Beoga / Live At Stockfisch Studio
Live At Stockfisch Studio Spielzeit: 49:54
Medium: Hybrid-SACD/CD
Label: Stockfisch Records, 2010
Stil: World Folk

Review vom 24.10.2010


Norbert Neugebauer
Als 'New Irish Folk' oder 'World Music From Ireland' firmiert der Bandsound von Beoga aus dem Norden Irlands. Das 2002 gegründete Quintett um die gute Sängerin und (klassisch ausgebildete) Geigerin Niamh Dunne ist europaweit unterwegs und vor allem seit geraumer Zeit Gast auf Deutschlands Bühnen (ab November wieder, siehe die RockTimes-Tourtermine). Aber auch die anderen Akteure gehören zur Crème der jungen irischen Szene, darunter 'All Irish Champion' Eamon Murray auf der Bodhrán.
"Live At Stockfisch Studio" ist nach drei Studioalben nun das erste, das 'live' eingespielt wurde. Wie genau die Bedingungen in Northeim waren, unter denen die parallel als Hybrid-SACD/CD und Vinyl-Scheibe aufgelegte Produktion (die inzwischen zweite nach den Paperboys) ablief, entzieht sich unserer Kenntnis. Publikum dürfte wohl keines dabei gewesen sein, aber die Stücke klingen so, wie wenn es keine inhaltlichen Veränderungen im Nachhinein gegeben hätte (ob der unverkennbare Bundlos-Bass von Hans-Jörg Maucksch auf "A Delicate Thing" hinzugemischt wurde, ist jedenfalls nirgends vermerkt). Studioleiter und Firmenchef Günter Pauler saß an den Reglern, wie nicht anders zu erwarten. Und damit ist auch alles über den Sound gesagt - perfekt ausbalanciert, porentief rein und daunenweich. Der 'Live-Faktor' liegt wohl darin, dass zumindest emotionale stimmliche Schwankungen nicht der letzten Perfektion geopfert wurden.
Die Iren sind natürlich nach soviel Konzertpraxis bestens aufeinander eingespielt und abgestimmt, interessant wäre es aber schon zu erfahren, wie viele Takes sie pro Track benötigt haben. Entsprechend locker geht es dann auch zu, es swingt aus den Lautsprechern und überträgt die vorwiegend heitere Stimmung ins heimische Wohnzimmer. Zwei der 13 Stücke wurden uns bereits auf dem letzten Stockfisch-Sampler Closer To The Music Vol. 3 vorgestellt, "Factory Girl" und "A Lovely Madness". Die restlichen weichen davon auch nicht gravierend ab, die Diversität liegt in den Zutaten.
Die Basis sind klar die keltischen Wurzeln, aber das Spektrum ist ist weitgefächert mit diversen Anleihen bei anderen folkloristischen und stilistischen Ausrichtungen. Die Band bewegt sich damit im Dunstkreis diverser Akustik-Roots Music-Bands, die wir vorwiegend aus Kanada und den nördlichen US-Staaten, aber auch von hier (z.B. Quadro Nuevo) kennen. Neben (vorwiegend instrumentalen) Jigs und Reels warten Dunne & Co. mit Blue Grass oder französisch inspirierten, aber auch jazzigen ausgelegten Stücken auf. Dabei wird oft innerhalb der Tunes variiert, 'stilrein' im Sinne von streng traditionell kommt da kaum was. Zarte Balladen, Love und Sad Songs runden die Tracklist ab. Der Bandsound ist dominiert von den beiden Knopfakkordeons, sofern nicht Lady Niahm ihre schöne Stimme erhebt.
Die Highlights sind wohl eher persönliche Ansichtssache, alle 13 Titel sind atmosphärisch, gekonnt arrangiert und ohne Schwachpunkt durchgehend ansprechend. Beoga präsentieren sich auf dieser "Live im Studio"-Produktion als vielseitige Roots- und Weltmusik-Band, die für sich beste Werbung für einen 'echten' Konzertbesuch macht. Da möcht aber etwas mehr 'Biss' schon sein.
Line-up:
Niamh Dunne (vocals, fiddle)
Seán Óg Graham (button accordion, guitar)
Liam Bradley (piano, keyboards)
Damian McKee (button accordion)
Eamon Murray (bodhrán)
Tracklist
01:Trolleyed
02:Factory Girl
03:Jazzy Wilbur
04:Mickey The Pipes
05:Please Don't Talk About Me When I'm Gone
06:Boxy Set
07:Both Sides the Weed
08:A Lovely Madness
09:A Delicate Thing
10:Soggy's
11:The Prelude Polkas
12:The Solid Man
13:Dirty Work
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