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2006/2007 als Trio gegründet, »um Musik zu schaffen, die sich nicht an herkömmlichen Strukturen orientiert, sondern auf Klang und Rhythmus basiert, sowie auf Improvisation«. Hölle, ja - bereits der Opener "Death 1" zementiert diese Aussage. Nach der Totenglocke brabbelt ein unaufhaltsamer Bass nach vorne, es gesellen sich undefinierte Hintergrundstimmen (wie weiland bei Brainticket) und 'weit entfernte' Gitarrentöne dazu. Per Flöte und Keyboard wird eine arabische Stimmung unterlegt und man wünscht sich, die fünf Minuten Tracklänge möge nie enden. Dieses Stück ist Hypnose pur.
Auch "Istiklal Street" wird von einem mächtigen Bass eröffnet, um alsbald sphärisch und experimentell abzudriften. Geräusche zirpen und wabern und unterm Kopfhörer laufen Filme ab. Der Bass suggeriert einen absterbenden V8-Motor und Aliens schweben mit allerlei fremdartigen Tonerzeugern in Zeitlupe vom rechten zum linken Kanal. Wie, um den Hörer komplett zu irritieren wandelt sich das Ganze hin zu melodischen Passagen, die gar Akkordfolgen (und keine schlechten) erkennen lassen. Die Flöte schwirrt ein und es entwickelt sich ein Monster-Space-Jam.
Wow, das passt mal wieder lecker zu Sulatron Records, wie die Gurke in den Gurkensalat. Gottlob hat sich das Label der Göteborger Band angenommen und das Album auf CD veröffentlicht. Als Vinyl wurde es bis vor kurzem von der Band selbst angeboten. Die LP ist aber - und das wundert mich absolut nicht - ausverkauft. Nun, wie gesagt, gibt es die CD und die bietet zusätzlich zwei Bonustracks: das bisher unveröffentlichte "Schlaraffenland", ein 12 ½-minütiges Geschenk an die Sinne Psychedelic-liebender, krautiger Spacerockfreunde. Die Kiste aus Kraut, Psychedelic und Space ist groß und sie wird komplett ausgepackt. Rhythmisch, effektisch, harmonisch, disharmonisch, instrumentalisch und packt eure 'ischs' auch noch dazu: Nichts fehlt und würde man sich in den Kühlschrank setzen, man würde vor Begeisterung Schweiß vergießen. Zweiter Bonustrack ist das zuvor lediglich auf Cassette erhältliche "Messias". Kürzer zwar, aber nicht weniger abgehoben.
Hills selbst nennen als Einflüsse »die früheren Experimente von John Coltrane, die Monotonie von Velvet Underground sowie ein breites Spektrum von Krautrock bis Blackmetal«. D'accord - aber Black Metal? Ich höre ja schon ab und an in die Scheiben der RockTimes-Schwarzkittelfraktion, aber davon höre ich hier nichts. Es müssen ganz sublime Elemente sein. Oder ich buche einen Einführungskurs in Black Metal.
"Ex Oblivione" - das ist DER Hammer. Erinnert mich an Winnetou und Old Shatterhand. Und an den Mann, der bei den Verfilmungen für die Musik sorgte: Martin Böttcher. Haha, ist das geil, als eines der Fossile der Redaktion diesen Vergleich ziehen zu können. Meinen geliebten Winnetou in einem Review zu nennen … in einer Zeit, in der die Helden der Kids so total anders sind …
Martin Böttchers Melodien waren ja fast schmerzhaft harmonisch, ja, man meinte, selbst der liebe Gott müsste wohlwollend aus seiner Wolke in die jugoslawische Prärie schauen und den beiden Helden hilfreich zur Seite stehen. Eine Melodie dieser Art haben Hills in "Ex Oblivione" eingbebaut. Inmitten von spacigen und freakigen Geräuschen à la "Cottonwoodhill" ist sie plötzlich da, diese Melodie. Allerdings anders. Der Apatche und das Bleichgesicht agieren eher wie Zombies und der Henrystutzen und die Silberbüchse sind längst verrostet. Aber genau das potenziert das Gehörte vom Trivialen zum Genialen. Ich sagte es bereits: Hammer!
Jesses, Dave, da hast du dir 'ne starke Truppe an Land gezogen. Ein dickes Danke, dass du dich diesem 2008er Output der Schweden angenommen hast. Das Album sollte weggehen, wie die berühmten warmen Semmeln. Großes Indianer-Ehrenwort.
Line-up:
Kalle (bass, guitar, flute, tanpura, weird noises, Korg MS-10)
Hanna (drums, keyboards, tambourine, xylophone)
Pelle (guitar)
| Tracklist |
01:Death 1 (5:15)
02:Istiklal Street (8:00)
03:You Talk The Talk! (6:15)
04:Rainship (Soiregn) (11:49)
05:Ex Oblivione (4:13)
06:Schlaraffenland (12:26)
07:Messias (4:18)
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