Tab Benoit / Legacy: The Best Of
Legacy: The Best Of Spielzeit: 75:21
Medium: CD
Label: Teldarc Records, 2012
Stil: Blues Rock

Review vom 26.07.2012


Steve Braun
Nur noch selten schaffen es Bluesmusiker, mich wirklich zu begeistern. Für meinen Geschmack ist zu viel seelenlose Dutzendware darunter - jawohl 'seelenlos', denn oft ist der Blues nur noch Attitüde oder schmückendes Beiwerk. Vieles ist schlichtweg nur noch rückwärtsgewandt, und wenn es dann mal einer wagt, sich von der reinen Lehre wegzuentwickeln (ganz gleich, wie man sich persönlich dazu positioniert), wird gleich kübelweise Häme ausgeschüttet. Manchmal habe ich Zweifel, ob das noch meine Musikwelt ist...
Tab Benoit gehört für mich nicht in diese Kategorie - sein Output ist stets derart cremig-warm, dicht sowie durch und glaubwürdig, dass er mich schon nach wenigen Takten gefangen nimmt. Schon früh - Ende der Siebziger - kam ich mit seiner Band Louisiana's LeRoux, fälschlicherweise oft dem erweiterten Kreis des Southern Rocks zugerechnet, in Berührung. Eine Engelsgeduld war seinerzeit beim monatelangen Warten auf die Importware zwingend notwendig... Irgendwann löste sich der Mastermind aus dieser Verbindung, um auf Solopfaden zu wandeln. LeRoux wandte sich, von Labelbossen gezwungen, dem AOR zu und scheiterte selbstredend. Noch heute wird Tab allerdings live, gelegentlich auch im Studio, von seinen alten Buddies (hervorragend) unterstützt.
Tab Benoit ist ein Kind der Sümpfe, das wie ein Schwamm alle musikalischen Strömungen Louisianas aufgesogen hat: Blues, Soul, Cajun, Country und dies alles mit einem Schuss Rock gewürzt hat. Diese einzigartige Mixtur macht seine Interpretation des Blues Rock absolut authentisch. Seine Glaubwürdigkeit wird dadurch unterstrichen, dass er seit Jahren für einen verbesserten Umweltschutz und die kulturelle Eigenständigkeit seiner Heimat kämpft - seit dem Hurricane Kathrina mehr denn je...
Eine 'Best of' ist immer eine äußerst subjektive Angelegenheit. Ob der Meister persönlich die vorliegende Scheibe zusammengestellt hat, ist dem Booklet nicht zu entnehmen. Wahrscheinlich war es Telarc Records, die für diese Zusammenstellung verantwortlich war und so ist es überwiegend die letzte Dekade des Schaffens Tab Benoits, die repräsentiert wird. Einzig die Screamin' Jay Hawkins-Nummer "I Put A Spell On You" (von der "Homesick For The Road") vertritt seine durchaus kreative Schaffensphase aus den Neunzigern - ergo: Alle Songs sind aus Benoits Zeit bei Telarc.
Los geht's gleich mit einer Hammernummer: Dem 'sumpfigen' "Shelter Me" von der - nach meinem subjektiven Empfinden - bislang besten Benoit-Scheibe Power Of The Pontchartrain (2007), übrigens mit der gesamten Louisiana's LeRoux-Crew eingespielt! Hier stehst du wirklich knietief im Pontchartrain und atmest das Lebensgefühl Lousianas tief ein. Das nächste Highlight ist eine entspannte (und sehr viel 'bluesiger' interpretierte) Version der Buffalo Springfield-Nummer "For What It's Worth". Gleich mit "Nice And Warm" einen Slow Blues hinterher geschickt, bei dem man förmlich Gregg Allmans Hammond 'flirren' hören kann - eine Fata Morgana über einem Bayou... hier glänzt Benoits kongenialer Sidekick Jimmy Thackery mit seinem phänomenalen Gitarrenspiel.
Country-Veteran Billy Joe Shaver steuert bei seiner Komposition "Comin' On Strong" einige Vocalparts bei. Ein typischer Country-Song, der durch Benoits gefühlvolle Steel-Guitar und Waylon Thibodeaux' fröhliche Fiddle seinen besonderen Reiz entwickelt. Der große Cyril Neville [Herrschaftszeiten, wo sind denn die Neville Brothers in unserem Index??] veredelt "The Blues Is Here To Stay" mit seinen souligen Lead Vocals und Percussions. Allen Größen der Blueshistorie wird hier ein musikalisches Denkmal gesetzt... Von Tab Benoits aktuellem Album "Medicine" (2011) wird einzig der Titelsong gebracht. Schwül-hitzig und voller Voodoo-Magie entwickeln sich hier übersinnliche, hypnotische Kräfte - diese Medizin schmeckt alles andere als bitter.
Sehr schön ist, dass man auch zwei Songs von Live-Alben auf "Legacy..." gepackt hat, denn Tab Benoits Qualitäten auf der Bühne haben sich bis hierzulande herumgesprochen. Leider lässt sich der Mann so gut wie nie blicken...
Bei "New Orleans Ladies" schaut Southern Rock-Urgestein Jimmy Hall vorbei und steuert seine einzigartige Stimme und Harp bei. Mit einem wilden Uptempo-Boogie-Jam, dem "Bayou Boogie" von der "Whiskey Store Live" (2004), kann man nahezu live-haftig spüren, wie Benoit und Thackery einen Saal auf den Siedepunkt kochen können. Hammermäßig!!
Mit "Legacy: The Best Of" liegt hier eine repräsentative, prallvolle Compilation aus Tab Benoits Telarc-Phase vor. Zum 'Anfixen' bestens geeignet, denn die Originalalben sollte man sich spätestens danach allesamt anschaffen!
Tracklist
01:Shelter Me (5:07)
02:Night Train (4:18)
03:I Put A Spell On You (4:54)
04:For What It's Worth (5:19)
05:Nice And Warm (7:41)
06:Muddy Bottom Blues (4:22)
07:Darkness (4:42)
08:Comin' On Strong (3:27)
09:The Blues Is Here To Stay (6:04)
10:Medicine (5:50)
11:These Arms Of Mine (4:18)
12:Whiskey Store (3:31)
13:New Orleans Ladies [Live] (5:40)
14:Bayou Boogie [Live] (9:59)
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