Unter dem Namen von Adrienne Hindmarsh Trio ist mit einem genaueren Blick ins Line-up ein Ehepaar musikalisch aktiv. Mit ihrem Angetrauten Josh Hindmarsh bilden sie zwei Drittel des Trios ohne Bassisten. Jim Rupp sitzt am Schlagzeug und der hat schon für eine ganze Gilde an Künstlern gespielt. Ganz an der Spitze stehen Diane Schuur, Ray Charles und Woody Herman. Dazu gesellen sich noch Natalie Cole oder das Smithsonian Masterworks Jazz Orchestra. Frau Hindmarsh ist nicht nur Sängerin, sondern auch eine famose Hammondspielerin. Sie ist Autodidaktin und die aus Neu Seeland stammende Künstlerin wohnt mittlerweile in New York. Dort tritt sie wöchentlich donnerstags in der 169 Bar und sonntags in der Sushi Lounge auf. Alternierend dazu ist es noch das Chakra Restaurant.
In Ermanglung eines Bassisten serviert Adrienne Hindmarsh die tiefen Töne durch die Fußpedale ihres Arbeitsgerätes. Gemessen an den Bassklängen geht ihre Stimme genau in die andere Richtung. Sie singt ziemlich hoch und klingt dadurch zuweilen kindlich. Dieser nicht von der Hand zu weisende Faktor ist gewöhnungsbedürftig. Dagegen steht, dass sie anders herum einen sehr individuellen Gesang hat. Ihr Umgang mit der Hammond ist ungleich stärker.
Die Songs grooven prächtig und haben ein fein relaxtes Ambiente. Neun der zehn Nummern sind Coverversionen von hinlänglich bekannten Klassikern des Jazz. "Rainy Day Blues" stammt aus den Federn des Ehepaares und fügt sich doch tatsächlich problemlos in die Reihe der Interpretationen ein. Irgendwie fällt das Stück nicht aus dem Rahmen der Spielweise des Trios. Wer den Hammond-Sound und gut gespielte Jazz-Gitarre, dargeboten auf einer Halbakustischen mag, wird hier bestens bedient.
Beim letzten Track "Bye Bye Blackbird" hat Adrienne Hindmarsh einfach Pech, denn Lisa Kézér lieferte bei ihrem Konzert im Coffeehouse Kleve eine ungleich stärkere Version des Songs ab. Bei der Tour durch den Fundus des Jazz zitiert das Trio gleich zweimal Antonio Carlos Jobim. "Wave" sowie "Agua De Beber" haben selbstredend eine ordentliche Portion Bossa Nova gepachtet. Das Hindmarsh-Ehepaar gibt sich Song für Song den Solostaffelstab in die Hand.
Nach zwei Alben unter dem Bandnamen The Vipers ist es wohl höchste Zeit, dass sich das Ehepaar Phasen gönnt, um eigenes Material auf die Beine zu stellen. Auch die Vorgängerplatten "A Time To Swing" sowie "Night & Day" enthalten verdammt viel Fremdkompositionen. Klar, "Blue Skies", die erste CD unter eigenem Namen, swingt und groovt. Allerdings muss der Hörer auch eine gewisse Motivation mitbringen, um das gesamte Album, auch wenn es nur knapp unter vierzig Minuten dauert, in Gänze durchzuhören. Die Interpretationen besitzen keine ausgeprägten Ecken und Kanten, die zu einem Aufhorchen führen.
Einige Tropfen Blues fallen in den Jazz, wenn man "Route 66" spielt. Ob sich der Hörer bei dieser Lesung seinen 'Kick' abholen kann, lasse ich dahingestellt. "Fly Me To The Moon" ist zwar cool gespielt, aber damit reißt man auch keine Bäume aus. Oder doch, vielleicht einen Bonsai. Das von Nina Simone bekannte "My Baby Just Cares For Me" verdient ebenfalls eine frischere Interpretation.
Gute Ratschläge kommen in solchen Situationen gerade richtig. Aber vielleicht hätte man sich bei dem Potential von Fertigkeiten an den Instrumenten Songs aus ganz anderen Genres hernehmen und diese in jazziger Weise interpretieren sollen. Besser noch, das Ehepaar setzt sich hin und schreibt eigene Songs. Da mögen dann ihre Einflüsse an Vorbildern ruhig gegenwärtig sein.
So ist "Blue Skies" leider nur ein Album, das nach dem ersten Eindruck schön ist, aber keine weiteren Belastungsproben Stand hält. Schade! Was bleibt, sind klasse Hammondklänge und eine toll gespielte Gitarre. Okay, die Taten eines Jim Rupp sollten natürlich nicht unter den Scheffel geraten.
Line-up:
Adrienne Hindmarsh (vocals, Hammond)
Josh Hindmarsh (guitar)
Jim Rupp (drums)
Tracklist |
01:Blue Skies (3:41)
02:I Let A Song Go Out Of My Heart (5:43)
03:Wave (3:34)
04:Love Me Or Leave Me (3:34)
05:Fly Me To The Moon (4:21)
06:Rainy Day Blues (3:39)
07:Agua De Beber (3:52)
08:My Baby Just Cares For Me (2:35)
09:Route 66 (3:37)
10:Bye Bye Blackbird (5:00)
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