Die mehrfach Grammy-dekorierten Blind Boys gehören zu den Gesangscombos der US-amerikanischen Musik mit institutionalem Format. Vor sieben Jahrzehnten gegründet, begeistern sie mit ihrem mitreißenden Stimmensatz (in wechselnder Besetzung) nicht nur die ausgesprochenen Fans der vokalen Gospelmusik. Bislang war fast jede Neuveröffentlichung ein Erfolg, zumal sie sich auch mit so nonkonformistischen Musikern wie Ben Harper oder Tom Waits bestens in Szene setzten.
Dass sich die ehrwürdigen Gentlemen aus Birmingham nun hinunter in den Sündenpfuhl New Orleans begeben haben, um der gezeichneten Stadt ihre Solidarität zu erweisen, ehrt die frommen Männer. Die zwölf Songs, die sie mit örtlichen Szene-Größen aufgenommen haben, sind meist bekannte Standards, dargeboten im typischen Blind Boys-Stil, ergänzt mit lokalen Zutaten.
Nun, auch in NOLA gibt es viele Gläubige, die ihren Herrn lobpreisen. Der Sound von Big Easy ist jedoch ein anderer und auch wenn am Congo Square am Sonntag schon lange keine Voodoo-Trommeln mehr die braven Bürger verschrecken, bleiben die paar 'Jesus-Freaks' am Jackson Square beim Mardi Gras eine kleine Kuriosität erzkonservativer Spinner (unter Artenschutz der Cops).
Ich weiß nicht, entweder geht den alten Boys nun doch langsam die Luft aus oder Queen Marie Laveaux hat ihnen in ihrem Territorium mit ein paar speziellen Sprüchen aus der Gruft den Saft abgedreht. Jedenfalls ist "Down In New Orleans" größtenteils nur eine seltsam blutleere und über weite Strecken auch uninspirierte Singerei, bei der die angeheuerten Cracks nur für touristischen Lokalkolorit sorgen.
Selbst so gängige Nummern wie "You Got To Move" oder "Down By The Riverside" kommen nicht aus dem Sattel und wenn die Preservation Hall Jazz Band den typischen Big Band-Groove unterlegt, wird's noch deutlicher: Das ist bestenfalls gut gemeinte Folklore, aber es passt nicht. Da kann sich auch ein Allan Toussaint abklimpern, wie er will. Egal wer von den Herren die Lead-Vocals übernimmt, das ist nur eine schwache Erinnerung an frühere Tage, vom mitreißenden, beseelten Chor einer großen Stimmencombo ganz zu schweigen. Dazu ist das Ganze auch noch von sehr mäßiger Klangqualität. Sorry Boys, New Orleans ist wirklich nicht eure Stadt. Hier, im 'House of the Rising Sun', sind der Funk, der Jazz, der Blues und die Rockmusik mit Sex&Crime zuhause, für das Lied des Herrn gibt es bessere Plätze. Gehet hin and praise the Lord anderswo… .
Wer immer der Gospel-Truppe geraten hat, dieses Album zu machen, hat wohl genauso viel Ahnung und Geschmack wie der Hausschneider der Herren. 'Glücklicherweise' können sie ja diese schrecklichen Anzüge nicht sehen, in die sie gesteckt wurden. Aber hören sollten sie schon noch und dann werden sie diese Platte sicher nicht oft auflegen. Auch ausgesprochene Fans der Truppe sollten erstmal richtig antesten, ob ihnen dieser Mix zusagt. Ansonsten gilt: Man muss ja nicht alles mögen (und haben)!
Ob die Boys bei den Aufnahmen schon zu fünft (Frontcover, Booklet) oder noch zu siebt (Rückcover) waren, bleibt dabei Nebensache. Jedenfalls war das früher eine tolle Truppe, die hoffentlich, zurück in bewährten Gefilden, nochmal Besseres nachlegen kann.
| Tracklist |
01:Free At Last
02:Make A Better World
03:How I Got Over
04:You Got To Move
05:Across The Bridge
06:You Better Mind
07:Down By The Riverside
08:If I Could Help Somebody
09:Uncloudy Day
10:A Prayer
11:I've Got A Home
12.I'll Fly Away
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