
Nach dem Nikolaus-Gig der
Sand Rubies stand mit
Sarah Bettens im Duisburger Pulp für mich das zweite Konzert innerhalb von 72 Stunden auf dem Programm. Die junge Dame hatte mich mit ihrer schönen CD
Shine neugierig auf ihr Live-Schaffen gemacht. Die Anfahrtsbeschreibung auf der Homepage des
Pulps erwies sich lange Zeit als recht gut, bis plötzlich an einer Brücke im abendlichen Dauerregen die Orientierung versagte. Da auch die Parkplatz-Situation momentan noch recht unübersichtlich war, trafen wir etwas verspätet an der Location ein.
Das Event-Schloß sah bereits von außen klasse aus und auch innen muss man den Eignern ein ausgezeichnetes Gespür attestieren, mittelalterliches Ambiente und moderne Veranstaltungen in Einklang zu bringen. Das Konzert fand im sogenannten Rittersaal statt und war mit ca. 250 Zuschauern recht gut besucht. Aus oben erwähnten Gründen bekamen wir nur
die zwei letzten Songs der Vorband Hollywood Pornstars mit, was sich allerdings im Nachhinein nicht als Nachteil erwies. Dröhnende, breiige, aggressive Musik aus der Abteilung Krach & Co. Nicht die Baustelle des melodie-verwöhnten New Country-Genießers.

Nach zügiger Umbaupause legte
Sarah Bettens mit dem rockigen "Put It Out For Good" aus ihrem neuen Silberling los. Eine Wohltat nach dem vorher Erlebten. Auffällig sofort, dass sich sehr viele junge Mädels eingefunden hatten, die bereits scheinbar schon in jungen Jahren die Hoffnung in das männliche Geschlecht verloren zu haben schienen ... .
Minuspunkt für
Sarah allerdings, dass sie mit einem umhängenden MSV Duisburg-Schal den ersten Song abwickelte, dem Verein, der sich mit nicht zu beschreibendem Dusel und einer an Betrug grenzenden Elfmeter-Entscheidung in den Spielen gegen RW Essen den 1.Liga-Aufstieg zweifelhaft sicherte und dem Lieblingsclub des Autors den Gang in untere Gefilde bescherte. Wohl intuitiv einem Hautausschlag vorbeugend, legte sie diesen dann aber ab, und erfreute den
RockTimes-Redakteur danach im farblich angenehmen Rot-Weiß-Dress.

Im weiteren Verlauf gab es eine bunte Mischung aus ihren beiden Solo-Alben "Scream", "Shine",
K's Choice-Stücken (drei an der Zahl), sowie eine schöne Cover-Version des
Snow Patrol-Songs "Chasing Cars" (klasse Tempo-Breaks). Der Hauptanteil kam natürlich aus ihrer aktuellen CD "Shine" (acht Lieder), wobei die Songs, wie bereits im Review von mir erahnt, live genauso melodisch und angenehm umgesetzt wurden.
Sarah Bettens bot eine sympathische Performance, spielte eine schöne Gitarre und wusste gesanglich ebenfalls zu überzeugen. Das Gleiche gilt für ihre Begleitband, die solide im Hintergrund agierte, wobei ihr zweiter Gitarrist ab und zu mal Gelegenheit zu ein paar netten Strat-Ausflügen erhielt.

Meine persönlichen Favoriten des Abends waren das wunderbar relaxt groovende "Come On Over Here", bei dem ihr Publikum im Refrain Mitsinggelegenheit erhielt, das sehr melodisch vorgetragene "Pave Away" und das den Hauptteil abschließende, schön abrockende
"I Can't Get Out" mit klasse integriertem E-Solo. Im Stile einer
Melissa Etheridge bewies die schmächtige, aber sehr agile
Sarah bei "Believe" (nur mit E-Gitarre) und der finalen zweite Zugabe "I Can Do Better For You" (nur mit Akustikgitarre) auch ihre Alleinunterhalter-Qualitäten.
Insgesamt ein toller Gig in einem sehenswerten Ambiente.
Sarah Bettens ist für Leute, die auf melodische, handwerklich gut gemachte Pop-Rock-Musik stehen, eine in jedem Fall lohnende Live-Investition.
Uneingeschränkter Respekt des Autors!