Born 53 / Foreign Accent
Foreign Accent Spielzeit: 53:31
Medium: CD
Label: Big Note, 2010
Stil: Roots

Review vom 25.03.2010


Markus Kerren
Es war im Jahr 2003, als sich die schwedischen Musiker Anders Lindh, Jörgen Larsson und Hans Birkholz in ihrer Heimatstadt Stockholm zusammen fanden. Und es dauerte auch nicht sehr lange, bis man sich in Form der Bornettes, bestehend aus Asa Källen Lindh und Karin Hagberg, kräftige Unterstützung für die Background Vocals und ergänzende Instrumente an Land gezogen hatte. Born 53 sind ungeheuer arbeitswütig, wie man anhand der bisher erschienenen Werke nachvollziehen kann. Der neueste Streich, das Album "Foreign Accent" hat nun seinen Weg in die RockTimes-Redaktion gefunden. Und das ist auch gut so, denn die Skandinavier haben einen richtig coolen, relaxten Roots Rock bzw. Americana am Start.
Vollmundige 15 Tracks sind es diesmal geworden, bei denen sich zu den neun Originalen von Anders Lindh auch drei Kompositionen von Birkholz und des Weiteren drei Cover-Songs gesellen. Musikalisch ist man tief im amerikanischen Süden und auch dem Lebenswerk von Bob Dylan verwurzelt. Dazu kommt, dass Lindh wohl auch halber Amerikaner sein muss, wenn man sich einige seiner Texte, wie zum Beispiel "Foreign Accent" oder "Half American Blues" mal genauer anhört. Vorausgesetzt natürlich, dass diese auch autobiografisch sind. Wie dem auch sei, die Band wirkt nie aufgesetzt und verfügt über diese gewisse Leichtigkeit, die unabdinglich für das Gelingen einer solchen Scheibe ist.
Okay, Anders Lindhs Gesang würde man jetzt nicht unbedingt als den eines Mannes einschätzen, der sich beim Baumwollpflücken in der Hitze von Arkansas die Hände zerschunden und dies pro Abend mit einer gehörigen Dosis Whiskey zu kompensieren versucht hat. Aber was der Schwede gesanglich macht, das hat aufgrund einer coolen Relaxt- bzw. Abgeklärtheit dann doch einiges zu bieten. Musikalisch lässt der Dreier, bzw. das Quintett eh nichts anbrennen. Während Lindh sich beim Songwriting hervortut, ist Hans Birkholz an den Instrumenten der große Zampano, der so ziemlich alles zu spielen scheint, woran man ein paar Saiten spannen kann. Die beiden Ladies liefern im Hintergrund hervorragende Arbeit ab und Jörgen Larsson hält die ganze Geschichte mit seinen Drums, Percussions und Jazz-Besen abgeklärt, cool und groovesicher zusammen.
Paradebeispiel hierzu ist der "Half American Blues", der einfach richtig stark umgesetzt wurde. Bob Dylan schwebt auch schon anfangs der Scheibe über dem ein oder anderen Song. Gegen Ende wird dem Meister dann noch mit dem Track "Million Dollar Bash" gehuldigt, den dieser bei den Sessions zu The Basement Tapes mit seiner damaligen Begleittruppe The Band aufgenommen hatte. Apropos The Band: Von dieser Combo wurde der von Holland/Dozier/Holland geschriebene Track "Don't Do It" aufgegriffen und in eine neue Form versetzt. Wenn auch nicht vom Arrangement, dann doch zumindest in etwas eigener Fassung. Und Schande machen Born 53 dabei weder Dylan noch The Band.
Sehr cool auch "(To) Deal With The Devil" mit einer klasse Resonator-Gitarre, die mit dem Bottleneck bearbeitet wird und uns in die tiefsten Sümpfe Mississippis versetzt. Ein feines Riff dann bei "Trading Attitudes", begleitet von einem abgefahrenen Groove und einer betörenden Fiddle. Das Instrumental "Mister Grunts Blues (Half Turnaround)" atmet ebenso den Geist des tiefen Südens der USA, wie uns "Clock Strikes 12" in die Hitze eines zeitvakuum-verfluchten Arizona-Tages manöveriert. Mit dem Schulter zuckenden "Brilliant Future (Behind Me)" entlassen uns Born 53 schließlich in die Nacht, ins Bett oder auch in Richtung Kühlschrank um danach die Repeat-Taste zu drücken. Insgesamt eine sehr gelungene Angelegenheit!
"Foreign Accent" ist ganz sicher kein Album, das die Welt verändern wird oder irgendwelche umwerfenden Neuigkeiten in die Americana/Roots-Szene einfließen lässt. Aber es ist ein sehr cooles Album geworden, da es schlicht und ergreifend Spaß macht. Dass so was in Schweden geht, wissen wir ja nicht erst seit gestern, aber hinsichtlich Attitüde und Umsetzung gibt es auch dort erhebliche Unterschiede. Wenn man in den direkten Vergleich gehen will, dann ist Born 53 hier gelungen, woran z.B. Jump 4 Joy auf ihrem letzten Werk gescheitert sind. Nämlich Authentizität rüber zu bringen und ein sehr gelungenes Album abzuliefern. Kommt übrigens in schönem Digipak inklusive Booklet mit allen Texten.
Line-up
Anders Lindh (vocals, acoustic & electric guitar, piano, harmonica, percussion, fingersnappin', grumble & snake)
Hans Birkholz (acoustic & electric guitars, 12-string guitar, hi-string guitar, single cone & tricone metal resonators, wooden resonator, lap steel, baritone guitar, 5-string banjo, acoustic & electric mandolins, accordion, longneck soprano ukulele, ersatzitar, kalimba, piano, vibraslap, vocals)
Jörgen Larsson (drums, percussion, brushes, zincplated washboard)

The Bornettes:
Asa Källen Lindh (vocals, percussion)
Karin Hagberg (vocals, violin)
Tracklist
01:New Day
02:Foreign Accent
03:Walking
04:Half American Blues
05:The Holdup
06:I Don't Know (Post Cold War Blues)
07:The Loop
08:(To) Deal With The Devil
09:Trading Attitudes
10:The Muses Of Quebec City
11:Mr. Grunts Blues (Half Turnaround)
12:Don't Do It
13:Million Dollar Bash
14:Clock Strikes 12
15:Brilliant Future (Behind Me)
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