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"'Til Spring", das dritte Werk von Clarence Bucaro, stammt von 2008, mittlerweile ist der Nachfolger "New Orleans" fertiggestellt. Im Zug dieser Neuveröffentlichung wurde nun auch der Vorgänger bei uns auf den Markt gebracht.
Der Singer/Songwriter stammt ursprünglich aus Ohio, kam aber schon weit herum. Unter anderem war er einen Sommer lang auf dem berühmten und beschwerlichen Appalachian Trail unterwegs, tourte in Europa und USA und hielt sich länger in New Orleans sowie New York auf, wo "'Til Spring" entstand. Als Inspiration werden die Novelle "Wait Until Spring, Bandini" von John Fante und das Bill Evans-Album "You Must Believe In Spring" genannt, was sich allerdings keineswegs in jazzigen Noten niederschlägt. Aber, das sei vornweg gesagt, in einem sehr ansprechenden Gesamtergebnis.
Ob das Album gleich mit Van Morrisons legendärem Astral Weeks
verglichen werden muss, wie es, die schöne Cover-Artwork zerstörend fett auf meiner Hülle aufgepappt ist, lassen wir mal offen. Es gibt streckenweise Ähnlichkeiten im Sound. Aber diese Marktschreierei hat der junge Künstler wirklich nicht nötig. Klar, da ist jede Menge weißer Soul in der Musik von Bucaro, dessen Intonation und Phrasierung wohl eher verblüffend Simply Reds Mick Hucknall nahe kommt. Die smoothe Stimme ist zweifelsohne ausgesprochen gut und fügt sich geschmeidig in die feingesponnenen, ohrschmeichelnden Arrangements ein.
In der Instrumentierung fällt der Orgel ein besonderes Gewicht zu. Glenn Patscha trägt mit seinen fließenden Klängen sehr zum warmen, fülligen Soundbild bei, das damit öfters auch an Dylans spätsechziger Alben erinnert. Ein anderes, ebenfalls ausgesprochen angenehmes Element, sind die dezent gesetzten backing vocals, die nie aufdringlich wirken (im Gegensatz zu den Produktionen von Van Morrison). Bucaro hat eine absolute Toptruppe zur Verfügung (u.a. seinen Mentor Anders Osborne), die aus seinen Vorlagen Schmuckstücke machen.
Bucaro gelingt es, ein ausgesprochen wohltönendes, dabei aber nie mainstreamiges oder auf simplen Wohlklang abzielendes Album abzuliefern. Eine gelungene Mischung von gefälligen Elementen, die zwar glatt ins Ohr gehen, es aber keineswegs zukleistern. Hinter der Leichtfüßigkeit, den runden Melodien und der schönen Stimme steckt eine Menge musikalischer Substanz, instrumentaler Feinheiten und Raffinesse, die "'Til Spring" zu einem absoluten Hörgenuss machen. Zweifelsohne ein Album prädestiniert für die blauen Stunden (nicht nur) zu zweit oder einfach um mal eine Dreiviertelstunde Kopfurlaub einzuschieben.
Dass der Künstler dabei auch eine Menge von Eindrücken von seinem Unterwegssein verarbeitet hat, die nicht immer positiv waren, merkt man, wenn man seinen Texten zuhört. "When Man Plays God" ist ein eindringlicher bluesgetränkter Appell, dessen Titel für sich steht, auch "On the Map" und "Standing On Old Grounds" reflektieren seine kritischen Gedanken.
Für Feinschmecker mit Soul im Herzen eine dicke Empfehlung!.
Line-up:
Clarence Bucaro (vocals, guitars, piano)
Konrad Meissner (drums, backing vocals)
Glenn Patscha (piano, organ, backing vocals)
George Rush (bass)
Kirk Fletcher (guitar)
Neal Casal and Anders Osborne (guitar, backing vocals)
| Tracklist |
01:'Til A Spring Wind Blows Again
02:When Man Plays God
03:Renew My Faith in You
04:Back In The World
05:On The Map
06:Caught In A Dream Turning Real
07:Take My Love
08:Tirelessly Blue
09:Standing On Old Grounds
10:For When You Arrive
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