Der geschätzte Kollege Norbert schrieb abschließend zu Good Day For The Blues: »Wie gut, dass wir auch noch solch eigenständige, selbstbewusste und ausdrucksstarke Künstler im Land haben. Das ist alles andere als mainstream, aber ein Album mit ganz eigenem Charakter und darin liegt die Stärke. Sicher nicht für jeden Tag. Aber für einen guten Blues-Tag!«
 Einen guten Tag für den Blues hat der Rezensent stets.
Also konnte man auf das Duo Anne Haigis und Jens Filser im Moerser Dschungel gespannt sein.
Um kurz nach 20 Uhr betraten beide die Bühne und zunächst untermalten sie musikalisch das Anzünden der am Bühnenrand befindlichen Kerzen.
Nahtlos schloss sich der Titeltrack ihres Albums "Dancing In The Fire" an. Ein eher ruhiger Beginn eröffnete einen vortrefflich ausgewählten Reigen an Liedern, die alle beim Publikum auf mehr als fruchtbaren Boden fielen.
Irgendwie war es wie ein Heimspiel für die Protagonistin, die vor zirka 1 ½ Jahren zuletzt im Dschungel gastierte. Es folgte mit "All I Wanna Do" ein kleiner Ausflug in Country-Gefilde und man sollte nicht nur einmal die Qualitäten eines Jens Filser an den verschiedenen Gitarren bewundern können. Der Musiker war ein kongenialer Partner der mittlerweile in Bonn wohnenden Haigis.
 Selbstredend standen auch Songs ihres aktuellen Albums "Good Day For The Blues" auf der Setlist: "Sweet Forgiveness" sollte den Anfang machen und Anne Haigis war umgehend in ihrem Element. Ausdrucksstarker Gesang, jede Zeile des Shannon McNelly mit allen Poren aufgesogen und brillant interpretiert. Sie ließ ihrem Feeling lautstark freien Lauf. Jens solierte hervorragend. Sein Sprachrohr war die 6- und 12-saitige Gitarre und die funkelnde Dobro, welche leider nur einmal zu Einsatz kam.
Über den gesamten Abend war die Haigis auch zwischen den Songs eine sehr gute Unterhalterin. Immer eine kleine Geschichte oder spontane Gedanken zum Besten gebend, wurde auch in solchen Momenten für genügend Abwechslung gesorgt.
 Mit "Kind der Sterne" wurde das Zeitrad einige Umdrehungen zurückgeschraubt. Ein nostalgischer Rückblick, der voll ins Herz der Zuschauer traf.
Sich gesanglich hervorragend ergänzend, mit Filser an der 12-Saitigen, hatte der ausverkaufte Dschungel sein erstes Highlight zu verzeichnen und es folgte gleich ein weiteres.
Nicht nur die Überleitung zu "Nacht aus Glas" war in sich gekehrt. Der von Trude Herr kurz vor ihrem Tod geschriebenen Text wurde mit der musikalischen Interpretation eine mehr als denkwürdige Angelegenheit. Anne Haigis singt sich in einen Rausch, schiebt das Mirko an die Seite, um den Saal in einem Teil des Songs mit unverstärkter Stimme zu füllen. Hier muss die viel benutzte Formulierung wieder herhalten: Gänsehaut pur!
 In einer etwas längeren Geschichte, die Anlass zum Schmunzeln und Lachen gab, erzählte die Sängerin, wie sie Jens Filser kennenlernte. Ein Flaschenkind, aus dem Rhein gefischt, soll er dem Behältnis als Geist entfleucht sein. Die Bindung zum nächsten Song war offensichtlich, denn der Jens hatte bereits das Bottleneck übergestreift.
"Can't Let Go" war die Spielwiese für den 'Jens aus der Flasche'. Hammer, konnte der einen Slide hinlegen!
Im Duett wurde dann "No Man's Land" zu dem Song vor der wohl verdienten Pause. 50 Minuten Entertainment von aussagekräftigen Künstlern an ihren Instrumenten und am Mikrofon. Zwei akustisch gespielte Gitarren, die einerseits so druckvoll und andererseits klagend und sentimental waren.
 Nach der 25-minütiger aerober Erholungsphase griff Filser dann endlich zur Dobro. Herrlich, diese Gitarre in so intimer Dschungel-Atmosphäre zu hören. Klasse!
Es war das sehr Rhythmus-betonte "Good Day For The Blues" angesagt. Vom ersten bis zum letzten Ton ein Genuss.
Beim folgenden Song hielt es die Haigis nicht mehr auf ihrem Hocker. Starke Gefühle brauchen Raum, den sie sich so auf der Bühne verschaffte. Glücklich, wer mit einer solchen Stimme gesegnet ist! Nach dieser Vorstellung war Durchatmen angesagt.
"Top Of The World" war dann wieder Entertainment vom Hocker aus, allerdings nicht minder schlecht. Im Gegenteil, denn es ging auch auf die nachdenkliche Haigis-Weise.
Was dann folgte war ein Feuerwerk an Vokal-Improvisation (zu Anfang des nächsten Songs) mit folgender Gitarren-Akrobatik der anderen Art. Langsam entzündete man die instrumentale Lunte, die natürlich bis zum Ende abbrannte und einen Sturm folgen ließ.
Ups, das war es schon?
Bevor Haigis und Filser die Bühne verließen, gab es schon Zugabe-Rufe. Mann und Frau waren auch relativ schnell wieder zur Stelle.
 In aller Ausführlichkeit gab es als ersten Song in der Verlängerung "One Of Us". Anne und Jens solieren gemeinsam, allerdings musste auch Haigis konstatieren, dass der Filser ein Meister seines Arbeitsgerätes war, denn er entschwand ihr mit seiner Fingerfertigkeit auf dem Griffbrett und sie wechselte wieder zur Rhythmusgitarre, die von ihr vortrefflich gespielt wurde.
Als überflüssig erwies sich die Frage ans Publikum, was als nächstes Lied gespielt werden sollte. Mit "Haut für Haut" endete der Gig, bei dem alles geboten wurde, was ein akustisches Konzert ausmacht.
Am Tag zuvor sorgte das Sturmtief Emma für Aufsehen in der Republik. Tags darauf waren es 100 Minuten Anne Haigis und Jens Filser im Dschungel.
Wir danken Jochen von Pläne Records für die Akkreditierung.
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