Schon wieder eine Delmark Veröffentlichung, und schon wieder eine CD, die wir leider als Nachruf auf einen Bluesmann einordnen müssen. Ähnlich wie bei Carey Bell und seinem Album Getting' Up Live ist auch "Live At Rosa's Blues Lounge" der wohl letzte Mitschnitt eines Konzertes von Little Arthur Duncan, der am 20. August 2008 im Alter von 74 Jahren verstarb.
Und auch bei diesem Live-Silberling kann man von einem optimalen Vermächtnis sprechen, denn der Gig zeigt noch einmal alle Stärken des Chicagoer Sängers/Harpspielers auf. Gute Stimmung im Publikum und ein in die Beine gehender, rauer Blues waren immer das Anliegen von Little Arthur Duncan, und genau das erreichte und zelebrierte er auch am 18.08.2007 in Rosa's Blues Lounge.
Den Lebenslauf und die musikalische Historie dieses Musikers lasse ich an dieser Stelle mal außen vor, denn die Fakten hat der geschätzte Kollege Joe bei der DVD-Besprechung des gleichen Konzertes schon vortrefflich abgefrühstückt, so dass ich mich mehr auf die Musik konzentrieren kann, ohne mich mit Wiederholungen aufhalten zu müssen.
Und was wir da auf die Ohrmuscheln bekommen, das fesselt mich vom ersten Ton an. Little Arthur Duncan war bestimmt kein filigraner Könner an der Bluesharp, und er hatte auch nicht die beste aller Stimmen für den Blues, aber was ihn auszeichnete war ein ungeheueres Feeling bei der Interpretation der einzelnen Songs.
Das wird natürlich besonders bei den oft nachgespielten und deshalb auch sehr bekannten Coverversionen anderer Musiker besonders deutlich, die auf diesem Album in der Überzahl sind. So bilden die beiden Willie Dixon-Songs "Little Red Rooster" und "Young Fashioned Ways", die im Live-Set auch direkt hintereinander gebracht werden, einen der Höhepunkte dieses Konzertes. Hier wird die Qualität der gesamten Band ganz deutlich. Der erstgenannte Song lässt mit seinem ruhigen, extrem verschleppten Tempo dem reinen Blues-Feeling freien Lauf, während "…Fashioned Ways" mit den pumpenden Bassläufen einen enormen Drive an den Tag legt. Dabei haben die beiden hervorragenden Gitarristen Illinois Slim und Rick Kreher einen ganz großen Anteil an der Klasse dieses Konzertes. Diese zwei alten Haudegen legen ihre ganze Routine in die Waagschale, die sie sich im Laufe der Jahre bei Eddie Taylor bzw. Muddy Waters angeeignet haben. Und das zahlt sich natürlich aus.
Auch Little Walter Jacobs, zu dem Duncan eine ganz besondere private Beziehung hatte und der ihn auch musikalisch stark beeinflusste, ist mit zwei Songs auf der CD vertreten. Dabei ist "Blues With A Feeling" besonders gut gelungen. In den über sechs Minuten setzt Little Arthur Duncan gleich mehrmals zu wunderbaren Harp-Soli an und erhält dabei eine perfekte Unterstützung durch die fast zarte Arbeit der beiden Gitarristen. Auch das ist ein weiterer Anspieltipp für mich.
Des Weiteren gibt es noch Titel von Jimmy Reed, Roosevelt Sykes und Chester Burnett auf die Ohren, die alle auf einem gleich hohen Level stehen. Doch auch mit seinen eigenen Stücken kann Little Arthur Duncan durchaus überzeugen und muss sich nicht verstecken. "Leaving Mississippi" ist ein locker swingender Country Blues, der flockig von der Hand geht und den idealen Opener dieses Konzertes darstellt, während "Blues I Got To Leave You" einen wesentlich stärkeren Groove besitzt und, zusammen mit "Trackmarks" das Ende des Konzertes ziert.
Wer diese Live-Scheibe gehört hat, der weiß, was für einen großartigen Bluesmann die Musikwelt mit dem Tod von Little Arthur Duncan verloren hat. R.I.P Little Arthur! Du wirst mit Deiner Musik bei uns immer weiterleben.
Line-up:
Little Arthur Duncan (vocals, harmonica)
Illinois Slim (guitar left channel)
Rick Kreher (guitar right channel)
Michael Azzi (bass)
Twist Turner (drums)
Little Al Thomas (vocals - #13)
Tracklist |
01:Leaving Mississippi (4:26)
02:Pretty Girls Everywhere (4:44)
03:No Place To Go (3:50)
04:Pretty Thing (5:12)
05:I Got Love If You Want It (3:43)
06:I Got To Go (3:47)
07:Little Red Rooster (4:40)
08:Young Fashioned Ways (5:23)
09:Blues With A Feeling (6:22)
10:44 Blues (3:40)
11:Bad Reputation (3:35)
12:Back Door (3:25)
13:I Got To Find My Baby (2:44)
14:Blues I Got To Leave You (3:35)
15:Trackmarks (3:56)
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