Das vierte Album so mancher Band scheint im Musikbusiness eine gewisse Magie zu haben, obwohl zumeist die dritte Scheibe als 'make it or break it'-Wasserstand gekennzeichnet wurde und wird (hüstel, falls man seit langer Zeit nicht schon nach dem ersten Flop in die Wüste geschickt wird). Denn wenn ich nur mal an Bands wie Foreigner ("4"), Kiss ( Alive!), Motörhead ("Ace Of Spades"), Tom Waits ("Small Change"), Aerosmith ("Rocks") oder auch Black Sabbath ("Volume 4") denke - und mit dieser Aufzählung könnte ich wahrscheinlich noch ein paar weitere Seiten füllen -, dann sind das allesamt Klassiker geworden, selbst wenn ein paar der Vorgenannten bereits mit früheren Platten Erfolg hatten. Und Album Nummer vier legt nun auch die britische Prog Rock-Formation The Dreaming Tree vor, um die Welt im Sturm zu erobern.
Ursprünglich kommt die Band aus dem Alternative Rock-Bereich, ließ auf der Vorgängerscheibe allerdings erstmals auch progressive Themen in ihre Songs einfließen. Dieses Konzept wurde nun für "Silverfade" sogar noch erweitert, wobei die Wurzeln der insgesamt 14 Titel aber immer noch tief in der sogenannten 'normalen' Rockmusik stecken. Wenn wir hier von Progressive reden, hat dies auch nichts mit alten Helden wie etwa King Crimson, Gentle Giant und Konsorten zu tun, dafür sind die Stücke dann letztendlich doch zu strukturiert und 'auf dem Boden geblieben'. Aber The Dreaming Tree scheinen auf ihrem Weg zu sein und - wenn ich diese etwas ausgelutschte Floskel mal verwenden darf - der Weg ist ja oft auch das Ziel.
Das in London ansässige Quintett fährt im Laufe der gut 66 Minuten so einige knackige Riffs auf, im Grunde vermittelt die Scheibe aber eher einen ruhigen, getragenen, teilweise gar träumerischen und oft auch melancholischen Eindruck. Wenn man sich die Texte dann aber etwas intensiver zu Gemüte führt, die sich in mehreren Varianten mit (Ab-)Schlüssen und neuen Anfängen beschäftigen, macht die musikalische Umsetzung durchaus Sinn.
Sind die Drums von Neil Ablard und der Bass von Neil Simpson für meinen Geschmack etwas zu weit in den Hintergrund gemischt worden, so gefallen speziell Dan Jones an der Gitarre sowie Steve Barratt an den Tasten ganz besonders. Ein feines Händchen für gute Melodien, Licks an genau den richtigen Stellen und das Gespür für echte Power, wenn sie denn benötigt wird, zeichnet diese beiden aus. Als Schwachpunkt der Scheibe ist ganz klar der Gesang auszumachen, der den Verfasser nun alles andere als vom Hocker reißen kann. Der relativ begrenzte Tonumfang von Chris Buckler ist dabei gar nicht mal das Problem, es ist vielmehr so, dass sich nach einer Weile doch eine gewisse Monotonie breit macht, was an der kaum weg zu diskutierenden Ausdrucksschwäche des Frontmanns festzumachen ist.
Nicht, um zu polarisieren, aber dennoch muss auf der anderen Seite festgehalten werden, dass die Background-Sängerin Rebecca Downes dagegen eine fantastische Figur macht und die Songs durch ihre Mitwirkung deutlich nach vorne bringt. Die Produktion sowie die Arrangements gehen durch die Bank in Ordnung und zum Eintauchen in die Thematik sind im Booklet sämtliche Texte des Albums enthalten. Als Anspieltipps seien an dieser Stelle mal "Cherry Winters", "Loose It Off", "The Ocean" und auch "Zero To Type One" genannt.
Davon abgesehen ist "Silverfade" ein angenehmes, melodisches und eingängiges Album, das zwar niemandem weh tun, auf der anderen Seite aber sicher auch keine Rekorde (in welcher Hinsicht auch immer) aufstellen wird. Die Band ist bei diesem Werk offensichtlich noch auf einem nicht abgeschlossenen Weg, einer noch nicht abgeschlossenen Suche, was die Spannung aber auch schon wieder steigen lässt, wie gut und in welcher Form der nächste Tonträger ausfallen wird. Mag sein, dass mein Urteil zu hart ausfällt, aber momentan spielen The Dreaming Tree eher noch in der zweiten Reihe.
Line-up:
Chris Buckler (lead vocals)
Dan Jones (guitars, background vocals)
Neil Ablard (drums)
Neil Simpson (bass)
Steve Barratt (keyboards)
With:
Nigel Beer (trumpet - #1)
Rebecca Downes (background vocals - #1-3,5,9-12)
Helen Godfrey (background vocals - #5)
Reuben Archer (background vocals - #14)
| Tracklist |
01:Yesterday's Tomorrow
02:Heart Shaped Bruises
03:Yours To Find
04:Forever Not Forever
05:Cherry Winters
06:Autumn Haze
07:Higgs
08:Jaded Summer Long
09:Every Minute Lost
10:Loose It Off
11:Song In 7
12:The Ocean
13:Kosovo
14:Zero To Type One
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Externe Links:
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