Konzeptalben sind das Salz in der Suppe des Prog. Es gibt in letzter Zeit nur ein Problem damit: Die meisten von ihnen sind, was die Handlung betrifft, mittlerweile wahnsinnig langweilig. Musiker sind nunmal nicht immer auch gleichzeitig Geschichtenerzähler (nicht jeder ist ein Geoff Tate), und so beschränken sich bei vielen Bands die Storys auf den Kampf von Gut gegen Böse, furchtbar ausgelutscht-peinliches Fantasy-Gedöns (siehe Rhapsody Of Fire) oder sonstiges Belangloses.
Heute geht es bei "Shackleton's Voyage" von Eureka auch um eine Geschichte - die Geschichte einer Expedition: Sir Ernest Shackleton (seitdem zusammen mit Roald Amundsen und Robert F. Scott einer der drei wichtigsten Antarktis-Pioniere) brach 1914 mit einer 28 Mann starken Besatzung zu einer Entdeckungsreise in die Antarktis auf. Daraus wurde jedoch jäh eine Überlebensmission, denn ihr Schiff, die 'Endurance', wurde vom Packeis zermalmt - die Reise ging auf Beibooten weiter. Es wird noch recht dramatisch, und - ich darf es vorwegnehmen - endet damit, dass tatsächlich alle 28 Crewmitglieder überleben.
Das ist doch mal 'ne Geschichte! Sie wirkt die ganze Spielzeit über frisch und alles Andere als abgegriffen oder langweilig. Dies liegt nicht nur daran, dass sie sich tatsächlich so zugetragen hat, sondern auch daran, dass es eine völlig andere Thematik hat.
Umgesetzt wurde das Ganze natürlich wieder vom Eureka-Boss Frank Bossert, der ein Studio in Husum hat und einige namhafte Gäste an Land ziehen konnte: Zuallererst Billy Sherwood von Yes, der mit seiner wunderbar rauen Stimme dann und wann Gesang beisteuert - sehr stimmungsvoll! Dabei außerdem: Yogi Lang ( RPWL) und Troy Donockley ( Iona, Nightwish). Ab und an wird auch ein Erzähler eingesetzt, der die Ereignisse erläutert. Dies übernimmt der britische Schauspieler Ian Dickinson (u.A. bekannt durch "Person To Person" von Wim Wenders), der dies perfekt tut: Sachlich, aber trotzdem irgendwie zur Stimmung beitragend.
Gefrickel oder Experimentelles sucht man auf "Shackleton's Voyage" vergeblich: Es handelt sich um ein sehr gemäßigtes Rock-Album, das vor allem Anderen durch Keyboards und Synthies angetrieben wird - Gitarren haben nur wenig Platz. Wo's passt, findet man aber ein Solo; viele andere Instrumente werden zudem in der restlichen Zeit geschmackvoll eingesetzt. Es wird aber nie zuviel, nie kitschig, sondern alle Klänge verbinden sich zu einem sehr homogen klingenden Ganzen, das eine unglaublich dichte Atmosphäre versprüht, die das Tollste an diesem Album ist.
Rock, keltische Klänge, Symphonisches - alles auf ruhige, besonnene Weise. Sauberer Klang und natürlich die hervorragenden Musiker tun ein Übriges, um massenhaft Bilder vor dem inneren Auge des Hörers entstehen zu lassen. "Shackleton's Voyage" zeigt, wie man eine Geschichte erzählen muss: Obwohl man 'nur' Musik hört, glaubt man hinterher, mehr über die Geschehnisse dieser Expedition zu wissen, als jeder Historiker. Ganz tolles Album und eine dicke Empfehlung!
Line-up:
Frank Bossert (guitars, keyboards, bass, mandolin, percussion)
Billy Sherwood (vocals)
Troy Donockley (uillean pipes, low whistle)
Yogi Lang (Moog, synthesizers)
Kalema (vocals)
Ian Dickinson (narration)
| Tracklist |
01:The Last Adventure
02:Departure
03:The Challenge
04:Grytviken Whaling Station
05:Heading South
06:Icebound
07:Plenty Of Time
08:The Turning Point
09:Going Home
10:Into The Lifeboats
11:Elephant Island
12:Will You Ever Return?
13:In Search Of Relief
14:The Rescue
15:We Had Seen God!
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