Ginger / Live
Recorded Live At Kulturmarkt Zürich, May 2. 2008
Live Spielzeit: 60:40
Medium: CD
Label: Eigenproduktion / World in Sound, 2008
Stil: Jam'n'Blues

Review vom 15.12.2008


Ulli Heiser
"Recorded Live At Kulturmarkt Zürich, May 2. 2008", schlicht "Live" betitelt, ist die zweite Livescheibe der schweizer Blues Rock-Jammer Ginger. Wie Live At Shake-A-Gogo, stammt die Aufnahme aus diesem Jahr und ist neben Misty Glapf Sessions, der dritte Output auf CD.
Was ist anders im Vergleich zur Aufnahme aus dem Shake-A-Gogo? Nichts!
Ginger zelebrieren im wahrsten Sinne des Wortes ihren teils schweren, erdigen Blues Rock und garnieren ihn mit Jam-Elementen, die einen zwingen, den Hintern vom Stuhl zu heben. "Big Fish" ist eine ruhige und sehr melodische Bluesnummer, die sich, einmal im Ohr festgesetzt, nur schwer wieder entfernen lässt. Sich steigernde Dramatik und groovende Wah Wah-Soli gipfeln hin zum "Jam For Nobody", den man aufmerksam genießen sollte. Einsam quäkt die Trompete und verbreitet dieses besondere Etwas, dieses traurige Tüpfelchen, wie es wohl nur von diesem Instrument im Rockbereich so perfekt aufs i gesetzt wird. Die Gitarre übernimmt, nicht minder stimmungsvoll, während Bass und Drums für den bluesigen Groove sorgen.
Ginger ist eine Liveband vom Feinsten - das spürt man in jeder Note und in den eruptiven Ausbrüchen der Gitarre, die gleichermaßen schnell kommen und auch wieder versiegen. Alles scheint perfekt austariert, hat aber diese besondere Live-Atmosphäre, wie sie perfekter kaum eingefangen werden kann. Man meint, in der Halle zu stehen und die Akustik selbst live zu erfahren. "Red House" (Hendrix), eine vor schwüler Blueshitze geradezu dampfende schwere Bluesnummer, gewinnt durch die Kombination Gitarre/Trompete. Schwer rollt der Bass seine tiefen Frequenzen zum ekstatischen Gitarrenspiel.
Für locker flockigen Blues Jam steht "Glapf I + II". Hier stammt der Text von John Phillips. Zu rollendem Bass und fein begleitendem Schlagzeug liefern sich Saiten und Ventile herrliche Zwiegespäche. Auch Micha und Marc kommunizieren gemeinsam miteinander und liefern uns eine klasse Vocal-Einlage nach der anderen. Im zweiten Teil des Stücks erobern bluesige, leicht jazzige Tunes das Terrain zurück, ohne jedoch den Jam-Charakter zu zerstören.
Der "Hoochie Coochie Man" eröffnet mit Trompete! Schnell wandeln sich die allseits bekannten Bluesriffs hin zu einem jazzigen Jam, während dessen die Band vorgestellt wird - das ist eben live. Anschließend nimmt der "Hoochie Coochie Man" Fahrt auf und ich nehme an, während des Konzertes ging da richtig die Post ab.
Gingers Art des Musizierens, diese explosive Kombination aus schwerem Blues und lockerem Jam Rock, hat was.
Line-up:
Micha Bütikofer (vocals, guitar, trumpet)
Marc Walser (guitars, vocals)
Arie Bertogg (bass)
Ändy Rösch(drums)
Tracklist
01:Intro (5:08)
02:Big Fish (7:28)
03:Jam For Nobody (8:40)
04:I Can See Them All (8:31)
05:Red House (10:24)
06:Glapf I + II (12:22)
07:Hoochie Coochie Man (8:07)
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