Schon einmal vorweg: Bei den
Dio Disciples handelt es sich NICHT um eine
Dio-Coverband im herkömmlichen Sinne! Denn an diesem Projekt sind namhafte Mitglieder beteiligt, deren Namen das Wasser im Munde von
Dio-Fans zusammenlaufen lässt. Die Instrumentalfraktion formiert sich aus keinen Geringeren als
Simon Wright (Drums),
Craig Goldy (Gitarre) und
Scott Warren (Keyboards). Diese Formation bildete bis zuletzt (abgesehen von Bassist
James Lomenzo, der bei den Europa-Dates für den momentan aufgrund seiner Verpflichtungen bei
Blue Öyster Cult verhinderten
Rudy Sarzo einspringt) die Backing-Band des Solokünstlers. Den Gesang übernimmt zum größeren Teil ein gewisser
Tim 'Ripper' Owens, bekannt durch sein Mitwirken bei Metal-Größen wie
Judas Priest und
Iced Earth, der andere Part wird von
Toby Jepson (
Little Angels,
Gun) bedient. Insgesamt spielte diese Konstellation vier Gigs in Deutschland.
Und nun zum Konzert in Aschaffenburg: Einlass war um 19 Uhr, um etwa 20:10 Uhr fing der 'Special Guest'
The Rods an. Die Band um den
Dio-Cousin
David 'Rock' Feinstein - mittlerweile auch rund 60 Jahre auf dem Buckel tragend und schon Klampfer bei des Magiers alter Band
Elf gewesen - existiert mit langer, zwischenzeitlicher Unterbrechung bereits seit 1980 und fuhr in frühen Tagen mit Scheiben wie "The Rods" und "Wild Dogs" kleinere bis mittelgroße Erfolge ein. Erwähnenswert ist auch, dass die Band momentan im Original-Line-up (also mit
Feinstein,
Gary Bordonaro und
Carl Canedy, der später als Produzent von Bands wie
Overkill,
Exciter und Co. bekannt wurde) tourt. Im rund ¾-stündigen Set befanden sich größtenteils Stücke der alten Scheiben (Schade eigentlich, dass mein Favorit "Born To Rock" nur in einem Medley verbraten wurde!), ein Song des aktuellsten
Feinstein-Soloalbums
Bitten By The Beast ("Evil In Me") und eine Kostprobe des brandneuen Studioalbums "Vengeance", das übrigens auch das erste seit 1986 ist. Außerdem steuerte
Carl ein amtliches Schlagzeugsolo bei. Ein toller, sehr lebendig wirkender Auftritt des Trios, der meiner Meinung nach jedoch nicht genug gewürdigt wurde (nahezu kein Headbanging, biederer Höflichkeitsapplaus fast wie bei einem
Schürzenjäger-Konzert, regungsloses Starren allerseits), da das anwesende Besuchervolk meines Erachtens wohl größtenteils bzw. fast nur auf den Headliner fixiert war.
Schade!
Eine sehr kurze Umbaupause (maximal 15 Minuten) dauerte es nur, bis dann auch schon die
Disciples nach einem kurzen Intro die Bühne enterten. Als Opener wählte die All Star-Tributband "Stand Up And Shout", es folgte sogleich der "Holy Diver". Das Publikum rastete in den ersten Reihen völlig aus, es kam mir fast so vor, als ob es sich um komplett andere Personen, als die Langweiler bei den
Rods zuvor handelte, obwohl es natürlich die selben waren. Nach weiteren Stücken aus der Solozeit kamen dann logischerweile auch ein paar Klassiker aus der
Rainbow- und
Sabbath-Phase zum Zuge: Das kurz angespielte "Catch The Rainbow" (inklusive Gitarrensolo), "Stargazer", "Neon Knights", "Children Of The Sea", "Long Live Rock'n'Roll", "Man On The Silver Mountain" und der großartigste
Dio-Song überhaupt, der das Ende des normalen Sets markierte: "Heaven And Hell". Interessant ist hier auch die Tatsache, dass aus der
Sabbath-Phase lediglich die "Heaven And Hell"-Platte bedient wurde - kein Song von "The Mob Rules", keiner von
Dehumanizer. Aber egal, der
Dio-Einstieg bei den Birminghamern war eh das Allerbeste, was in seiner Karriere das Licht der Welt erblickte! Bei den Vocals wechselten sich
Ripper und
Toby jeweils ab, manche Songs sang
Ripper (meist die härteren Tracks) komplett, manche (oft die melodischeren) wurden komplett von
Toby bedient, andere wiederum fanden auch im Duett statt. Die bessere Ausstrahlung und Gesangsleistung lieferte meines Erachtens nach der werte Herr
Owens ab, was jedoch daran liegen könnte, dass er mir persönlich als Sänger auch mehr zusagt. Nach einem kurzen Zugabenblock, der aus "Rainbow In The Dark" und dem Grande Finale "We Rock" bestand, war dann um etwa 22:45 Uhr auch schon wieder Schicht im Schacht, als das Sextett unter lautem Getose der schätzungsweise 300-400 Gäste die Bühne verließ.
Ein sehr lohnenswerter, denkwürdiger Abend, der wirklich ausschließlich im Namen eines ganz großen Musikers, mit 67 Jahren doch letztendlich viel zu früh von uns gegangen, stand. Als kleinen Kritikpunkt muss man allerdings doch den etwas erhöhten Eintrittspreis nennen, denn 26 € sind für ein Konzert dieser Art doch schon etwas happig, da hätte man mit Originalsänger ja nur unwesentlich mehr bezahlen müssen. Trotzdem war die Hütte gut gefüllt und das zeigt wieder einmal, was für eine treue Gefolgschaft dieser kleine Mann mit der großen Stimme doch nach wie vor hat. Vielen Dank an
Matthias vom Colos-Saal für die unbürokratische Akkreditierung!