Lisa Kézér Quartet / 28.05.2010, Coffeehouse , Kleve
Klever Jazz Freunde Lisa Kézér Quartet
Kleve, Coffeehouse
28. Mai 2010
Stil: Vocal Jazz

Artikel vom 03.06.2010


Joachim 'Joe' Brookes
Lisa Kézér QuartetDas Coffeehouse in Kleve ist nicht nur Veranstaltungsort für Rockfans. Einmal im Monat laden die Klever Jazzfreunde e.V. zu einem Konzert ins gemütliche Lokal ein.
Lisa Kézér, eine junge Sängerin aus Arnhem, stand für über zwei Stunden auf der Bühne und unterhielt das zahlreich erschienene Publikum mit ihren drei Begleitern aufs Feinste. Die niederländische Frau verfügt durch ihre Aktivitäten in Theaterstücken sowie Musicals über viel Bühnenerfahrung und mit ihrer Band Glory Nights schrieb sie ebenfalls schon Geschichte. Die in Tiel geborene Künstlerin studierte an der Musikhochschule in Arnhem und so ganz ohne Vorbilder geht es bei ihr auch nicht. Selbst nennt sie unter anderem Bonnie Raitt, Eva Cassidy oder Nina Simone.
Begleitet wurde sie vom Pianisten Koen Schalkwijk, der einem eigenen Trio mit Mathias Polligkeit sowie Antoine Duijkers vorsteht und beim Nationaal Jeugd Jazz Orkest aktiv ist. Die dicken Kontrabasssaiten zupfte Johann May und die Rhythmusfraktion wurde durch Nico Stallmann komplettiert. Als Gitarrist begleitet May Lisa Kézér auch im Duo. Alle vier studierten in Arnhem.
Lisa Kézér QuartetOh Mann! Gleich zu Beginn rückte das Quartett mit einem Knaller raus. Das passte ja grandios, als das Konzert mit B.B. Kings "Every Day I Have The Blues" losging. Man bot den Klassiker des 12-Takters als Swing-Blues und alle Musiker stellten sich solierend vor. Alleine schon diese Einzelleistungen weckten Hoffnungen auf einen tollen Auftritt der niederländisch-deutschen Gemeinschaft. War der Opener von dem angeblich nur aus drei Akkorden bestehenden Stil geprägt, wurde für "Night And Day", einer Cole Porter-Komposition, der Swing beibehalten. Natürlich befand man sich jetzt ganz tief bei den Wurzeln des Jazz und im Laufe des Konzertes war der Pianist Koen Schalkwijk die Speerspitze der mit viel Freude aufspielenden Combo. Alle anderen waren auf absoluter Augenhöhe mit dem Herrscher über die schwarzen und weißen Tasten. Einerseits war Schalkwijk in seiner Virtuosität zeitweilig ein Larry Carlton am Klavier. Andererseits perlten Kaskaden von moderateren Tönen aus seinem Piano.
Lisa Kézér QuartetNach der auch von Ella Fitzgerald bekannten Nummer sorgte der in Köln beheimatet Nico Stallmann für eine Überraschung. Er verzichtete gänzlich auf des Drummers Besteck und spielt die Trommeln sowie Becken seines Schlagzeuges mit den Händen. Er prägte den Track mit mächtig viel Latin-Flair und sorgte obendrein auch noch für ein emphatisches Solo, in das er so einige Klangmalereien einbaute. Die Band löste bereits zu Beginn Begeisterung aus und das fachkundige Publikum sparte wahrlich nicht mit Szenenapplaus. Kézér gab eine erste eindrucksvolle Expansion ihrer formidablen vokalen Fähigkeiten in Form des Scat-Gesangs. Dieses improvisierte Singen war eine Art roter Faden durch das gesamte Konzert. Sie trieb diese besondere Fertigkeit soweit, dass sie mit ihrer Stimme für das vierte Instrument sorgte. Die Vorstellung einer gedämpften Trompete kam dem Zuhörer in den Sinn und das war an einem lauen Frühlingsabend nur die Spitze des Eisberges.
Lisa Kézér QuartetMit "Bye Bye Blackbird", unter anderem von Künstlern wie Joe Cocker oder Miles Davis interpretiert, folgte eine ganz besondere musikalische Lesung des jungen Quartetts. Wie kontrastierend und doch selbstverständlich nebeneinander stehend Songs geboten wurden, war ein Verdienst der Künstler, denn was man aus Michael Jacksons "The Way You Made Me Feel" herauskitzelte, war Gänsehaut pur. Stallmann rollte einen klasse Groove-Teppich aus und konnte im nächsten Moment gar mit rockigen Beats glänzen. Am Kontrabass machte May eine hervorragende Figur. Sein Umgang mit den vier dicken Saiten seines Arbeitsgerätes war exzeptionell. Mal ließ er das Instrument schnurren, dann lieferte er bei Bedarf härter gespielte Töne. Seine Soli waren individuell geprägt und er konnte herrliche Zaubereien mit Tiefenwirkung präsentieren.
Lisa Kézér QuartetAusgerechnet die Komposition "Sing A Song" gab man ohne die Sängerin zum Besten. Der Track wurde mit immer weiter steigender Dynamik sowie Dramatik in Szene gesetzt und schließlich nahm das Arrangement eine entspannende Wendung, in der zum Schluss mit 'la-la-lalala' zum locker leichten Mitsingen aufgefordert wurde.
Im verjazzten Blues-Klassiker "Black Coffee" lieferte die Kézér eine von Adrenalin getränkte Performance, die nicht erst zu diesem Zeitpunkt offenbarte, wie viel emotionale Power durch ihre Adern floss. Vor der ersten Pause gab es noch "Somewhere There's Music", in dem Stallmann polyrhythmische Fragen stellte, die von Schalkwijk beantwortet wurden.
Lisa Kézér QuartetAls instrumentales Trio eröffnete man das zweite Drittel des Gigs und in der folgenden Nummer, wieder mit Lisa, transferierte man in beachtlicher Weise Afro-Rhythmen an den Niederrhein. Den Kontrast in der Setlist versah man mit einem Sahnehäubchen, als auf eine expressive Version von Soundgardens "Black Hole Sun" Gershwins "But Not For Me" folgte. Die Band begab sich zusammen mit dem Publikum auf eine herrliche Zeitreise, in der die Combo von Stallmanns sowie Mays ständig wechselnder Rhythmik nach vorne getrieben wurde. Mann, die Frau kann glänzen. Die Interpretation vom hinlänglich bekannten "Fever" war eines der vielen imposanten Highlights.
Nach einer weiteren kurzen Getränkepause konnten "Fascinating Rhythm" und auch Sheryl Crow "We Do What We Can" wörtlich genommen werden. Der Blues bildete die Buchstützen des Auftritts. Eine zupackende Version von "Wade In The Water" beendete die offizielle Liste an Songs und durch ein "Caravan" mit mächtig viel Latin-Feeling entließ man ein glückliches Publikum in die Nacht.
Über mehr als zwei Stunden überzeugten Lisa Kézér und ihre Begleiter. Nicht von der Hand zu weisen ist die Idee, ob man sich vielleicht zu gemeinsamen Aufnahmen in einem Studio trifft.
Wir bedanken uns bei Christoph Berens von den Klever Jazzfreunden e.V. für die problemlose Akkreditierung.
Line-up:
Lisa Kézér (vocals)
Koen Schalkwijk (piano)
Johann May (upright bass)
Nico Stallmann (drums)
Bilder vom Konzert
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