkenswert zum Tragen gebrachte Percussion zuständig. Dazu kommt auch noch die klasse Stimme von Kyle Alexander McDonald.
Keiner der beiden Protagonisten spielt Gitarre. Dennoch werden auf irgendeine Art und Weise hörenswerte Riffs abgeliefert. Die Sitar ist sozusagen das Herz der Musik und pumpt Sauerstoff weiter an alle anderen Instrumente. Zaum ist ein Taktiker, der mit vielen Tempowechseln sowie Breaks Vielfalt in die "Oracles"-Songs bringt. Stimmungen werden phasenweise zu echten Albträumen, die zu Hyperaktivität führen können.
Die Sitar-Klänge verursachen unweigerlich auch fernöstliche Atmosphären, die zum Teil in höhere Schichten entschwinden. Zaum ist gewöhnungsbedürftig, aber wenn man sich erst einmal auf die dargeboten Soundcollagen eingelassen hat, wird der Hörer bestens entlohnt. So werden die vier Nummern zu wahren Genüssen der Langsamkeit.
Ohne Hochgeschwindigkeit geht das Duo einen konsequenten Weg. Bemerkenswert sind auch die Effekte, die Kyle Alexander McDonalds Stimme verfremden und sowohl dämonisch wie auch beschwörend klingen lassen. Dafür kann "The Red Sea" als Beispiel hergenommen werden. Überhaupt ist dieses Stück ein Highlight mit großem Spannungsbogen.
Zaums "Oracles" kann auch richtig laut werden. Dynamische Verzweigungen treffen auf hypnotische Ausgelassenheit. Das Duo kennt die passenden Wege zur ausufernden Psychedelic. Tief, immer tiefer ... die Waberlampe leuchtet großartig und Zaum verbreitet tonale Furcht.
Vor Überraschungen sollte man sich vorsehen. Im Intro zu "Peasant Of Parthia" dominiert der Synthesizer. Die klanglichen Tentakelen des Tracks saugen sich an den Trommelfellen fest und dann brechen drohende Gitarrenklänge über das entspannte Ambiente ein. Eine fesselnde Nummer!
"Omen" ist das abschließende Highlight einer Platte, die quasi erobert werden will. Zaum spielt sich in einen beklemmenden Rauschzustand. Die letzten vierzehn Minuten sind spektakulär und wunderschön. Nach den ersten drei Tracks kreiert man ein nicht ganz vorhersehbares Spektakel.
An und für sich ist die gesamte Scheibe ein unterschiedlich ausgefallenes Spektakel ohne dass Zaum jemals einen Gedanken an Radarkontrollen verschwenden muss. Differenzierte Langsamkeit mit Qualitätsmerkmalen! "Oracles" ist das Debüt zweier Künstler, die Musik mit nachhaltiger Wirkung machen. Daumen hoch und weitermachen!
Line-up:
Kyle Alexander McDonald (bass, vocals, sitar textures, synthesizer)
Christopher Lewis (drums)
Tracklist
01:Zealot (12:55)
02:The Red Sea (13:23)
03:Peasant Of Parthia (8:13)
04:Omen (14:08)
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