"Live At Stockfisch Studio" ist nach drei Studioalben nun das erste, das 'live' eingespielt wurde. Wie genau die Bedingungen in Northeim waren, unter denen die parallel als Hybrid-SACD/CD und Vinyl-Scheibe aufgelegte Produktion (die inzwischen zweite nach den
Paperboys) ablief, entzieht sich unserer Kenntnis. Publikum dürfte wohl keines dabei gewesen sein, aber die Stücke klingen so, wie wenn es keine inhaltlichen Veränderungen im Nachhinein gegeben hätte (ob der unverkennbare Bundlos-Bass von
Hans-Jörg Maucksch auf "A Delicate Thing" hinzugemischt wurde, ist jedenfalls nirgends vermerkt). Studioleiter und Firmenchef
Günter Pauler saß an den Reglern, wie nicht anders zu erwarten. Und damit ist auch alles über den Sound gesagt - perfekt ausbalanciert, porentief rein und daunenweich. Der 'Live-Faktor' liegt wohl darin, dass zumindest emotionale stimmliche Schwankungen nicht der letzten Perfektion geopfert wurden.
Die Iren sind natürlich nach soviel Konzertpraxis bestens aufeinander eingespielt und abgestimmt, interessant wäre es aber schon zu erfahren, wie viele Takes sie pro Track benötigt haben. Entsprechend locker geht es dann auch zu, es swingt aus den Lautsprechern und überträgt die vorwiegend heitere Stimmung ins heimische Wohnzimmer. Zwei der 13 Stücke wurden uns bereits auf dem letzten Stockfisch-Sampler
Closer To The Music Vol. 3 vorgestellt, "Factory Girl" und "A Lovely Madness". Die restlichen weichen davon auch nicht gravierend ab, die Diversität liegt in den Zutaten.
Die Basis sind klar die keltischen Wurzeln, aber das Spektrum ist ist weitgefächert mit diversen Anleihen bei anderen folkloristischen und stilistischen Ausrichtungen. Die Band bewegt sich damit im Dunstkreis diverser Akustik-Roots Music-Bands, die wir vorwiegend aus Kanada und den nördlichen US-Staaten, aber auch von hier (z.B. Quadro Nuevo) kennen. Neben (vorwiegend instrumentalen) Jigs und Reels warten Dunne & Co. mit Blue Grass oder französisch inspirierten, aber auch jazzigen ausgelegten Stücken auf. Dabei wird oft innerhalb der Tunes variiert, 'stilrein' im Sinne von streng traditionell kommt da kaum was. Zarte Balladen, Love und Sad Songs runden die Tracklist ab. Der Bandsound ist dominiert von den beiden Knopfakkordeons, sofern nicht Lady Niahm ihre schöne Stimme erhebt.
Die Highlights sind wohl eher persönliche Ansichtssache, alle 13 Titel sind atmosphärisch, gekonnt arrangiert und ohne Schwachpunkt durchgehend ansprechend. Beoga präsentieren sich auf dieser "Live im Studio"-Produktion als vielseitige Roots- und Weltmusik-Band, die für sich beste Werbung für einen 'echten' Konzertbesuch macht. Da möcht aber etwas mehr 'Biss' schon sein.