Es scheint sich langsam zu einem Brauch zu entwickeln, dass meine erste CD-Besprechung des Jahres sich mit einem Produkt aus dem Hause Frontiers Records beschäftigt. Ähnlich wie im Vorjahr bei der schönen Snakecharmer-Scheibe, erweist sich auch das neue Album der Band House Of Lords als wahrer Glücksgriff.
"Precious Metal" heißt das mittlerweile neunte Werk der Männer um Bandleader James Christian. Das Band-Line-up präsentiert sich seit 2006, bestehend aus den weiteren Mitgliedern Jimi Bell (guitars), J.J. Zampa (drums) und Chris McCarvill (bass), nahezu unverändert. Das merkt man auch zu jeder Zeit. Hier sitzt jeder Handgriff, ein perfekt eingespieltes Ensemble.
Mit dem Musikgenre Metal weist dieser Silberling zwar eher nur sporadische Bezüge auf (allerdings sind so manche E-Führungsriffs und das kräftige Drumgepolter teilweise durchaus in diese Sparte übertragbar (z. B. beim großartigen "Permission To Die"), aber eine kostbare Angelegenheit ist diese Scheibe in jedem Fall.
Ich habe selten, bis auf eine Ausnahme, so eine stimmige Abfolge von perfekt harmonierenden Liedern erlebt. Starkes Songwriting, jede Menge instrumenteller Feinheiten (herrlich dabei vor allem die vielen quirligen und doch variablen E-Soli von Jimi Bell), klasse Refrains, unglaubliche Power und eine sehr starke Vokal-Performance von James Christian. Man spürt förmlich den Spaß, den der Vierer beim Kreieren und Einspielen der Tracks gehabt haben muss.
Mit "Battle" (schön zum Titel passend episch angehaucht), dem AC/DC-umgarnten "I'm Breakin' Free" und dem kräftigen "Epic" geben House Of Lords direkt Vollgas, sodass man das gemäßigtere, mit Survivor-Flair behaftete "Live Every Day (Like It's The Last)" gern zum ersten Durchatmen entgegen nimmt. Nach dem bereits o. a. stampfenden Kracher "Permission To Die" (tolles E-Solo) gibt es mit dem Titelstück die erste lupenreine Ballade: wunderschöner Gesang von Christian (der kann auch nicht-rotzig), hier ist dann auch mal eine Akustikgitarre zu hören. "Swimming With The Sharks" würde nicht nur vom Titel her auch gut zu Great White passen, "Raw" erinnert fast an vergangene Rainbow-Zeiten.
Kommen wir zum einzigen kleinen Punktabzug: Das Duett "Enemy Mine" (natürlich mit Christians Ehefrau Robin Beck) will hier auf dieses Werk so gar nicht passen. Allein der kitschig-poppige, Shania Twain-mäßige Anfang wirkt wie ein Fremdkörper, wird aber im weiteren Verlauf des Liedes dann doch noch irgendwie einigermaßen abgefangen. Der Song an sich ist nicht mal so übel ( Robin bietet gesangstechnisch ihrem James absolut die Stirn), hätte aber viel besser auf ein Robin Beck-Album platziert gehört. Man hätte sich auf dieser Scheibe, falls unbedingt notwendig, lieber auf ein paar sporadische Backings der Beck beschränken sollen. Das Stück hätte ich persönlich weggelassen.
Zumal es dann mit "Action", "Turn Back The Tide" und "You Might Save My Life" bis zum guten Schluss wieder ordentlich abgehende, rockige Männer-Action gibt. So bleibt mir am Ende erneut nichts anderes übrig, als genau wie bei meinem Review von 2009 zu Cartesian Dreams, auch "Precious Metal" (einen Vorgeschmack erhält man übrigens auch in diesem offiziellen Frontiers-Trailer) mit Lob zu überhäufen. Die ’Oberhäusler’ legen die Messlatte im Genrebereich direkt zu Anfang des Jahres richtig hoch: Toller, melodischer, absolut stadiontauglicher Melodic Hard Rock, wie man ihn kaum besser zelebrieren kann. Dazu kommt noch ein klasse Coverbild. Überragend!
| Tracklist |
01:Battle
02:I'm Breakin' Free
03:Epic
04:Live Every Day (Like It's The Last)
05:Permission To Die
06: Precious Metal
07:Swimmin' With The Sharks
08:Raw
09:Enemy Mine
10:Action
11:Turn Back The Tide
12:You Might Just Save My Life
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