Godswill / Goldrichtig
Goldrichtig Spielzeit: 34:44
Medium: CD
Label: Eigenproduktion, 2014
Stil: Pop Rock

Review vom 14.07.2014


Steve Braun
Pop Rock ist in heutigen Zeiten und bestimmten Kreisen fast schon ein Schimpfwort. Und dann fallen Namen wie Coldplay, Oasis, oder die (gruselige) deutsche Band mit den drei Buchstaben... Vorbei die Zeiten, als man unter diesem Musikstil noch Granaten wie die Yardbirds, die Wings oder Fleetwood Mac subsumierte. Bei diesen Bands kristallisierte sich eindrucksvoll heraus, was das Phänomen 'Pop Rock' ausmacht: griffige Songs, auf höchstem Niveau angesiedelt und mit reichlich Ohrwurmcharakter ausgestattet. Die Problematik liegt heutzutage nur darin, dass uns aus dem Mainstream-Äther kaum noch etwas anderes entgegenplätschert. Dieser Überdruss stumpft ab, übersättigt und kann zu regelrechten Blähungen, nicht nur in den Gehörgängen, führen...
Bei Godswill findet man genau die Aspekte, die den Pop Rock im besten Fall charakterisieren können: intelligent komponierte, hochmelodische Songs, wirklich jeder mit einer griffigen Hook ausgestattet, gleichermaßen kompakt wie facettenreich arrangiert und dabei niemals überproduziert. Aller Eingängigkeit zum Trotz überwiegt die rockige Ausrichtung eindeutig, oft mit einer 'schrammeligen' Indie-Note - ein weiterer Pluspunkt.
Bereits mit ihrem zweiten (Seelenräume) und dritten (Das Leben beginnt) Album konnten die fünf Burschen aus der Medienstadt Hürth für Aha-Erlebnisse sorgen. Seitdem konnte Godswill mit weiteren Aufnahmen, zahlreichen Konzerten und Ehrungen regelrecht durchstarten. Alles 'goldrichtig' gemacht? Zu diesem Schluss scheint die Band vor ihrem vierten Album gekommen zu sein und hat dieses folgerichtig ebenso betitelt. Finanziert wurde "Goldrichtig" via Crowdfunding durch die ständig weiter wachsende Fangemeinde - auch das verbindet.
Musikalisch erinnert mich Godswill an eine Leib-und-Magen-Band aus Jugendtagen: Hob Goblin, mit Martin Meinschäfer als Sänger - selbstredend ohne deren gesellschaftskritischen Untertöne, denn die heutigen Zeiten sind schlichtweg etwas egozentrierter. Auch Godwills Texte sind vorwiegend persönlicher Art - Geschichten über die Tiefen, Untiefen und Stromschnellen des Lebens und (natürlich) der Liebe. Dabei sind die Aussagen selten zu plakativ oder intim - dieser schwierige Spagat, den man interessanterweise zumeist nur bei deutschen Texten moniert (!!), wird ziemlich routiniert genommen. Trotzdem vermisse ich schon den einen oder anderen Blick über den persönlichen 'Tellerrand' hinaus - brandheiße Themen gibt es schließlich mehr als genug...
Sieben von neun Titel sind rockiger Natur, unterschiedlicher Gangart. Vom glutvollen Schweißtreiber ("Goldrichtig") über einen erdigen Stampfer ("Gib mir mehr") bis zum Midtempo-Rocker ("Wie du mich siehst") wird die Rock-Palette breitfächrig bedient, doch gerade die beiden Balladen, "Dort oben" und "Irgendwann", möchte ich als exponierte Anspieltipps hervorheben.
Wie schon geschrieben, sind die Kompositionen und die gesamte Produktion makellos - fast schon zu perfekt. Die Strukturen erscheinen mir allerdings ein klein wenig ZU straff. Ein paar ungezügelt-spielerische Freiheiten hier, da oder dort ein kleines (gerne auch längeres) Solo - das fehlt mir noch zum vollkommenen Hörvergnügen.
Das vierte Album von Godswill stellt sich als erfrischend kurzweiliges Stück Musik heraus, das aber noch die ein oder andere 'Zugabe' vertragen hätte. Der Fünfer verfügt über die außergewöhnliche Fähigkeit, Songs mit Hitpotenzial zu schreiben - solche, die man nicht mehr aus dem Ohr bekommt und geradezu hymnischen Charakter entwickeln können.
Einen Extrapunkt gibt es für das geschmackvoll gestaltete Digipak, das obendrein mit einem wirklich gelungenen Booklet, das alle Texte beinhaltet, ausgestattet wurde.
Line-up:
Michel Okunneck (Gesang)
Lukas Diehl (Keyboards)
Thomas Strauch (Gitarre)
Max Schrebb (Bass)
Robert Geisler (Schlagzeug)
Tracklist
01:1000 Meilen (4:15)
02:Habs leider nicht mehr dabei (3:44)
03:Gib mir mehr (3:08)
04:Erzähl mir nichts (3:42)
05:Dort oben (4:00)
06:Goldrichtig (3:55)
07:Seelenräume (3:32)
08:Irgendwann (4:15)
09:Wie du mich siehst (3:53)
Externe Links: