Get The Cat / Sensenhammer '09
Sensenhammer 09 Spielzeit: 67:46
Medium: DVD
Label: Dog And Bone Records, 2010
Stil: Blues Rock

Review vom 14.08.2010


Joachim 'Joe' Brookes
Blues aus Köln. Seit die DVD von Get The Cat im Player Blasen schlägt, mag ich nicht nur das obergärige Vollbier aus dieser Stadt. Für die Aufzeichnung der DVD hat sich das Quartett aus der Rheinmetropole auf die andere Seite des Flusses begeben. Austragungsort war der Leverkusener Club Sensenhammer.
Wer auf fünf Alben, die unter dem ehemaligen Namen Dog Party Blues Band einbezogen, zurückblicken kann, hat etwas zu erzählen. Mit Blick auf die Zeitschiene der Erscheinungen war
I Sing You The Blues noch nicht auf dem Markt und dennoch gibt es zwei Tracks aus dieser Platte auf der hervorragend in Szene gesetzten DVD: "Don't Fall In Love" und "I Sing You The Blues".
Wer als A-cappella-Chor in ein Konzert einsteigt, der muss sich über die gesanglichen Fähigkeiten bewusst sein. Und diese halbe Minute belegt in beeindruckender Weise, dass es in der Band um den Gesang bestens bestellt ist. "Welcome Everybody" wird dann in einer besonderen Version fortgesetzt. Philipp Roemer sowie Till Brandt haben ihre akustischen Saiteninstrumente geschultert und mit dem Text des Openers liefert die Band nicht nur einen tollen Blues mit Gospeldreingabe ab, sondern quasi auch gleich das Programmheft des Gigs.
Richtig gut gefällt mir die Einblendung der Songtitel zu Beginn beziehungsweise gegen Ende der Kompositionen. Bei diesem Konzert spielt noch eine fünfte Person mit. Hinter den Keyboards/der Hammond B3 drückt Noel Stevens die weißen und schwarzen Tasten. Der Mann spielt unter anderem bei Till Kersting und verleiht dem eh schon herrlichen Gruppensound eine weitere tolle Komponente.
Trotz einer sehr zurückhaltenden Lightshow setzt die Band den Blues mit seinen Verästelungen super in Szene. Astrid Barth ist eine brillante Sängerin und entertainen kann sie auch. Somit gehen alle Bandmitglieder laut Zielfoto als Gewinner über die Linie. Wer den 12-Takter mit so einer Stimme rüber bringt, stellt eine westliche Konkurrenz für eine andere Sängerin aus dem Norden der Republik dar.
Alle Musiker haben ein Spürnäschen für antörnende Stücke mit klasse Melodien und feinem Feeling. Ganz gleich, ob ein Slowsong intoniert oder die Location flott gerockt wird. Alle haben ihren ganz persönlichen Anteil am Gelingen. Wenn bei einem weiteren akustischen Teil ("I Know Better", "You Never Believe") der Schlagzeuger Ralph Schläger (ein Wortspiel spare ich mir hier) den Rhythmus mit einem Cajón vorgibt und auch noch die Jazzbesen dazu einsetzt, dann treibt man die Freude vor dem Bildschirm immer höher. Die jazzige Triebfeder vom ruhig groovenden "You Never Believe" ist für mich eines der Glanzlichter in der Setlist. Die Barth macht in Scatgesang und diese Nummer hat eine schön relaxte Stimmung.
Sie kann nicht nur klasse scaten, sondern in "Wild Things On My Mind" pfeift sie uns den Blues. Eine ganz feine Sache! Die Sängerin hält es gar nicht lange am Mikrofonständer. Diese Frau braucht den Raum, um sich entfalten zu können. Dem gegenüber ist die Bühnenshow der anderen Bandmitglieder, was Gestik und Mimik angeht, eher zurückhaltend. Mann lässt die Musik sprechen.
Nicht erst "I Sing You The Blues" bringt das Publikum in Bewegung. Get The Cat macht besonders schnell Beute. Für Begeisterung sorgt man ganz flott, auch in den eigenen vier Wänden. Roemer & Co. machen richtig Druck und dieser Gitarrist ist ein vorzüglicher Könner auf den sechs Saiten. Das Solo in "Murder On Main Street" ist der Hammer und damit setzt er seinem Spiel das Sahnehäubchen auf. Die Zunge schnalzt ohne Unterbrechung, wenn Brandt im funkigen "Guard In Paradise" seinen Bass zum Singen bringt. Ralph Schläger beeindruckt in "I've Got A Plan" durch ein nicht zu knappes Solo.
Die Gruppe aus Köln macht den Rhein zum Mississippi und ist mit allen Wassern, die einen besonderen Blues ausmachen, gewaschen. Die Band ist eine Offenbarung: 'get the cat' kann ich da nur schreiben. Eine derartig gute Live-DVD ist die beste Werbung in eigener Sache und der interessierte Leser sollte verschärft die Tourtermine der Gruppe studieren und ein Konzert besuchen. Get The Cat sorgt für eine Vollbedienung.
Line-up:
Astrid Barth (Gesang)
Philipp Roemer (Gitarre, Gesang)
Till Brandt (Bass, Gesang)
Ralph Schläger (Schlagzeug)

Special Guest:
Noel Stevens (Hammond B3, Keyboards)
Tracklist
01:Welcome Everybody
02:Wild Things On My Mind
03:Your Sweet Kiss
04:Care For Me
05:Don't Fall In Love
06:Don't Make A Promise You Can't Keep
07:I Know Better
08:You Never Believe
09:Love's Got A Million Faces
10:I Sing You The Blues
11:Murder On Main Street
12:Guard In Paradise
13:I've Got A Plan
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