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Die US-Progressive-Rocker Abigails Ghost waren für mich bisher ein unbeschriebenes Blatt. Die aus Lousiana stammende Band hat ihren Auftritt beim letztjährigen RoSfest im Mai aufzeichnen lassen. Leider haben sie es versäumt, ihren Gig in DTS oder zumindest in 5.1-Format aufzunehmen und somit wird man nur im 2.0 Stereo-Sound bedient. Dafür haben die Kameraleute ein gutes Feingefühl für Nah- und Totalaufnahmen bewiesen und z.T. wechseln die Bilder von Farbe ins schwarz/weiße.
Das Konzert ist ein musikalischer Querschnitt ihrer bisherigen Alben Selling Insincerity (2007) und D_Letion (2009). Rhythmusgitarrist Randy LeBoeuf trägt den Bandleader Bones Theriot per Huckepack auf die Bühne und als die restlichen Bandmitglieder ihre Positionen eingenommen haben, legen sie mit "D_Letion" los. Während Bones mit erstklassigem Gesang aufwartet, lässt sich auch der Rest des Quintetts nicht lumpen und agieren sehr druckvoll und voller Elan. Tieftonspezi Kenneth Wilson darf bei "Romantique Life" ein kleines Solo beitragen. Ansonsten vernehme ich vorrangig Bones Aktivitäten, ob am Mikro oder an seiner Klampfe, der Mann hat's einfach drauf. Zwischenzeitlich lassen sie durch skurrile Tonfolgen aufhorchen, was den Track sehr aufwertet.
"Cinder Tin" erinnert mich schlagartig an Talk Talk. Allein die Gesangseinlagen ähneln denen Mark Hollis. Richtig soft geht's bei "Sneak Peek" zu. Die Ballade wird vordergründig von Brett Guillorys Keyboards begleitet, bevor zum Schluss Bones mit erstklassigem Gitarrenspiel überzeugt. Die gutgefüllte Halle scheint zufrieden zu sein und lässt sich vom Donnerhagel John Rodriques bei "Close" das Adrenalin in die Höhe treiben. Zwar ist fast alles auf Theriot abgestimmt, doch für die Bühnenperformance ist eher LeBoeuf zuständig. Immer in Bewegung und gestenreich feuert er seine Kollegen an. Da lässt sich Drummer Rodriques gern anstecken und haut unermüdlich auf seine Pauken um den Rhythmus vorzugeben. Von diesem Temperament hätte sich zumindest Bassist Wilson eine Scheibe abschneiden können. Richtig heftig geht's bei "Cerulean Blue" zur Sache. Hier werden die Klampfen ordentlich geschrammelt und verlangen vom Publikum gute Nehmerqualitäten.
Von den vierzehn Songs haben sie allein acht vom "D_Letin"-Album präsentiert. So auch "Monochrome", das zu meinen Highlights zählt. Ein richtig schöner Prog.-Schmuser mit dezenten Gitarrensoli, weichem Keyboard-Geklimper, einprägsamer Melodie und bestens von Bones am Mikro in Szene gesetzt. Starke Nummer! Bei "Black Lace" besticht LeBoeuf als Synchronsänger, plappert ohne Ton seinem Sänger den Text sekundengenau nach. Also, zur Not könnte er auch als Shouter einspringen. Beim folgenden "Mother May I?" fordert Rodriques Blickkontakt zum Tastenmann Guillory, bevor die Truppe in allerbester Prog.-Manier das Teil nach Hause fährt. Die restlichen Songs sind im Prinzip nach dem gleichen Strickmuster gehäkelt. Warum auch nicht? Mir hat's gefallen, wenngleich ich auch schon Besseres gesehen und gehört habe. Insgesamt hätte ihre Präsenz etwas feuriger, im Stile von LeBoeuf, sein können. Vielleicht wären dann die Fans auch mehr mitgegangen oder es handelt sich hierbei um eine bestuhlte Veranstaltung, die in der Regel die Stimmung meistens ausbremst.
Herausragende Merkmale der Show sind für mich die Gitarrensoli von Bones Theriot, der eindrucksvoll unterstrichen hat, dass er sein Handwerk glänzend versteht! Sein Gesang erscheint mir auch OK. Sympathikus und Energiebündel LeBoeuf ist das belebende Element der Show und verhindert an manchen Stellen ein dahindämmern. Schlagzeuger John weiß ebenfalls zu beeindrucken und sorgt für eine fehlerfreie Taktvorgabe. Keyboarder Brett und Bassist Kenneth vollrichten zur Zufriedenheit ihren Job, ohne für absolute Glanzlichter zu sorgen. Als Bonusmaterial haben sie zwar eine Fotogalerie im Angebot, die fällt aber insgesamt etwas spärlich aus. Letztlich habe ich eine DVD begutachtet, die dem Genre des Progessive Rock gerecht wird. Trotz vermindertem Tonangebot und sparsamer Laufzeit, halte ich ein reinhören und -sehen für empfehlenswert.
Line-up:
Bones Theriot (vocals, lead guitar)
Randy LeBoeuf (rhythm guitar)
Kenneth Wilson (bass)
Brett Guillory (keyboards, backing vocals)
John Rodrique (drums)
| Tracklist |
01:D_Letion
02:Romantique Life
03:Cinder Tin
04:Sneak Peek
05:Close
06:Sellout
07:Cerulean Blue
08:Plastik Soul
09:Monochrome
10:Black Lace
11:Mother May I?
12:Gemini Man
13:Waiting Room
14:Annie Enemy
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